Gibt es die Pflegestufe III – erst beim Tod ?

Gibt es die Pflegestufe III – erst beim Tod ?

Man fragt sich, woher dieser Junge die Kraft nimmt, sein Leben zu meistern und alle Drangsalierungen des Staates zu ertragen ? Von Geburt an hat er “Morbus Recklinghausen”, auch als “NF” bekannt. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich kontinuierlich. Trotzdem ist man nicht gewillt, ihm eine angemessene Versorgung zukommen zu lassen.

Als Kind schon immer in die Ecke gestellt und von den normalen Unternehmungen gesunder Kinder ausgeschlossen, als Halbwüchsiger dann mit der gesammelten Erfahrung, auch die Bestätigung von der Umwelt und der Gesellschaft zu bekommen und als junger Erwachsener seine Krankheit als Last der Gesellschaft zu spüren, dass muss eine harte Erfahrung sein ! Doch was kann der Behinderte, der von Geburt an oder durch andere Umstände sein Leiden bekommen hat dafür ? Kann es nicht jeden Einzelnen von uns treffen ? Ein Autounfall, eine falsch behandelte Krankheit oder ein Wink des Schicksals, vor einer Behinderung ist niemand sicher.

Doch müssen Drangsalierungen und Ausgrenzungen sein ?

– Muss es wirklich sein, dass diese Menschen am unterstem Existenzminimum leben und um eine neue Hose betteln mÜssen?
– Verschwendet unsere Gesellschaft nicht Milliarden für unnütze und belanglose Sachen ?
– Sollten wir uns nicht gemeinsam für die Belange von Behinderten stark machen ?
– Warum schaut man weg?
– Hat man Angst davor, einmal selbst an dessen Stelle zu sein ?

Die Arbeitsagentur versuchte sogar, den Jungen in eine Mosaikwerkstatt zu integrieren, obwohl er nicht einmal richtig sitzen kann. Die Pflegeperson (seine Mutter) wurde ebenfalls schon darauf vorbereitet, einen evtl. EEJ annehmen zu müssen, da sie lt SGB II, angeblich erst bei Pflegestufe III davon befreit sei !

Aber gerade deshalb, sollte man aktiv werden.

Dieser Junge hat seinen Kampf gegen die Krankheit bereits seit 10 Jahren gewonnen, denn lt. Aussage der Ärzte sollte seine Lebenserwartung schon vor 11 Jahren gleich Null gewesen sein und er wird es bestimmt schaffen, noch sehr vielen Menschen Mut zu machen, durch öffentliche Selbstdarstellung, moralische Hilfe von weiteren Betroffenen zu leisten. Bewundernswert ist in seinem Fall, die völlige Kontrolle über seine Ziele und seine bescheidene Art. Er hat sich damit abgefunden, eben nicht, wie andere Menschen, agieren zu können und sieht seine Aufgabe in der Verbreitung von Lebensmut und Glauben an Menschlichkeit, Gerechtigkeit und an die innere Kraft jedes einzelnen Menschen. Denn er ist der Überzeugung, dass der Mensch viel größere seelische und körperliche Kräfte hat, als ihm bewusst ist.

Doch mit den deutschen Behörden und Ämtern hat er grausame Erfahrungen machen müssen, die man nicht einmal gesunden Menschen wünscht. So musste seine Familie jahrelang um einen Hauslehrer kämpfen, jahrelang kämpfen sie um die Höherstufung von der Pflegestufe I auf II. Bürokratismus verhinderte einen normalen E-Rollstuhl für die Strasse. Bei der Krankenkasse hieß es : “erst eine rollstuhlgerechte Wohnung, dann ein E-Rolli” und bei der Wohnungsgesellschaft hieß es : “Erst ein E-Rolli, dann eine rollstuhlgerechte Wohnung. Nur mit Hilfe vom “TV Sat1″ ist es dann endlich gelungen, dem Jungen über eine Spendenaktion einen E-Rolli zu beschaffen und auch der Familie mit einer behindertenfreundlichen Wohnung zu helfen.

Doch mal ganz ehrlich ! Müssen solche steinigen Wege wirklich sein, nur um etwas menschlicher leben zu dürfen ? Wäre es nicht Pflicht der Krankenkasse und Pflicht der Behindertenbeauftragten gewesen, dem Jungen bei der Durchsetzung seiner Rechte zu helfen ? Wer setzt sich gerade jetzt, nach dem angefangenen Sozialraub, noch für ein würdevolles Leben dieser Menschen ein ?

Ich kämpfe für ein würdevolles Leben

Fragt man sich, wie behinderte Menschen von unseren Behörden behandelt werden, so haben Erfahrungen gezeigt, dass es schon fast unmenschliche Reaktionen einiger Bearbeiter gibt und dass man dieser Gruppe von Menschen eindeutig zu verstehen gibt, dass sie in diesem Staat keine Forderungen zu stellen haben ! Betrachten wir uns die Auszahlbeträge der Grundsicherungen, so werden wir feststellen, dass diese Summen weder zum leben, noch zum sterben reichen. Und dies in einer Wohlstandsgesellschaft mit vorgetäuschtem sozialem Charakter ?

– Das Bekleidungsgeld wurde lt. SGB XII gestrichen.
– Einmalzahlungen für bestimmte Aufwendungen und Anschaffungen gibt es seit 2005 nicht mehr.
– Zusätzliche Einkommen und selbst das Kindergeld werden angerechnet.
– Zuzahlungsvorschriften wurden drastisch verschärft,
– Telebusse abgeschafft und durch private Unternehmen ersetzt.

Stellen wir also fest: dass sich Behinderte dazu gezwungen sehen, selbst ihre “Unterwäsche” auf Pump zu kaufen, denn nötige Zahlungen gibt es nur darlehnsweise! Haben es behinderte Menschen nicht schon schwer genug, sich mit den täglichen gesellschaftlichen Einschränkungen und ihrer Krankheit abzufinden ? Muss man Ihnen das Leben nun zusätzlich durch Kürzungen von Sozialleistungen erschweren ? Eine Klage auf Höherstufung der jetzigen Pflegestufe II auf III, wurde am 18.01.2007 nach einer Bearbeitungszeit von 37 Monaten abgeschmettert. Eine Schande fürs deutsche Rechtssystem. Und gerade deshalb bekommt er die benötigte Kraft, weiterhin für sein Leben zu klagen und seinen Lebensweg der Öffentlichkeit zu präsentieren. (Sozialticker, 21.01.07)

Bleibt nur die Hoffnung auf ein würdevollen Leben, oder stirbt diese mit diesem Kampf auch aus?

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