Auswertung: Hartz IV Anträge zu kompliziert und Bescheide zu fehlerhaft

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Hartz IV Bescheide: Zwischen Schwerverständlichkeit und Verständnislosigkeit

Seit Jahren sind die Sozialgerichte vollkommen überlastet. Eine Flut von Hartz IV Verfahren erreichten beinahe täglich die Gerichte. Beinahe 180.000 Widersprüche und eine ebenso hohe Anzahl von Klagen stapeln sich in den Sozialgerichten. Eine Untersuchung konnte zeigen: Mindestens ein Drittel der Hartz IV Bescheide sind fehlerhaft.

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Hohe Fehlerquote bei den Hartz 4-Bescheiden

Eine Forschungsarbeit im Rahmen einer Doktorarbeit beschäftigte sich auf wissenschaftlicher Basis mit diesem Thema und forschte nach den Ursachen. Dabei kam zutage, dass tatsächlich mindestens ein Drittel der Hartz IV Bescheide Fehler enthalten.

Verständigungsbarrieren zwischen Jobcenter und Leistungsberechtigten

Die Ursachen dieser Verständigungsbarrieren zwischen Jobcenter und Leistungsberechtigten untersuchte Ulrike Leistner in ihrer Doktorarbeit. Betreut wurde die Sozialwissenschaftlerin an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) in einem kooperativen Verfahren mit der Technischen Universität Dresden.

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Problem Amtsdeutsch und hochkomplexe Rechtslage

Insgesamt analysierte Ulrike Leistner knapp 20 Beratungsgespräche und befragte über 200 Sozialarbeiter in Erwerbslosenberatungsstellen, also unabhängigen Anlaufstellen, in denen Arbeitssuchende zu ihren Jobcenter-Schreiben beraten werden. Dabei fand sie heraus: Eine Hauptursache für die Verständigungsprobleme ist tatsächlich das komplizierte Amtsdeutsch sowie die hochkomplexe Rechtslage.

Darüber hinaus ist es aber auch die Logik einer Behörde, die vielen Erwerbslosen unverständlich ist. Dazu kommt als große Barriere, dass viele Betroffene generell an der Aufrichtigkeit und dem Wohlwollen des Jobcenters zweifeln.

Problem auch in den Jobcentern erkannt ohne wirkungsvolle Folgen

„Tatsächlich haben die Jobcenter schon vor Jahren erkannt, dass sie ihre Schreiben überarbeiten müssen. Allerdings hat die Überarbeitung zu keinen substantiellen Verbesserungen geführt“, so Leistner zu einem weiteren Ergebnis ihrer Doktorarbeit.

Um eine bessere Verständigung zwischen Jobcentern und Erwerbslosen zu erreichen, mahnt die Wissenschaftlerin zwei drängende Nachbesserungen an: eine leichte, allgemeinverständliche Sprache sowie eine bessere direkte Erreichbarkeit der Jobcentermitarbeiter.

Jobcenter sind in der Bringschuld

Die Forscherin sagt: „Verständigungsbarrieren in Verwaltungsschreiben sind kein leidliches Übel, das man hinnehmen muss. Ganz im Gegenteil: Behörden sind in der Bringschuld, ihr Handeln transparent und nachvollziehbar zu gestalten, um die Akzeptanz der Demokratie und des Rechtsstaats zu erhalten“, so Ulrike Leistner. Dazu brauche es auch weiterhin das Engagement Sozialer Arbeit, um nachhaltige, strukturelle Verbesserungen zu erreichen.

Ulrike Leistner studierte an der HTWK Leipzig Soziale Arbeit. Sie blieb nach ihrem Diplom als Wissenschaftlerin an der Hochschule und forschte zum Vertrauen in soziale Dienstleister und Ämter sowie zur Verständlichkeit von Gesundheitsinformationen.

Für ihre Promotion erhielt die gebürtige Leipzigerin ein Stipendium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Mittlerweile arbeitet die heute 36-Jährige als Koordinatorin für kommunale Gesundheit bei der Stadt Leipzig.

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