Viele Versicherte glauben, sie kรถnnten ihre Rente mit 63 direkt aus der Renteninformation ableiten. Sie nehmen die dort genannte Hochrechnung, ziehen 14,4 Prozent Abschlag ab und planen damit Miete, Kredit und Ausstieg. Wer so rechnet, riskiert jeden Monat eine spรผrbare Lรผcke im Geldbeutel โ dauerhaft.
Inhaltsverzeichnis
Renteninformation: รberblick, aber kein verbindlicher Anspruch
Die Renteninformation kommt einmal im Jahr. Sie wirkt verbindlich, ist aber nur eine Momentaufnahme. Im Kern finden Sie drei Angaben.
Erstens: die bisher erworbenen Entgeltpunkte und die daraus berechnete Bruttorente bei Regelaltersrente nach heutigem Stand. Das zeigt, was Ihre bisherige Erwerbsbiografie aktuell an Anspruch ergibt.
Zweitens: eine Hochrechnung der spรคteren Regelaltersrente. Sie unterstellt, dass Sie bis zur gesetzlichen Altersgrenze weiterarbeiten und ungefรคhr so verdienen wie in den letzten Jahren. Auch angenommene Rentenanpassungen flieรen ein. Diese Zahl ist ein Szenario, kein Versprechen.
Drittens: Informationen zur Erwerbsminderungsrente. Sie zeigt, welche Absicherung bestรผnde, falls Sie dauerhaft nicht mehr arbeiten kรถnnen.
Entscheidend: Die Renteninformation rechnet immer auf die Regelaltersgrenze. Sie sagt nichts Verlรคssliches darรผber, wie hoch Ihre Rente mit 63 tatsรคchlich ausfallen wird.
Wo der teure Denkfehler steckt
Der typische Fehler sieht so aus: Sie sehen in der Renteninformation eine hochgerechnete Regelaltersrente, zum Beispiel rund 2.000 Euro brutto. Sie wissen, dass eine Rente mit 63 mit 14,4 Prozent Abschlag verbunden ist. Also ziehen Sie im Kopf 14,4 Prozent von den 2.000 Euro ab und planen mit rund 1.700 Euro.
Das wirkt logisch, ist aber falsch. Denn diese Hochrechnung beruht darauf, dass Sie bis zur Regelaltersgrenze weiter Entgeltpunkte sammeln. Gehen Sie mit 63, erreichen Sie diese Punkte gar nicht mehr. Ihre Rente ist schon vor dem Abschlag niedriger.
Erst darauf wird der Abschlag wegen des vorgezogenen Beginns berechnet. So entsteht leicht eine Differenz von hundert Euro und mehr pro Monat.
Kurzes Praxisbeispiel: Weniger Punkte, weniger Rente, gleicher Abschlag
Nehmen wir eine versicherte Person des Jahrgangs 1964. Die Regelaltersgrenze liegt bei 67 Jahren. Ende 2024 weist die Renteninformation zum Beispiel 44 Entgeltpunkte aus. Daraus ergibt sich eine berechnete Regelaltersrente nach aktuellem Rentenwert.
Zusรคtzlich steht eine Hochrechnung, die unterstellt, dass bis 67 weiter Beitrรคge flieรen. So kommt schnell eine Prognose von รผber 2.000 Euro brutto zustande.
Wer innerlich schon mit 63 Schluss machen will, zieht gern 14,4 Prozent von dieser Zahl ab. In Wirklichkeit sammelt diese Person bis 63 weniger Entgeltpunkte, weil vier Beitragsjahre fehlen. Zum Rentenbeginn werden nur die tatsรคchlich erreichten Punkte mit dem dann gรผltigen Rentenwert multipliziert.
Erst anschlieรend greift der Abschlag von 0,3 Prozent je Monat. Die echte Rente mit 63 fรคllt daher deutlich niedriger aus als โHochrechnung minus 14,4 Prozentโ.
So rechnet die Rentenversicherung tatsรคchlich
Die gesetzliche Rente folgt einer klaren Formel. Zuerst zรคhlen alle Entgeltpunkte, die Sie bis zum Rentenbeginn aufgebaut haben. Ein Jahr mit Durchschnittsverdienst bringt etwa einen Entgeltpunkt.
Verdienen Sie weniger, erhalten Sie Bruchteile; bei hรถherem Verdienst steigen die Punkte, begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze.
Diese gesamte Punktesumme wird mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Der Rentenwert sagt, wie viel ein Entgeltpunkt in Euro bringt. Er wird regelmรครig angepasst und kann bis zu Ihrem Rentenbeginn mehrfach steigen.
Danach folgt der Zugangsfaktor. Liegen Sie genau auf der Regelaltersgrenze, betrรคgt er 1,0. Gehen Sie frรผher in Rente, sinkt er um 0,3 Prozent pro Monat vorgezogenem Beginn. Bei 48 Monaten vorgezogener Rente ergibt sich ein Abschlag von 14,4 Prozent โ dauerhaft.
Dieser Abschlag bezieht sich auf die Rente aus Ihren tatsรคchlichen Entgeltpunkten zum gewรคhlten Stichtag, nicht auf eine Hochrechnung bis 67.
Wenn falsche Zahlen ganze Planungen kippen
Viele Menschen treffen mit den Zahlen aus der Renteninformation endgรผltige Entscheidungen. Wer glaubt, mit 63 eine bestimmte Summe sicher zu erhalten, kรผndigt manchmal frรผher, lehnt Angebote ab oder plant Kredittilgungen zu optimistisch.
Fรคllt der Rentenbescheid dann deutlich niedriger aus, sind die Korrekturmรถglichkeiten begrenzt. Eine Rรผckkehr in den ursprรผnglichen Job ist selten. Neue Arbeit bringt oft weniger Geld oder hรถhere Belastungen.
Freiwillige Zusatzbeitrรคge kosten Geld, das im Ruhestand knapp ist. Am Ende bleibt hรคufig nur Verzicht im Alltag. Genau das lรคsst sich vermeiden, wenn Sie vor Entscheidungen mit realistisch berechneten Zahlen arbeiten.
So nutzen Sie Ihre Renteninformation richtig
Statt die Renteninformation ungelesen abzuheften, sollten Sie sie gezielt prรผfen. Kontrollieren Sie den Versicherungsverlauf. Sind Ausbildungszeiten, Kindererziehungszeiten, Arbeitslosigkeit und Minijobs erfasst? Fehlt etwas, kann Ihre spรคtere Rente spรผrbar niedriger ausfallen. Klรคren Sie Unstimmigkeiten frรผh, solange Nachweise vorhanden sind.
Legen Sie dann einen realistischen Zielzeitpunkt fest. Fragen Sie sich, ob Sie tatsรคchlich bis zur Regelaltersgrenze arbeiten wollen oder ob Sie ernsthaft eine Rente mit 63 planen. Erst mit einem klaren Zieltermin lohnt sich eine konkrete Berechnung.
Fordern Sie bei der Deutschen Rentenversicherung eine individuelle Rentenauskunft fรผr Ihren Wunschzeitpunkt an. Bitten Sie ausdrรผcklich um eine Berechnung der Altersrente zu diesem konkreten Datum. Dort sehen Sie, welche Rente voraussichtlich mรถglich ist und wie hoch die Abschlรคge sind.
Zusรคtzlich kรถnnen Sie eine neutrale Beratung nutzen, etwa bei unabhรคngigen Rentenberatern oder Sozialverbรคnden. Wichtig ist, dass dort mit Ihrem tatsรคchlichen Versicherungsverlauf und dem gewรผnschten Rentenbeginn gearbeitet wird โ nicht mit der bloรen Hochrechnung aus der Renteninformation.
Was Sie tun sollten, bevor Sie kรผndigen oder reduzieren
Bevor Sie den Job aufgeben, die Arbeitszeit senken oder einen Kredit eng auf Ihre vermeintliche Rente mit 63 ausrichten, sollten Sie drei Schritte gehen.
Erstens: Renteninformationen der letzten Jahre zusammensuchen und den Versicherungsverlauf kontrollieren.
Zweitens: den geplanten Rentenbeginn festlegen und ehrlich prรผfen, ob dieser Zeitpunkt finanziell tragbar ist.
Drittens: eine individuelle Rentenauskunft einholen und anhand dieser Zahlen eine Haushaltsrechnung machen. Stellen Sie Ihre voraussichtliche Netto-Rente Ihren festen Kosten gegenรผber, inklusive Miete, Energie, Versicherungen und Gesundheit.
Stellt sich dabei heraus, dass es eng wird, kann ein zusรคtzliches Arbeitsjahr, eine Teilzeitbrรผcke oder zusรคtzliche Vorsorge die Lage deutlich entschรคrfen. Besser Sie sehen das jetzt, als erst mit dem ersten Rentenbescheid.
Fazit: Erst echte Zahlen, dann Frรผhrente planen
Die Renteninformation ist ein wichtiges Dokument, aber sie taugt nicht als einfache Rechengrundlage fรผr die Rente mit 63. Wer die Hochrechnung zur Regelaltersrente nimmt und nur den Abschlag abzieht, รผberschรคtzt seinen spรคteren Anspruch schnell um hundert Euro und mehr pro Monat.
Entscheidend sind Ihre tatsรคchlichen Entgeltpunkte zum gewรผnschten Rentenbeginn und der Abschlag, der darauf angewendet wird. Wenn Sie eine Frรผhrente ernsthaft planen, sollten Sie Ihre Unterlagen jetzt prรผfen, eine individuelle Rentenauskunft anfordern und Ihren Haushalt mit diesen Zahlen durchrechnen.




