Krankengeld – so ist es höher als das Arbeitslosengeld

Krankengeld kann höher ausfallen als Arbeitslosengeld. Viele Versicherte gehen selbstverständlich davon aus, dass das Arbeitslosengeld finanziell günstiger ist, sobald ein Arbeitsverhältnis endet oder unsicher wird. Diese Annahme hält einer genaueren Prüfung jedoch oft nicht stand, denn das Krankengeld wirkt sich netto häufig günstiger aus als erwartet.

Gerade Menschen mit mittleren Einkommen erleben, dass sie mit Krankengeld mehr Geld zur Verfügung haben als mit ALG. Der Grund liegt nicht im Prozentsatz, sondern in der konkreten Berechnung und den Abzügen.

Warum der Nettobetrag den Unterschied macht

Beim Krankengeld gelten andere Regeln als beim ALG. Zwar beträgt das Krankengeld 70 Prozent des Bruttolohns, ist aber gleichzeitig auf 90 Prozent des letzten Nettogehalts begrenzt. Entscheidend ist, dass vom Krankengeld weniger Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Genau dieser Effekt sorgt dafür, dass der Auszahlungsbetrag oft höher ausfällt als erwartet.

Krankengeld bleibt sozialversicherungsrechtlich günstiger

Während des Krankengeldbezugs zahlen Sie keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Diese Entlastung wirkt sich Monat für Monat direkt auf Ihr verfügbares Einkommen aus. Beim ALG fließen dagegen weiterhin Beiträge in mehrere Versicherungszweige. Dieser Unterschied macht Krankengeld in vielen Fällen finanziell attraktiver.

Rechenbeispiel Bruno: Krankengeld schlägt ALG

Bruno verdiente zuletzt 2.400 Euro brutto und erhielt rund 1.600 Euro netto. Sein Krankengeld liegt bei etwa 1.440 Euro monatlich und damit deutlich näher an seinem früheren Einkommen. Würde Bruno stattdessen ALG beziehen, käme er nach Abzügen nur auf etwa 1.300 Euro. Monatlich verliert er dadurch rund 140 Euro.

Rechenbeispiel Horst: Weniger Abzüge, mehr Sicherheit

Horst hatte ein Bruttogehalt von 3.000 Euro und ein monatliches Netto von etwa 1.950 Euro. Sein Krankengeld beträgt rund 1.755 Euro und sichert einen großen Teil seines bisherigen Lebensstandards. Das ALG läge bei Horst bei rund 1.600 Euro. Über ein Jahr hinweg summiert sich dieser Unterschied auf mehrere hundert Euro.

Rechenbeispiel Margot: Teilzeit und dennoch Vorteil

Margot arbeitete in Teilzeit und verdiente 1.800 Euro brutto bei etwa 1.250 Euro netto. Ihr Krankengeld liegt bei rund 1.125 Euro und damit nur geringfügig unter ihrem früheren Einkommen. Beim ALG müsste Margot mit etwa 1.050 Euro rechnen. Auch hier zeigt sich, dass Krankengeld finanziell stabiler wirkt.

Warum viele diesen Vorteil nicht kennen

Viele Betroffene vergleichen ausschließlich Prozentzahlen und übersehen die tatsächlichen Nettoeffekte. Krankenkassen erklären diese Zusammenhänge selten aktiv, obwohl sie für Versicherte entscheidend sind.

Hinzu kommt, dass Arbeitsagenturen häufig schneller präsent sind als Krankenkassen. Das führt dazu, dass Menschen vorschnell von einem finanziellen Nachteil ausgehen.

Krankengeld schützt vor vorschnellen Entscheidungen

Wer glaubt, mit Krankengeld schlechter dazustehen, beantragt häufig frühzeitig ALG oder trifft übereilte berufliche Entscheidungen. Diese Schritte lassen sich später kaum rückgängig machen.

Krankengeld verschafft Ihnen dagegen Zeit, um Ihre gesundheitliche Situation zu stabilisieren und finanzielle Fragen ohne Druck zu klären.

Krankengeld bleibt steuerlich planbar

Krankengeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das führt nicht automatisch zu hohen Steuernachzahlungen, wie häufig befürchtet wird. In vielen Fällen bleibt die steuerliche Mehrbelastung überschaubar oder entfällt vollständig. Besonders bei längerer Arbeitsunfähigkeit wirkt sich dieser Effekt moderat aus.

Warum ein Wechsel ins ALG oft Geld kostet

Wer während bestehender Arbeitsunfähigkeit ins ALG wechselt, beendet den Krankengeldanspruch endgültig. Ein späterer Rückweg ist praktisch ausgeschlossen. Dieser Schritt kostet häufig mehrere hundert Euro im Monat. Deshalb sollten Sie einen Wechsel immer sorgfältig prüfen.

Checkliste: Wann Krankengeld finanziell günstiger ist

  • Ihr Nettoverdienst lag deutlich unter Ihrem Bruttolohn
  • Sie möchten keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen
  • Ihre Arbeitsunfähigkeit besteht weiterhin
  • Sie wollen Einkommenseinbußen vermeiden
  • Sie benötigen Zeit zur gesundheitlichen Stabilisierung

FAQ zum Krankengeld im Vergleich zu ALG

Ist Krankengeld immer höher als ALG?
Nein, aber in vielen Fällen liegt der Nettobetrag über dem ALG, insbesondere durch geringere Abzüge.

Darf ich Krankengeld und ALG gleichzeitig beziehen?
Nein, beide Leistungen schließen sich aus. Besteht Arbeitsunfähigkeit, zahlt ausschließlich die Krankenkasse.

Zählt Krankengeld für die Rente?
Ja, während des Krankengeldbezugs werden weiterhin Rentenversicherungsbeiträge gezahlt.

Kann die Krankenkasse Krankengeld einfach beenden?
Nein, dafür braucht es klare medizinische oder rechtliche Gründe. Entscheidungen lassen sich prüfen und anfechten.

Sollte ich freiwillig ins ALG wechseln?
Das ist finanziell oft nachteilig und sollte nur nach genauer Prüfung erfolgen.

Fazit: Krankengeld wird unterschätzt

Krankengeld bietet für viele Versicherte eine deutlich bessere finanzielle Absicherung als Arbeitslosengeld. Wer die Nettoeffekte kennt, vorschnelle Wechsel vermeidet und seine Rechte nutzt, schützt sein Einkommen und gewinnt wertvolle Zeit für die eigene Gesundheit.