Nach dem Krankengeld weiter krankschreiben lassen

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Wer Krankengeld bezieht und die maximale Bezugsdauer endet, wird sich fragen, on man sich nach dem Krankengeld weiter krankschreiben lassen darf, um weiterhin Unterstรผtzung zu erhalten. Diese Frage wollen wir hier beantworten.

Zunรคchst grundsรคtzliches: Das Krankengeld รผbernimmt nach sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber einen groรŸen Teil des Nettolohnsโ€ฏโ€“ allerdings nur bis zu einer Hรถchstdauer von 78โ€ฏWochen innerhalb einer Blockfrist von drei Jahren.

Weil die ersten sechs Wochen Lohnfortzahlung in diese Frist eingerechnet werden, erhalten die meisten Versicherten effektiv rund 72โ€ฏWochen Krankengeld. Ab 2025 gilt unverรคndert: Es werden 70โ€ฏProzent des Bruttolohns gezahlt, maximal 90โ€ฏProzent des Nettos, abzรผglich Sozialversicherungsbeitrรคge.

Aussteuerung: Der Moment, in dem Betroffene nicht mehr automatisch abgesichert sind

Mit dem Ende der 78.โ€ฏWoche tritt dieโ€ฏโ€žAussteuerungโ€œโ€ฏein. Die Krankenkasse stellt die Leistung ein, obwohl viele Erkrankungen โ€“ von chronischen Schmerzsyndromen bis zu schweren Verlรคufen โ€“ dann lรคngst nicht ausgeheilt sind.

Spรคtestens jetzt mรผssen Betroffene sich bei der Arbeitsagentur melden, um den รœbergang in das Arbeitslosengeld zu organisieren.

Nahtlosigkeitsregelung: ยงโ€ฏ145โ€ฏSGBโ€ฏIII als sozialrechtlicher Puffer

Der Gesetzgeber hat fรผr genau diese Lรผcke eine Ausnahme geschaffen: Er spricht von derโ€ฏNahtlosigkeitsregelung. Wer nach dem Urteil des ร„rztlichen Dienstes der Arbeitsagentur voraussichtlich sechs Monate lang weniger als drei Stunden tรคglich arbeiten kann, gilt als โ€žverfรผgbarโ€œ im Sinne des SGBโ€ฏIII, obwohl faktisch keine Arbeitsfรคhigkeit vorliegt.

Damit besteht Anspruch auf Arbeitslosengeldโ€ฏI, wรคhrend die Rentenversicherung prรผft, ob eine Erwerbsminderungsrente oder eine Reha in Betracht kommt. Abhรคngig von Alter und Versicherungszeiten kann dieses Arbeitslosengeld bis zu 24โ€ฏMonate bezogen werden.

Wenn der Prognoseโ€‘Check scheitert:ย  Nicht immer bestรคtigt der ร„rztliche Dienst die fehlende Leistungsfรคhigkeit. Entscheidet er, dass die Arbeitsfรคhigkeit binnen der nรคchsten Monate wiederhergestellt sein dรผrfte, wird die Nahtlosigkeitsregelung verweigert.

Dann gilt das normale ALGโ€‘I: Nur wer sich dem Arbeitsmarkt zur Verfรผgung stellt, behรคlt den Anspruch. Eine fortlaufende Krankschreibung hat in diesem Szenario fatale Folgen, denn sie beweist gerade das Gegenteil โ€“ und kann zur vollstรคndigen Streichung der Leistung fรผhren.

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Zwischen Arbeitgeberpflichten und Behรถrdenerwartungen

Besonders heikel wird die Lage, wenn ein ungekรผndigtes Arbeitsverhรคltnis besteht. Arbeitgeber dรผrfen auch nach der Aussteuerung weiterhin Arbeitsunfรคhigkeitsbescheinigungen verlangen.

Formal bleibt die Meldeโ€‘ und Nachweispflicht aus ยงโ€ฏ5โ€ฏEntgFG bestehen; seit der schrittweisen Einfรผhrung der elektronischen AUโ€‘Bescheinigung (eAU) ab 2023 werden die Daten zwar digital an die Krankenkasse รผbertragen, die Pflicht zur rechtzeitigen Krankmeldung gegenรผber dem Betrieb entfรคllt jedoch nicht.

Damit geraten Betroffene in einen Zielkonflikt: Die Arbeitsagentur erwartet Verfรผgbarkeit, der Arbeitgeber eine lรผckenlose AU.

Strategien, um das finanzielle Vakuum zu vermeiden

Betroffene sollten spรคtestens zwei Monate vor Aussteuerung aktiv werden: Krankenkassenbrief abwarten oder anfordern, Arbeitslosengeld rechtzeitig beantragen, alle Arztberichte sammeln und zeitnah den Rehaโ€‘ oder Rentenantrag stellen, falls die Agentur dazu auffordert.

Scheitert die Nahtlosigkeit, kรถnnen Widerspruch oder sozialgerichtliche Klage sinnvoll sein, um die Einschรคtzung des ร„rztlichen Dienstes zu รผberprรผfen.

Parallel lohnt es sich, das Gesprรคch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine pragmatische Lรถsung fรผr die AUโ€‘Bescheinigungen zu finden.

Digitalisierung als kleiner Lichtblick โ€“ aber keine Entwarnung

Die jรผngsten ร„nderungen im SGBโ€ฏIII und die vollstรคndige Umstellung auf elektronische Krankschreibungen entlasten zwar Praxen und Krankenkassen, sie beseitigen jedoch nicht die Grundprobleme: lange Gutachterverfahren, divergierende medizinische Einschรคtzungen und fehlende Einkommenssicherheit in der Wartezeit.

Bis ein strukturierter Datenaustausch zwischen Arbeitsagentur, Rentenversicherung und Krankenkassen etabliert ist, bleibt individuelle Beratung unverzichtbar.

Fazit

Nach der Aussteuerung ist nichts mehr selbstverstรคndlich. Entscheidend ist, ob der ร„rztliche Dienst eine anhaltende Erwerbsunfรคhigkeit prognostiziert.

Bestรคtigt er sie, hรคlt die Nahtlosigkeitsregelung das soziale Netz offen; lehnt er sie ab, kann dieselbe Krankschreibung, die bisher schรผtzte, plรถtzlich existenzbedrohend sein.

Je frรผher Erkrankte das Verfahren verstehen, Unterlagen vorbereiten und professionelle Unterstรผtzung nutzen, desto eher vermeiden sie ein finanzielles Niemandsland zwischen Krankenkasse, Arbeitsagentur und Rentenversicherung.