SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz war wรคhrend des Wahlkampfs als Hoffnung fรผr Menschen in oder an der Grenze zu Armut inszeniert worden, obwohl er im Zuge der Hartz-Reformen zu dem Kreis der โSchrรถdianerโ gezรคhlt wurde und die Erhรถhung der Regelsรคtze in der Vergangenheit abgelehnt und das Renteneintrittsalter erhรถht hatte. Unter einer Scholz-Regierung kรถnnten die รrmsten weiter abgehรคngt werden, fรผrchtet Armutsforscher Christoph Butterwegge.
Mindestlohn von 12 Euro reicht nicht, um wachsender Ungleichheit zu begegnen
Scholz ist ein Verfechter der Mindestlohnerhรถhung. Das Sondierungspapier sieht eine Erhรถhung auf 12 Euro brutto pro Stunde vor, bleibt aber vage, wann dies passieren soll. Die Formulierung โim ersten Jahrโ kรถnnte bedeuten, dass diese Erhรถhung erst 2023 in Kraft tritt. Am 01. Januar steigt der Mindestlohn nach aktuellen Regelungen auf 9,60 Euro. Doch angesichts der Preissteigerungen und Inflation ist auch eine Erhรถhung auf 12 Euro nicht sonderlich viel wert.
Dabei ist insbesondere die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft ein wesentliches Problem angesichts finanzieller und รถkologischer Krisen, die es zu bewรคltigen gilt. Komme es nicht zu einer nachhaltigen sozialeren Politik, kรถnne es auch keine Klimagerechtigkeit geben, so Butterwegge in einem Gastbeitrag im FOCUS. Insbesondere gegen Altersarmut helfe eine Mindestlohnerhรถhung รผberhaupt nicht. Butterwegge kritisiert auรerdem, dass die Mindestlohnkommission, welche die jรคhrliche Anpassung des Mindestlohnniveaus vornimmt, auch weiterhin zu Gunsten der Arbeitgeber zusammengesetzt sein wird.
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Hartz IV: Menschen in Armut werden ignoriert
รber die Plรคne der mรถglichen Koalition hinsichtlich der โAbschaffungโ von Hartz IV hatten wir bereits berichtet. Allem Anschein nach wird das Bรผrgergeld Hartz IV lediglich einen neuen Anstrich verpassen, aber keine wesentliche Erhรถhung der Regelsรคtze und auch keine Aufhebung der Sanktionen bedeuten. Insbesondere angesichts der gigantischen Mehrbelastung wรคhrend des vergangenen Jahres, von der insbesondere Familien und Kinder, die von Hartz IV betroffen sind, sowie Menschen in Grundsicherung betroffen waren. Das Armutsrisiko in Deutschland stieg deutlich hรถher, als doe Armutsrisikogrenze im europรคischen Vergleich.
Butterwegge kritisiert, dass die kรผnftige Koalition offensichtlich an dem Konzept festhalte, dass die Betroffenen von Armut an dieser selber Schuld seien und durch Druck โaktiviertโ werden mรผssten. Auรerdem wรผrde die angepeilte Regelung, dass Aufstocker mehr von ihrem Lohn behalten dรผrfen, zu einer Ausweitung von Europas ohnehin schon grรถรten Niedriglohnsektors fรผhren. Auรerdem sei die Beugung von SPD und Grรผnen unter die FDP Maรgabe, keine Steuern fรผr Reiche und Superreiche oder betriebliche Erbschaftssteuer zu erheben, obwohl diese nach Grundgesetz problemlos mรถglich wรคren, eine verpasste Chance, Lรคnder und Kommunen finanziell handlungsfรคhiger zu machen und damit Investitionen und Wohlstandsentwicklung zu ermรถglichen.
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