Hartz IV: Gekündigt vom Arbeitgeber, was nun?

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Wenn Arbeitslosigkeit bevorsteht, brauchen Sie einen kühlen Kopf, um unangenehme Überraschungen wie Sperrzeiten zu vermeiden. Denn bereits lange bevor die Arbeitslosigkeit offiziell beginnt, müssen Sie aktiv werden, damit Sie in der Arbeitslosigkeit abgesichert sind.

Arbeitslosengeld I (ALG I) auf einen Blick

Wenn Sie Ihren Job verlieren, sollten Sie als erstes überprüfen, ob Sie Anspruch auf ALG I haben. ALG I bekommen Arbeitslose, die innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate (muss nicht am Stück sein) versicherungspflichtig beschäftigt waren. Sie bekommen „Pi mal Daumen“ 60% (mit Kind: 67%) vom letzten Nettoverdienst.

Je nachdem, wie lange Sie in Ihrem Job waren, bekommen Sie ALG I für bis zu zwölf Monate. Ältere ab 55 Jahren bekommen länger ALG I, nämlich bis zu 24 Monate. Wenn kein Anspruch auf das ALG I (mehr) besteht oder das ALG I nicht zum Leben reicht, dann kann ein Anspruch auf ALG II, besser bekannt als Hartz IV, bestehen.

Ist die Kündigung rechtens?

Wenn Ihnen gekündigt wurde, sollten Sie als erstes vom Betriebs-, Personalrat, der Mitarbeitervertretung (BR/PR/MAV) oder Ihrer Gewerkschaft prüfen lassen, ob die Kündigung rechtmäßig ist: Hat Ihr Arbeitgeber den Kündigungsschutz beachtet?

Wurden BR/PR/MAV ordnungsgemäß angehört? Ist eine Kündigungsschutzklage sinnvoll? Wenn Sie eine Kündigungsschutzklage in Erwägung ziehen, drängt die Zeit. Klagen müssen Sie innerhalb von drei Wochen, nachdem Sie die schriftliche Kündigung erhalten haben. Es zählt das Datum auf dem Poststempel.

Die frühzeitige Arbeitsuchendmeldung

Sie müssen sich frühzeitig bei der Bundesagentur für Arbeit (kurz BA) persönlich arbeitsuchend melden (Personalausweis mitnehmen). Spätestens drei Monate bevor Ihr Arbeitsverhältnis endet, müssen Sie sich bei der BA melden. Eine frühere Meldung ist möglich.

Wer diese Frist versäumt, bekommt eine Sperrzeit von einer Woche. Das heißt, die BA streicht Ihnen für eine Woche das Arbeitslosengeld. Die Pflicht zur frühzeitigen Vorsprache bei der BA gilt sowohl nach einer Kündigung als auch wenn eine befristete Beschäftigung ausläuft. Selbst wenn Sie gegen die Kündigung klagen oder der Arbeitgeber in Aussicht stellt, Ihre befristete Stelle zu verlängern, müssen Sie sich trotzdem melden. Für Auszubildende gilt die Pflicht nur bei einer überbetrieblichen Ausbildung.

Wenn die Drei-Monats-Frist gar nicht eingehalten werden kann, dann müssen Sie sich sogar innerhalb von drei Tagen (nachdem Sie vom Ende der Beschäftigung erfahren haben) arbeitsuchend melden: Etwa wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen mit einer Frist von vier Wochen kündigt. Wer eine Stelle antritt, die auf weniger als drei Monate befristet ist, muss sich ebenfalls innerhalb von drei Tagen melden – also fast zeitgleich mit der Aufnahme der Arbeit. Es ist rechtlich umstritten, ob mit „drei Tagen“ Werktage oder Kalendertage gemeint sind. Am besten also umgehend zur BA gehen.

Krank am Beschäftigungsende?

Heftige Nachteile haben Arbeitnehmer(innen), die nach dem Ende ihrer Beschäftigung und vor der der eigentlichen Arbeitslosmeldung krank werden. So besteht in diesem Fall z. B. ein Anspruch auf Krankengeld und auf eine eventuell notwendige Behandlung im Krankenhaus höchstens für einen Monat.

Die “richtige” Arbeitslosmeldung: Persönlich arbeitslos melden

Arbeitslosengeld bekommen Sie erst ab dem Tag, an dem Sie tatsächlich arbeitslos sind und – ganz wichtig – nachdem Sie sich zusätzlich zur Arbeitsuchendmeldung noch einmal persönlich arbeitslos gemeldet haben (Personalausweis mitnehmen).

Um kein Geld zu verschenken, müssen Sie sich also spätestens am ersten Tag, an dem Sie arbeitslos sind, auch arbeitslos melden. Empfehlenswert ist aber, sich deutlich früher arbeitslos zu melden, damit der Antrag rechtzeitig bearbeitet werden kann und Sie zügig Ihr Geld bekommen.

Sie können sich frühestens drei Monate bevor Ihr Job tatsächlich endet, arbeitslos melden. Wenn Sie erst spät gekündigt wurden, können Sie die Arbeitsuchendmeldung und die Arbeitslosmeldung in einem Aufwasch erledigen. Denn dann ist der Zeitraum zwischen dem Tag, an dem Sie vom Ende Ihres Arbeitsverhältnisses erfahren, und dem tatsächlichen Ende des Arbeitsverhältnisses kürzer als drei Monate. Wenn also für Sie die oben genannte Drei-Tage-Frist für die Arbeitssuchmeldung gilt, können Sie sich gleichzeitig arbeitsuchend und arbeitslos melden.

Bessere Regeln für Ältere

50-jährige und Ältere können statt der üblichen zwölf Monate bis zu 24 Monate lang ALG I bekommen. Haben Sie als Ü-50er mindestens 30 Beitragsmonate in den letzten fünf Jahren, bekommen Sie 15 Monate lang ALG I. Sind Sie mindestens 55 und haben mindestens 36 Beitragsmonate in fünf Jahren, bekommen Sie 18 Monate ALG I. Liegt der 58. Geburtstag hinter Ihnen, bekommen Sie bei 48 Beitragsmonaten in fünf Jahren 24 Monate ALG I.

Wenn Sie kurz vor einem Geburtstag arbeitslos werden, kann es vorteilhaft sein, den Bezug von Arbeitslosengeld etwas hinauszuzögern. Wenn Sie beispielsweise Ihren Job einen Monat vor Ihrem 55. Geburtstag verlieren, lohnt es sich wahrscheinlich, den Antrag erst nach Ihrem Geburtstag zu stellen. Beantragen Sie noch mit 54 Arbeitslosengeld, ist nach 18 Monaten Schluss mit ALG I. Wenn Sie den einen Monat überbrücken können, verlängert sich die Bezugszeit für Sie auf 24 Monate.

Das ist zulässig. Sie können bei der Arbeitslosmeldung selbst bestimmen, ab wann der Leistungsbezug beginnen soll. Dann bekommen Sie zwar für die Tage bis zum 55. Geburtstag kein Arbeitslosengeld aber dafür um bis zu sechs Monate länger!

Aber: Krankenversicherungsschutz beachten! Nach dem Verlust des Arbeitsplatzes wirkt für Pflichtversicherte der alte Krankenversicherungsschutz noch einen Monat nach. Danach müssen Sie Ihre Beiträge selbst zahlen.

Quellen

Drittes Sozialgesetzbuch (SGB III)