Hartz IV: Unsichere Jobs durch Leiharbeit

Hartz IV: Unsichere Jobs durch Leiharbeit

16.06.2011

Die Flucht aus Hartz IV gelingt immer weniger Menschen. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB der Bundesagentur für Arbeit, halten in der Mehrheit die vermittelten Arbeitsverhältnisse kaum mehr als ein Jahr. Die meisten Jobs sind derart schlecht bezahlt, so dass viele aufstockende Hartz IV Leistungen beantragen müssen.

Laut der IAB werden ein Fünftel der Menschen in die Zeitarbeit vermittelt. Das allein birgt das Risiko der Kurzzeitbeschäftigung, weil Leiharbeiter oft nach einigen Monaten entlassen werden, wenn beispielsweise ein Großauftrag beendet wurde. Eine Mehrheit der Vermittelten kehrt daher wieder zurück in den vollständigen Arbeitslosengeld II Bezug.

Die IAB stellte in ihrer Studie fest, dass die meisten Hartz IV Betroffenen sich überaus engagiert um eine Arbeitsstelle bemühen. Im Jahr 2008 haben demnach mehr als 1,1 Millionen Betroffene einmal oder mehrmals eine sozialversicherungspflichtige Stelle angenommen. In rund 70 Prozent der angenommenen Tätigkeiten lag eine Vollzeitbeschäftigung vor. Allerdings reichte das erzielte Einkommen in vielen Fällen nicht aus, um das Existenzminimum zu wahren. Nur 50 Prozent der Leistungsbezieher konnten von ihrem Lohn ohne Sozialleistungen leben. Während zwei Drittel der Alleinstehenden von ihren Lohn ohne Hartz IV Leistungen leben konnten, mussten zwei Drittel der Alleinerziehenden und Elternpaare mit Kindern trotz Arbeit zusätzliche ALG II Leistungen beantragen.

Obwohl die Menschen in der Zeitarbeit oftmals noch nicht einmal von ihrem Lohn leben können, verteidigte der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Leiharbeit. "Wer diese flexiblen Beschäftigungsformen verdammt, ignoriert die Fakten", sagte er am Mittwoch während einer Rede bei der Geschäftsführerkonferenz der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Nach Meinung des Arbeitgeberpräsidenten müsse man die Leiharbeit sogar noch weiter ausbauen. Vor allem für Hartz IV Bezieher und Menschen mit „geringer Qualifikation“ sei die Zeitarbeitsbranche eine „unverzichtbare Chance“, so Hundt. Etwa 15 Prozent des Wachstums sei durch die Zeitarbeit produziert worden. Zum Wohle der Unternehmen und zu Nachteil der Zeitarbeitsnehmer. (sb)

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