Warum die Frage „Wie viele Rentner gibt es in Deutschland?“ gar nicht so simpel ist
Wer im Alltag von „Rentnern“ spricht, meint meistens Menschen, die regelmäßig eine Rente bekommen und ihren Lebensunterhalt ganz oder überwiegend nicht mehr durch Erwerbsarbeit bestreiten. In der Statistik gibt es dafür jedoch mehrere mögliche Abgrenzungen. Man kann nach dem Alter gehen, also nach der Bevölkerung im typischen Rentenalter.
Man kann nach dem Bezug einer gesetzlichen Rente gehen, also nach Personen, die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten.
Und man kann zusätzlich Gruppen einbeziehen, die nicht aus der gesetzlichen Rentenversicherung versorgt werden, etwa Pensionärinnen und Pensionäre des öffentlichen Dienstes oder Menschen mit reinen Betriebsrenten. Je nachdem, welche Perspektive man wählt, fällt die Antwort unterschiedlich aus.
Damit die Größenordnungen klar werden, lohnt der Blick auf zwei Zahlen, die häufig durcheinandergeraten: die Zahl der Menschen im Rentenalter und die Zahl der tatsächlichen Rentenbeziehenden.
Beides ist nicht identisch, weil Rentenbezug auch unterhalb der Regelaltersgrenze möglich ist, weil einige Menschen im Rentenalter keine eigene gesetzliche Rente beziehen und weil wiederum manche mehrere Renten gleichzeitig erhalten können, ohne dass sie als mehrere Personen zählen.
Anzahl der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland der letzten 10 Jahre
| Jahr (Stichtag 1. Juli) | Rentnerinnen und Rentner (ohne Waisenrenten), in Millionen |
|---|---|
| 2016 | 20,963 |
| 2017 | 20,991 |
| 2018 | 21,043 |
| 2019 | 21,124 |
| 2020 | 21,202 |
| 2021 | 21,224 |
| 2022 | 21,260 |
| 2023 | 21,229 |
| 2024 | 21,369 |
| 2025 | 21,491 |
Quellen: Werte 2016–2024: Deutsche Rentenversicherung Bund, „Rentenversicherung in Zeitreihen 2025“, Tabelle „Rentenbestand nach Rentnergruppen – Männer und Frauen am 1. Juli – Insgesamt“ (Rentnerinnen und Rentner ohne Waisenrenten)
Die aktuell greifbarste Zahl: rund 21,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner in der gesetzlichen Rentenversicherung
Die bestverwendbare „Antwort auf die Alltagsfrage“ liefert die Statistik der gesetzlichen Rentenversicherung: Nach den aktuellen Eckzahlen betreute die Deutsche Rentenversicherung zum Stichtag 1. Juli 2025 insgesamt 21,491 Millionen Rentnerinnen und Rentner, ausdrücklich ohne Waisenrenten. Diese Zahl meint Personen, nicht Rentenzahlungen.
Sie beschreibt also, wie viele Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, unabhängig davon, ob es sich um Altersrenten, Hinterbliebenenrenten oder Erwerbsminderungsrenten handelt, solange es sich nicht um Waisenrenten handelt.
Für die Einordnung ist ein zweiter Wert wichtig, den dieselbe Quelle ausweist: Zum 31. Dezember 2024 wurden 26,088 Millionen Renten gezahlt. Das ist deutlich mehr als die 21,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner, weil einzelne Personen mehrere Rentenarten beziehen können, zum Beispiel eine eigene Altersrente und zusätzlich eine Hinterbliebenenrente.
Wer nur auf „gezahlt werden“ schaut, zählt also Leistungen; wer wissen will, wie viele Menschen Renten beziehen, muss bei den Personen bleiben.
Rentner oder „Menschen im Rentenalter“: 16,7 Millionen ab 67 Jahren im Jahr 2024
Eine andere, ebenfalls häufig verwendete Sicht ist demografisch: Wie viele Menschen sind im „Rentenalter“? Das Statistisches Bundesamt (Destatis) beziffert für das Jahr 2024 die Bevölkerung im Rentenalter ab 67 Jahren auf 16,7 Millionen Personen.
Das ist eine Altersabgrenzung und sagt zunächst nichts darüber aus, ob diese Menschen tatsächlich eine gesetzliche Rente erhalten, eine Pension bekommen, noch arbeiten oder andere Einkommensquellen haben.
Dass diese Zahl niedriger ist als die rund 21,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner in der gesetzlichen Rentenversicherung, wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, hat aber naheliegende Gründe. In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es viele Rentenbeziehende unterhalb von 67 Jahren, etwa bei vorgezogenen Altersrenten, bei Erwerbsminderung oder bei Hinterbliebenenrenten.
Umgekehrt gibt es Menschen ab 67 Jahren, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung auftauchen, etwa weil sie als Beamtinnen und Beamte pensioniert werden oder weil sie keine eigene Anwartschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung haben.
Wie sich die Zahl der Rentnerinnen und Rentner verändert: Babyboomer, längere Lebenserwartung, längerer Rentenbezug
Die Rentnerzahlen sind keine kurzfristige Modekurve, sondern folgen vor allem der Bevölkerungsstruktur. Deutschland erlebt seit Jahren den Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand.
Statistisches Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Rentenversicherung sprechen in ihren Analysen seit Langem davon, dass die Jahrgänge, die jetzt nachrücken, deutlich kleiner sind als die Babyboomer. Das schlägt sich direkt in der Zahl der Altersrentenzugänge nieder.
Zugleich wirkt die steigende Lebenserwartung auf die Dauer des Rentenbezugs. Destatis verweist darauf, dass Menschen wieder länger leben und im Schnitt länger Rente beziehen; für 2024 wird eine durchschnittliche Bezugsdauer von Versichertenrenten (Alters- und Erwerbsminderungsrenten) von 20,5 Jahren genannt, bei Frauen länger als bei Männern.
Das ist sozialpolitisch relevant, weil „mehr Jahre Rente“ bei gleichem Systemrahmen höhere Ausgaben bedeutet und die Finanzierung unter Druck setzt, wenn die Zahl der Beitragszahlenden nicht im gleichen Maße wächst.
Rentenzugänge und Renteneintritt: Warum der Ruhestand heute oft später beginnt als früher
Ein weiterer Baustein, der die Zahl der Rentnerinnen und Rentner beeinflusst, ist der Zeitpunkt des Rentenbeginns. Die Rentenversicherung berichtet, dass das durchschnittliche Alter beim erstmaligen Bezug einer Altersrente über die Jahre gestiegen ist.
Für 2024 wird ein Durchschnitt von 64,7 Jahren genannt. Dahinter stehen vor allem gesetzliche Veränderungen bei Altersgrenzen sowie das Auslaufen früherer, sehr früh zugänglicher Rentenarten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass „die Leute einfach später Rentner werden“ und damit die Zahl automatisch sinkt. Vielmehr verschiebt sich ein Teil des Renteneintritts zeitlich nach hinten, während gleichzeitig große Jahrgänge überhaupt erst in die rentennahen Altersgruppen hineinwachsen.
In der Praxis kann das zu Phasen führen, in denen die Zahl der Rentnerinnen und Rentner trotz späterer Zugänge weiter steigt, weil die demografische Wucht größer ist als die Verschiebung um wenige Monate oder Jahre.
Arbeiten als Rentner: Mehr Erwerbstätigkeit im Ruhestand, aber meist als Zuverdienst
Zur gesellschaftlichen Realität gehört außerdem, dass „Rentner sein“ nicht zwingend „nicht arbeiten“ bedeutet. Destatis weist für 2024 aus, dass ein spürbarer Anteil der Rentnerinnen und Rentner im Alter von 65 bis 74 Jahren erwerbstätig ist.
Oft handelt es sich um Tätigkeiten mit reduziertem Umfang, häufig auch im Bereich geringfügiger Beschäftigung. Das verändert den Blick auf die Rentnerzahl: Sie beschreibt Rentenbezug, nicht zwingend den vollständigen Rückzug aus dem Arbeitsleben.
Was in der öffentlichen Debatte oft untergeht: „Rentner“ sind keine homogene Gruppe
Wenn über „die Rentner“ gesprochen wird, klingt es schnell nach einem Block mit ähnlichen Lebenslagen. Die Statistik zeigt jedoch eine breite Streuung, die mit Erwerbsbiografien, Region, Geschlecht, Gesundheit und Familienkonstellationen zusammenhängt. Schon die Möglichkeit, mehrere Rentenarten gleichzeitig zu beziehen, macht deutlich, dass Lebensverläufe sehr unterschiedlich verlaufen können.
Ebenso ist es ein Unterschied, ob jemand eine eigene Altersrente bezieht, eine Erwerbsminderungsrente erhält oder zusätzlich eine Hinterbliebenenrente bekommt. Auch die Rolle der gesetzlichen Rentenversicherung ist nicht identisch mit dem gesamten Alterssicherungssystem, weil Pensionen und private oder betriebliche Vorsorge daneben existieren.
Für die Frage „Wie viele Rentner gibt es?“ heißt das: Die eine Zahl, die alle Erwartungen erfüllt, gibt es nicht. Die Zahl von rund 21,5 Millionen ist eine sehr solide Antwort, wenn „Rentner“ im Sinne von „Personen mit gesetzlicher Rente“ gemeint sind.
Wer dagegen „Menschen im klassischen Rentenalter“ wissen will, landet bei 16,7 Millionen ab 67 Jahren im Jahr 2024. Wer wiederum „alle Ruheständler unabhängig vom System“ meint, muss mehrere Systeme zusammenführen, was methodisch anspruchsvoller ist und in der öffentlichen Kommunikation seltener als einzelne, leicht zitierbare Zahl verfügbar ist.
Ausblick: Warum die Rentnerzahl in den nächsten Jahren weiter im Fokus bleibt
Destatis erwartet, dass die Zahl der Menschen im Rentenalter in den 2030er-Jahren deutlich höher liegen wird als heute. Schon die Projektion bis Ende der 2030er-Jahre sieht je nach Annahmen einen Anstieg auf mindestens 20,5 Millionen Personen ab 67 Jahren.
Damit wächst nicht nur die potenzielle Zahl der Rentenbeziehenden, sondern auch das Verhältnis zwischen Menschen im Erwerbsalter und im Rentenalter, das in der Diskussion oft als Altenquotient auftaucht.
Quellen
Die Zahl von 21,491 Millionen Rentnerinnen und Rentnern (ohne Waisenrenten) zum 1. Juli 2025 sowie die Angabe zu 26,088 Millionen gezahlten Renten zum 31. Dezember 2024 stammen aus den „Wichtigen Eckzahlen“ der Deutsche Rentenversicherung, Stand 23. Januar 2026.
Die demografische Abgrenzung „16,7 Millionen Personen im Rentenalter ab 67 Jahren im Jahr 2024“, die Projektion bis Ende der 2030er-Jahre sowie Angaben zur Rentenbezugsdauer und zur Erwerbstätigkeit von Rentnerinnen und Rentnern sind dem Themenschwerpunkt „Rente“ des Statistisches Bundesamt (Destatis) entnommen.
Einordnung zu Rentenzugängen und zum durchschnittlichen Alter beim erstmaligen Bezug einer Altersrente im Jahr 2024 basiert auf der Darstellung „In Zahlen 2024“ im Jahresbericht der Deutsche Rentenversicherung.




