Hartz IV: Ich bin die Unterschicht

Ein Leserbrief: Ich, 23Jahre alt und meine Lehre erfolgreich abgeschlossen, danach gleich eine Arbeit gefunden und nun doch arbeitslos….

ich bin die, mit diesem netten,zynischen Namen gesegnete neue Randgruppe-die UNTERSCHICHT!TJa, ehrlich gesagt,es stimmt. Mein Auto ist elf Jahre alt,es ist mehr schieben als fahren, meine Wohnung ist viel zu klein für meine Tochter und mich, wenn bei uns mal ein Versicherungsfall eintritt, kann ich bloß hoffen, dass die billigen Versicherungen trotzdem halten was Sie versprechen,mein Töchterchen darf nicht mal ein von der Oma angelegtes Sparbuch für den Schulanfang haben,ich habe mir meine letzten Schuhe von meinem letzten gehalt kaufen können, von rund 500 Euro,die nach Abzug der Miete über sind,lässt sich richtig prima leben…das bissl

Essen,Strom,Versicherung,Sprit,Kleidung ist doch alles sooo Spottbillig…Ich freue mich auf mein erstes Weihnachten als "Hartzer"!!! Wenn ich durch unsere schöne Kleinstadt laufe, in der übrigens von 18.000 gerundeten Einwohnern 8.000 ALG2-Empfänger sind,werde ich schon manchesmal ziemlich neidisch,auf die andere Seite,die "Reichen"!

Vollbepackt mit Geschenken, ein Lächeln Gesicht gehen Sie an einem vorbei,dass teure Eau de Toilette nebelt dich ungewollt mit ein und du weisst ganz genau was diese Leute grad über dich denken….wieder eine,die nicht arbeiten will und die Kohle in den Allerwertesten geschoben bekommt!!!!

Auf der einen Seite bin ich fair und sage,ja manch einer ist mit diesem "Leben" zufrieden,meint Arbeit ist nur etwas für Dumme…Andererseits kenne ich Familien, die Ihren Kindern nicht einmal mehr Obst & Gemüse bieten können, weil einfach das Geld zu knapp bemessen ist!

Ich habe Angst, wenn ich sehe ,dass es wirkich so ist, dass jede Generation schlimmer denkt, der soziale Abstieg einfach so hingenommen wird, weil Sie es aus der Familie gar nicht mehr anders sehen,es als normal empfinden,vom Staat "gesponsert" zu werden!!!

Ich möchte dass meiner Tochter wirkich ersparen, möchte Ihr eine gute Schulbildung zukommen lassen und Ihr eine solide Ausbildung in Ihrem Traumberuf ermöglichen!! Dazu braucht man aber unbedingt Arbeit und die wird mir ja leider nicht ermöglicht…Liebe Leute,ich MÖCHTE arbeiten!!! Nach fast einem Jahr zu Hause, fällt mir die Decke auf den Kopf,der dämliche Alltag stinkt mich an, ich brauche einfach wieder den Stress, dass Gefühl von "Gebraucht-werden"…Und einfach abends zu wissen,ja das ist mit meinen Händen verdientes Geld!!! Ich möchte einfach wieder Träumen und auch meiner Tochter wieder Türen ins "Normale" Leben öffnen können…

Leider ist das als alleinerzeihende Mutter wohl wirklich nur noch ein schönes Hirngespinst!! Ich glaube,für viele ALG2-Bezieher zu sprechen, wenn ich sage,dass wir nicht freiwillig alles wegwerfen wollten,wir einfach von unserer Politik in dieses nette Klischee der "faulen, arbeitsscheuen Mitbürger" gesteckt wurden. Die Leiter, um da wieder rauszukommen,wurde bei vielen einfach vergessen!!!!

Trotzdem denke ich,grad jetzt in der Vorweihnachtszeit positiv,ja wirklich, meine das es trotz allem Menschen gibt, denen es noch viel schlechter geht als mir. Ich werde es irgendwie schaffen,meine Situation zu bessern, schliesslich habe ich eine gute handfeste Grundlage geschaffen…aber zum Beispiel eine unheilbare Krankheit,ist doch viel schlimmer als sozial untergestellt zu sein…Ich wünsche allen "Hartzern" wieder einen positiven Blick auf die Zukunft, alles ist doch irgendwie machbar,ja!!! Frohe Weihnachten und vieleicht laufen wir uns nächstes Jahr rein beruflich mal über den Weg!

Dies ist ein LeserInnen Brief von Doreen, Email: dreeny@gmx.de

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