Erwerbsminderungsrente: Muss man dauerhaft krankgeschrieben sein?

Lesedauer 2 Minuten

Müssen Sie, um eine Erwerbsminderungsrente bewilligt zu bekommen, zuvor dauerhaft krankgeschrieben sein? Oder wird Ihnen die Rente verweigert, weil sie für bestimmte Zeiten kein ärztliches Attest oder einen gelben Schein vorweisen können?

Erwerbsminderungsrente gibt es aus gesundheitlichen Gründen

Im Unterschied zu anderen vorzeitigen Renten (wie zum Beispiel der wegen besonders langjährigen Versicherungsbeiträgen) berechtigt zur Erwerbsminderungsrente eine gesundheitliche Notsituation.

Vollzeitarbeit ist nicht mehr möglich

Erwerbsgeminderte können nicht mehr in vollen Ausmaß arbeiten, sondern nur noch weniger als drei Stunden am Tag (volle Erwerbsminderung) oder weniger als sechs Stunden pro Tag (teilweise Erwerbsminderung). Die Erwerbsminderungsrente soll diesen erzwungenen Erwerbsausfall ausgleichen.

Wie wird eine Erwerbsminderung festgestellt?

Um eine Erwerbsminderungsrente auszuzahlen, verlangt die Deutsche Rentenversicherung den Nachweis, dass eine Erwerbsminderung vorliegt. Die Betroffenen müssen einen Antrag stellen, sowie versicherungsrechtliche und rentenrechtliche Voraussetzungen erfüllen. Wer nicht in die Rentenkasse eingezahlt hat, der oder die bekommt auch keine Erwerbsminderungsrente.

Um eine Erwerbsminderungsrente zu genehmigen wird die gesetzliche Rentenversicherung in der Regel ein Gutachten eines Amtsarztes anfordern und Ihnen einen Brief schicken mit einem Termin bei diesem.

Lesen Sie auch:
EM-Rente: 5 wichtige Änderungen in der Erwerbsminderungsrente 2024

Berichte der Haus- und Fachärzte sind wichtig

Für dieses Gutachten und darüber hinaus spielen Berichte Ihrer Haus- und Fachärzte eine erhebliche Rolle bei der Beurteilung. Genauer gesagt, die Facharzt- und Krankenhausberichte der letzten drei Jahre sind nötig, um die Erwerbsfähigkeit einzuschätzen. Hinzu kommen Labor-, EKG- und bildgebende Befunde.

Ausnahmen sind neu auftretende Erkrankungen, Gewalttaten oder Unfälle als Ursache für die vermutliche Erwerbsminderung, bei denen keine langfristige medizinische Entwicklung vorliegt.

Was sollten die Befunde der Fach- und Hausärzte beachten

Zuerst einmal sollte die medizinisch wichtigste Diagnose im Vordergrund stehten, welche maßgeblich für den Rentenantrag ist. Hier geht es vor allem um die Funktionsdiagnosen.

Der Arzt muss also klar benennen, welche Funktionseinschränkungen tatsächlich bei der entsprechenden Diagnose vorhanden und wichtig sind. Wie stark ist bei Herzerkrankungen die Herzfunktion eingeschränkt, wie funktionsfähig ist die Lunge bei Lungenerkrankungen? Welche Bewegungseinschränkungen gibt es bei Arthrosen, Beinverletzungen oder Knochenerkrankungen?

Wie erfolgreich waren Therapien?

Die ärztlichen Berichte müssen auch konkrete Auskünfte darüber geben, ob vergangene oder gegenwärtige Therapien zu einer Verbesserung der Symptome führten. Gerade daran entscheidet sich oft, ob eine dauerhafte (!) Erwerbsminderung vorliegt, und diese ist Voraussetzung für eine Rente.

Es reichen keine allgemeinen Angaben wie “Medikamente” oder “Krankengymnastik”, sondern die einzelnen Maßnahmen müssen genau aufgeführt werden – ihre Art ebenso wie ihre Frequenz und Dauer, sowie bei Medikamenten der Name des Präparats und die Dosierung.

Änderte sich der Zustand?

Die Ärzte müssen angeben, wann Sie das letzte Mal untersucht wurden und einschätzen, wie stabil Ihr derzeitiger Zustand ist und ebenso, ob sich Ihre Einschränkungen verbessert haben, verschlechtert haben oder gleichgeblieben sind.

Aus diesen Faktoren ergibt sich ein klares Bild. Gab es nämlich trotz ausreichender Therapien keine Verbesserung oder liegt sogar eine Verschlechterung vor, dann belegt dies, dass Ihre Beschwerden chronisch sind. Und das rechtfertigt das Urteil “dauerhafte Erwerbsminderung”.

Wie groß ist die Belastbarkeit?

Alle diese Aspekte dienen dazu, die Frage zu beantworten, wie viele Stunden Sie täglich arbeiten können. Kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass Sie nur weniger als drei Stunden pro Tag einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können, dann ist die Voraussetzung für eine volle Erwerbsminderungsrente gegeben.

Müssen Sie also permanent krankgeschrieben sein?

Der Prozess, in dem eine Erwerbsminderung festgestellt oder verneint wird, zeigt: Eine permanente Krankmeldung ist nicht notwendig, um einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente zu bekommen.

Notwendig ist hingegen, dass Sie sich wegen des Leidens, das zu Funktionseinschränkungen führt, in ärztlicher Behandlung befinden, und dass Haus- wie Fachärzte qualifizierte Urteile über Ihren Gesundheitszustand und die Entwicklung der jeweiligen Krankheiten und Beschwerden abgeben.