Hartz IV: Jobcenter gibt sich ahnungslos

Jobcenter Pankow: Informationen zur Arbeitsvermittlung sind nicht ermittelbar

09.07.2014

Eigentlich dokumentieren die Sachbearbeiter und Arbeitsvermittler ihre Arbeit im Jobcenter Pankow akribisch. Weniger genau ist man dort jedoch bei der Erfassung von Daten hinsichtlich der Qualität der Arbeitsvermittlung. Welche Jobs die Hartz IV-Bezieher bekommen und wie viel Geld sie verdienen, wird nirgends erfasst. Jan Schrecker, Vorsitzender der Pankower Piratenfraktion, stellte mehrere kleine Anfragen an das Jobcenter und staunte nicht schlecht über die vermeintliche Ahnungslosigkeit der Behörde.

Jobcenter drückt sich vor der Auswertung der eigenen Arbeitsqualität
Die meisten Informationen zur Arbeit des Jobcenters Pankow sind gut dokumentiert. Wie viele Menschen in die Selbständigkeit gewechselt sind oder eine Weiterbildung begonnen haben, kann auf der Internetseite www.statistik.arbeitsagentur.de eingesehen werden. Hier finden Interessierte zahlreiche Auswertungen und Übersichten. Hinsichtlich der Qualität der vermittelten Job scheint das Jobcenter jedoch wenig Interesse zu haben, Statistiken zu führen. So jedenfalls die Erfahrungen von Jan Schrecker von der Piratenpartei. Er wollte wissen, ob die Menschen vom Jobcenter nachhaltig in Arbeit vermittelt werden. Deshalb interessierte sich der Pirat unter anderem dafür, wie viele Menschen bei Zeitarbeitsfirmen angefangen haben und wie viel die ehemaligen Hartz IV-Bezieher verdienen. Auf seine Anfragen bei der Behörde erhielt Schrecker aber lediglich die Antwort, dass zu den gewünschten Informationen keine Statistik geführt werde. So werde nicht dokumentiert, in welchen Betrieben die Erwerbslosen eine Stelle gefunden hätten und wie hoch ihr Gehalt sei. Lediglich in Einzelfällen und wenn die Stelle über das Jobcenter vermittelt worden sei, kenne man das Bruttogehalt. Da sich aber viele Erwerbslose auf eigene Faust eine Stelle suchten, sei eine Auswertung bezüglich der Gehälter nicht möglich.

Qualität der Arbeitsvermittlung wird nicht überprüft
„Die Verwaltungskosten steigen, es gibt immer mehr Klagen gegen Entscheidungen des Jobcenters – aber die Dienstleistung, die angeboten werden soll, ist nicht ermittelbar“, kritisiert Schrecker gegenüber der Zeitung. Während die Verwaltungskosten im Jahr 2005 noch bei 17 Millionen Euro gelegen hätten, seien sie bis 2013 auf 34 Millionen Euro gestiegen, berichtet das Blatt. Begründet worden sei der enorme Kostenzuwachs durch dringend benötigtes Personal. So sei die Zahl der Mitarbeiter um 200 Personen erhöht worden. Dies könnte vermuten lassen, dass bei einer gleichzeitig sinkenden Zahl der Erwerbslosen eine bessere Betreuung der Kunden im Jobcenter erreicht worden sein müsste. Doch die hohe Zahl der Widersprüche und Klagen gegen Bescheide der Behörde lassen anderes vermuten.

„Es gibt keine Statistik, die erfasst, in wie weit das Jobcenter bei einer erfolgreichen Rückkehr in die Arbeitswelt beteiligt war. Ich kann nicht messen, was für einen Job die machen“, erläutert Schrecker gegenüber dem Blatt. Der Pirat vermutet, dass dahinter System steckt. „Mit derartigen Statistiken könnte man beweisen, was sie nicht herausbekommen wollen – nämlich, dass hier nur Menschen in Arbeit gepresst werden, anstatt sie nachhaltig zu vermitteln.“

Unbekannter Qualifikationsstatus der Jobcenter-Mitarbeiter
Wie die Piratenpartei jüngst in einer Pressemitteilung schrieb, konnte der Geschäftsführer des Jobcenters Pankow keine Angaben zum Qualifikationsstatus seiner Mitarbeiter machen. Es sei ihm auch nicht bekannt, ob sie überhaupt über eine Qualifikation zur Arbeitsvermittlung verfügten. Die einzige Einstellungsvoraussetzung sei ein möglichst abgeschlossenes Studium. Dabei spiele die Fachrichtung aber keine Rolle. Bei dieser Bedingung handele es sich jedoch mehr um eine Richtlinie als um ein hartes Einstellungskriterium, schreiben die Piraten. Kein Wunder, dass sich das Jobcenter nicht mit der eigenen Arbeitsqualität befassen möchte. Wie sollten Arbeitsvermittler, denen jegliche Qualifikation für ihre Tätigkeit fehlt, auch einen guten Job machen können. (ag)




Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

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