Eine fehlerhafte Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung hat Folgen. Das Landessozialgericht Baden-Wรผrttemberg entschied am 26.06.2025: Gibt die Deutsche Rentenversicherung falsche Hinzuverdienstgrenzen an, liegt eine Pflichtverletzung vor. (Az.: Lโฏ10โฏRโฏ2079/23)
Das gilt auch ohne konkrete Nachfrage. Ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch kommt dann in Betracht. Betroffene erhalten damit eine Chance auf Korrektur. Entscheidungen auf Basis der Falschauskunft kรถnnen geprรผft werden.
Inhaltsverzeichnis
Worum es im Fall ging
Im Streit stand der Zeitpunkt des Rentenbeginns. Der Versicherte verwies auf eine unzutreffende DRV-Auskunft. Genannt wurde eine falsche Hinzuverdienstgrenze. Die Auskunft war Teil der regulรคren Rentenauskunft. Keine individuelle Beratung fand statt.
Das Gericht stellte klar: Auch Standardauskรผnfte mรผssen stimmen. Der Fehler begrรผndet eine Pflichtverletzung. Entscheidend bleibt die Auswirkung im Einzelfall.
Kernaussage des LSG
Das Gericht wertete die falsche Information als Pflichtverstoร. Eine Spontanberatung war nicht erforderlich. Maรstab ist die objektive Richtigkeit der Auskunft. Vertraut der Versicherte darauf, kann ein Nachteil entstehen. Dann greift der sozialrechtliche Herstellungsanspruch.
Ziel ist die Wiederherstellung der rechtmรครigen Position. Die Verwaltung muss den Fehler ausgleichen. Das erfolgt innerhalb des Sozialrechts.
Hintergrund: Warum Hinzuverdienst besonders fehleranfรคllig war
Die Rechtslage รคnderte sich zuletzt mehrfach. Wรคhrend der Pandemie erhรถhten Sonderregeln die Grenzen deutlich. Viele Merkblรคtter wurden schnell รผberholt. Standardauskรผnfte blieben teils veraltet. Versicherte trafen Entscheidungen auf falscher Datenbasis.
Seit 01.01.2023 existiert bei vorgezogenen Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Fรผr Erwerbsminderungsrenten gelten weiterhin individuelle Jahresgrenzen. Diese Dynamik fรผhrte zu Missverstรคndnissen. Genau hier setzt die Entscheidung an.
Was der Herstellungsanspruch leistet โ und was nicht
Der Herstellungsanspruch korrigiert Nachteile durch Pflichtverletzungen. Er verlangt eine klare Kausalitรคt. Betroffene mรผssen zeigen, was sie bei richtiger Auskunft getan hรคtten. Typische Szenarien sind ein frรผherer Rentenantrag oder andere Arbeitszeiten.
Nicht jeder finanzielle Effekt lรคsst sich rรผckwirkend ersetzen. Der Ausgleich bleibt auf das sozialrechtlich Mรถgliche beschrรคnkt. Steuerfolgen oder Nebenkosten fallen oft nicht vollstรคndig darunter. Der Einzelfall entscheidet.
Abgrenzung zu mรถglichen Schadensersatzansprรผchen
Neben dem Herstellungsanspruch kommt Amtshaftung in Betracht. Grundlage sind allgemeine zivilrechtliche Regeln. Zustรคndig wรคren Zivilgerichte. Amtshaftung zielt auf Vermรถgensschรคden. Sie greift, wenn das Sozialrecht den Nachteil nicht heilt.
Beide Wege schlieรen sich nicht zwingend aus. Sie folgen jedoch verschiedenen Prรผfungsmaรstรคben. Eine parallele Strategie kann sinnvoll sein. Beratungsstellen helfen bei der Abwรคgung.
Praktische Bedeutung der Entscheidung
Die Entscheidung stรคrkt die Position von Versicherten. Sie setzt einen klaren Standard fรผr DRV-Auskรผnfte. Fehlerhafte Standardtexte gelten nicht als Bagatelle. Trรคger mรผssen Informationen aktuell halten. Das reduziert Fehlentscheidungen rund um Rentenstarts.
Fรผr Betroffene lohnt eine Neubewertung alter Unterlagen. Besonders relevant sind die Jahre mit Sonderschwellen. Wer damals gezรถgert hat, sollte neu rechnen lassen.
So prรผfen Sie Ihren Fall systematisch
Sammeln Sie Ihre Rentenauskรผnfte und Schreiben der DRV. Notieren Sie das Datum der Auskunft. Vergleichen Sie die damals geltenden Grenzen mit dem genannten Wert. Prรผfen Sie, welche Option Sie bei korrekter Information gewรคhlt hรคtten. Halten Sie Belege bereit, etwa Arbeitszeiten oder Vertragsรคnderungen.
Stellen Sie einen schriftlichen Korrekturantrag. Verweisen Sie auf die Pflicht zur richtigen Auskunft. Schildern Sie Ihren hypothetischen Verlauf in kurzen Punkten. Bitten Sie um eine Entscheidung mit Begrรผndung. Legen Sie Fristen sachlich fest. Bewahren Sie Kopien und Sendebelege auf.
Fristen und Beweise
Achten Sie auf allgemeine Verfahrensfristen. Widerspruchsfristen laufen nach Bescheiden. Bei formlosen Auskรผnften gelten andere Maรstรคbe. Belege erhรถhen die Erfolgsaussicht. Fรผhren Sie Kalender, Lohnabrechnungen und Vertrรคge an.
Dokumentieren Sie telefonische Auskรผnfte schriftlich nach. Fรผgen Sie Datum, Uhrzeit und Namen hinzu. Je klarer die Kausalitรคtskette, desto besser.
Aktueller Rechtsstand zu Hinzuverdienst
Vorgezogene Altersrenten haben seit 2023 keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Erwerbsminderungsrenten behalten individuelle Jahresgrenzen. Planen Sie neue Beschรคftigungen, prรผfen Sie die aktuelle Lage.
Nutzen Sie offizielle Informationsblรคtter. Verlassen Sie sich nicht auf รคltere Mustertexte. Bei Unklarheiten lohnt eine schriftliche Nachfrage. Lassen Sie sich die Rechtsgrundlage nennen.
Einordnung im Rechtsprechungskontext
Die Entscheidung reiht sich in eine klare Linie ein. Gerichte betonen die Verantwortung der Trรคger. Richtigkeit gilt auch fรผr Standardinformationen. Rรผckwirkende Leistungen bleiben dennoch kein Automatismus. Die Beweisfรผhrung bleibt zentral.
Wer den Entscheidungsweg sauber belegt, stรคrkt seine Position. Das gilt besonders bei schnell geรคnderten Grenzwerten. Konsequente Dokumentation zahlt sich aus.




