Wechsel von der PKV in die GKV – So ist der Krankenversicherungswechsel möglich

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So ist ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung in die gesetzlichen Krankenkassen möglich

Ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wurde vom Gesetzgeber fast unmöglich gemacht. Es gibt aber Umwege und bestimmte Konstellationen, die dennoch einen Wechsel möglich machen. Diese wollen wir hier vorstellen.

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Wann ist ein Wechsel für Angestellte, Versicherte ab dem 55. Lebensjahr, Selbstständige oder Personen mit einer Schwerbehinderung möglich?

Der Gesetzgeber erlaubt eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen. Hierfür muss sich die Ausgangslage des Antragstellers grundsätzlich verändern.

Angestellte können in die PKV wechseln, wenn das Jahresentgelt einen bestimmten Betrag überschreitet. Um aber den Weg zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung zu ebnen, sollte das Bruttoeinkommen von Angestellten unter der Grenze des Jahresentgelts liegen. Im laufenden Jahr 2019 liegt die Grenze bei 60.750 EUR. Zu beachten ist, dass auch das Weihnachtsfest- und Urlaubsgeld in die Gesamtberechung mit einfließt.

Für Personen, die bereits am 31. Dezember 2002 in der PKV waren, sinkt die Jahresentgeltgrenze auf 54.450 EUR inklusive aller Sonderzahlungen. Das bedeutet eine höhere Hürde für diesen Personenkreis.

Was ist, wenn die Jahresentgeltgrenze nur leicht überschritten wird?

Oft verdienen Arbeitnehmer nur ein paar Euro mehr als die Jahresentgeltgrenze vorschreibt. Hier besteht die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer entsprechend mit ihrem Arbeitgeber eine Teilzeitarbeit vereinbaren. Die Reduzierung der Arbeitszeit sollte mindestens 3 Monate betragen. Die Versicherungspflicht bei der GKV tritt dann ein, wenn nachweisbar ist, dass die Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht mehr erreicht wird.

Leistungskontentsysteme können Jahreseinkommen drücken

In manchen Fällen bieten Arbeitgeber sogenannte Leistungskontentsysteme an. Diese erlauben Anteile der Vergütungen in einem Leistungskonto gutzuschreiben. Das hätte den Vorteil, dass nur das tatsächliche Entgelt zur Berechnung herangezogen werden kann. Denn im Anspar- und Sabbatjahr werden die Ersparnisse dann erst ausgezahlt.

Betriebliche Altersvorsorge einrichten

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die betriebliche Altersvorsorge das Jahreseinkommen drückt. 2019 kann eine Entgeltumwandlung bis maximal 3.216 EUR (West) bzw. 2.952 EUR (Ost) in die Betriebsaltersvorsorge eingezahlt werden. Auch somit kann das Jahresentgelt unterschritten werden.

Steigt das Gehalt danach wieder, so hat der Arbeitnehmer wieder die Wahl, entweder in die private Kasse zu wechseln oder freiwillig gesetzlich versichert zu sein.

Wechsel bei Arbeitslosengeld in die GKV

Wer das Arbeitslosengeld 1 bezieht, kann ebenfalls von der PKV in die GKV wechseln, sofern er nicht das 55. Lebensjahr überschritten hat. Letzteres Personenkreis ist von der Versicherungspflicht ausgeschlossen.

Wechsel in die GKV bei selbstständiger Tätigkeit?

Wer Selbstständig ist, muss mindestens seine Selbstständigkeit als seinen hauptsächlichen Beruf aufgeben und ein reguläres Beschäftigungsverhältnis mit Sozialversicherungspflicht beginnen. Ein Minijob reicht hierfür nicht aus. Zudem muss, wie weiter oben erwähnt, die Jahresentgeltgrenze nicht überschritten sein.

Neben dem Hauptberuf darf nebenberuflich eine Selbstständigkeit weiterhin ausgeübt werden. Hier gilt, dass das Einkommen sowie auch die Arbeitszeit aus selbstständiger Arbeit nicht den Hauptteil des Einkommens ausmachen darf. Das Angestelltendasein sollte mindestens 20 Stunden in der Woche betragen. Das monatliche Einkommen aus dem Angestelltenjob muss wenigstens 1557,50 EUR brutto betragen (Stand 2019).

Familienmitversicherung nach Aufgabe der Selbstständigkeit

Ein Ausweg ist auch, die Selbstständigkeit ganz aufzugeben, um eine Familienmitversicherung über den Ehepartner in der GKV zu erreichen, sofern der Partner in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist.

In die GKV nach Rückkehr aus dem Ausland

Ein weiterer Ausweg ist, seinen Wohnsitz in ein europäisches Land zu verlegen, in dem auch eine Pflichtversicherung gilt. Die Niederlande wäre hier z.B. eine Möglichkeit. Nach einer Rückkehr nach Deutschland kann der Antragsteller über das Formular E-104 der Krankenkassen innerhalb einer Frist von 3 Monaten eine Antrag auf eine GKV Versicherung stellen.

Krankenkassen prüfen Gestaltungsmissbrauch

Hier sollte aber genau geprüft werden – am Besten mit einem erfahrenen Juristen, ob dies ein gangbarer Weg ist. Denn die Krankenkassen prüfen genau, ob ein Gestaltungsmissbrauch vorliegt. Denn die Kassen wollen eigentlich nicht, dass ehemals privat Versicherte zurück in die gesetzlichen Krankenkassen kommen. Anerkennt die Krankenkasse die gesetzliche Krankenversicherungspflicht nicht an, muss der Betroffene zurück in die PKV wechseln. Ein Tarif mit schlechten Konditionen könnte die Folge sein.

Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung, wenn man älter als 55 Jahre ist

Wer älter als 55 Jahre alt ist, ist im Grundsatz von der Versicherungspflicht in der GKV “befreit”. Ein solcher Ausschluss gilt nicht, wenn der Versicherte mindestens einen Tag innerhalb der letzten 5 Jahre in einer gesetzlichen Krankenkasse war. War der Betroffene nicht wenigstens einen Tag in der GKV, kann eine Versicherungspflicht nur dann erreicht werden, wenn innerhalb der letzten 5 Jahren weniger als zweieinhalb Jahre Versicherungsfreiheit bestand, Versicherungspflichtbefreiung oder eine selbstständige Tätigkeit als Hauptberuf vorlagen.

Im Zweifel ist auch bei über 55jährigen eine Mitversicherung im Rahmen der Familienversicherung über den Ehepartner möglich, wenn dieser in der GKV versichert ist. Dann darf jedoch das monatliche Einkommen des Mitversicherten nicht höher als 445 EUR (Westen) und 410 EUR (Osten) sein oder nur ein Minijob in Höhe von maximal 450 EUR ausgeübt werden.

Wechsel von Schwerbehinderten in die GKV

Wer schwerbehindert wird, darf innerhalb von drei Monaten nach Feststellung der Behinderung wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Allerdings besteht auch hier das Erreichen der Vorversicherungszeit. Antragsteller müssen in den letzten fünf Jahren drei Jahre in einer gesetzlichen Krankenkasse gewesen sein. Alternativ bei einer Mitversicherung muss der Ehepartner/Elternteil Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sein. Die Kassen dürfen allerdings selbst in ihre Satzung eine Altersgrenzen festlegen, weshalb Betroffene bei unterschiedlichen Kassen nachfragen sollten.

Tipp: Im Zweifel ist es immer ratsam, einen Fachanwalt für Sozialrecht aufzusuchen, um Fallstricke und Einzelfallprüfungen vorzunehmen.

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