Wann ist der beste Zeitpunkt fรผr die Rente? Welche Mรถglichkeiten habe ich noch vor dem gesetzlichen Rentenalter, in den Ruhestand zu gehen?
Dieser Artikel beantwortet diese Fragen und gibt einen รberblick รผber die verschiedenen Optionen, erklรคrt die Bedingungen und zeigt auf, worauf es bei der Entscheidung ankommt.
Inhaltsverzeichnis
Gesetzliches Renteneintrittsalter: Die Regelaltersrente
Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Deutschland ist fรผr Personen, die im Jahr 1964 oder spรคter geboren wurden, auf 67 Jahre festgelegt. Wer mindestens fรผnf Jahre Beitragszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) angesammelt hat, kann in diesem Alter ohne Abschlรคge in den Ruhestand gehen. Fรผr Jahrgรคnge vor 1964 liegt das Eintrittsalter etwas frรผher und hรคngt davon ab, wann genau der Versicherte geboren wurde.
Tabelle: Renteneintrittsalter nach Geburtsjahr
Geburtsjahr |
Renteneintrittsalter
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vor 1947 | 65 Jahre |
1947 โ 1958 |
65 Jahre + 1-12 Monate (je nach Jahrgang)
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1959 โ 1963 |
66 Jahre + 2-10 Monate (je nach Jahrgang)
|
ab 1964 | 67 Jahre |
Frรผhrente mit 63: Wer kann davon profitieren?
Die Frรผhrente ab 63 Jahren steht Personen offen, die mindestens 35 Jahre Beitragszeit vorweisen kรถnnen. Diese Beitragsjahre setzen sich nicht nur aus Berufsjahren zusammen, sondern umfassen auch Zeiten der Kindererziehung, Arbeitslosigkeit oder Krankengeldbezug. Auch Pflichtbeitrรคge aus Minijobs kรถnnen angerechnet werden.
Jedoch ist die Frรผhrente mit Einbuรen verbunden. Fรผr jeden Monat, den die Rente vor dem regulรคren Renteneintrittsalter bezogen wird, gibt es einen Abschlag von 0,3 Prozent. Wer also vier Jahre frรผher in den Ruhestand mรถchte, muss einen Abschlag von 14,4 Prozent in Kauf nehmen.
Eine Ausnahme gilt fรผr Menschen mit einer Schwerbehinderung und fรผr Bergleute, die mindestens 25 Jahre unter Tage gearbeitet haben. Diese kรถnnen unter bestimmten Bedingungen frรผher abschlagsfrei in Rente gehen.
Tabelle: Abschlรคge bei vorzeitigem Rentenbeginn
Jahre vorzeitig in Rente | Monatlicher Abschlag |
Gesamtabschlag
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1 Jahr | 0,3 % x 12 | 3,6 % |
2 Jahre | 0,3 % x 24 | 7,2 % |
3 Jahre | 0,3 % x 36 | 10,8 % |
4 Jahre | 0,3 % x 48 | 14,4 % |
Beispielrechnung: Auswirkungen der Abschlรคge
Angenommen, ein Versicherter hรคtte ohne Abschlรคge eine monatliche Rente von 1.500 Euro. Wenn er vier Jahre frรผher in Rente geht, belรคuft sich der Abschlag auf 14,4 %, was bedeutet, dass seine monatliche Rente auf 1.284 Euro gekรผrzt wird. Dieser Betrag wird ihm lebenslang gezahlt, er muss also mit groรen finanziellen Einbuรen leben.
Altersrente nach 45 Versicherungsjahren: Abschlagsfrei ab 65 Jahren
Wer besonders lange Beitragszeiten aufweisen kann, hat ebenfalls die Mรถglichkeit, frรผher in den Ruhestand zu gehen โ und zwar ohne Abschlรคge. Fรผr Menschen, die mindestens 45 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung nachweisen kรถnnen, besteht die Option, bereits ab 65 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Bei den Jahrgรคngen vor 1964 liegt das Eintrittsalter zum Teil sogar noch niedriger.
Zu den 45 Versicherungsjahren zรคhlen nicht nur Pflichtbeitrรคge aus sozialversicherungspflichtiger Beschรคftigung, sondern auch Zeiten, in denen Krankengeld oder Arbeitslosengeld I bezogen wurde, sowie Kindererziehungszeiten und Phasen der Pflege von Angehรถrigen. Allerdings werden Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld II oder Arbeitslosenhilfe nicht angerechnet.
Tabelle: Berรผcksichtigte Zeiten fรผr die 45 Versicherungsjahre
Art der Zeiten |
Anrechnung auf die 45 Jahre
|
Pflichtbeitrรคge aus Beschรคftigung | Ja |
Krankengeldbezug | Ja |
Arbeitslosengeld I | Ja |
Kindererziehungszeiten | Ja |
Pflegezeiten fรผr Angehรถrige | Ja |
Arbeitslosengeld II / Arbeitslosenhilfe | Nein |
Studienzeiten | Nein |
Abschlรคge ausgleichen: Sonderzahlungen als Option
Wer Rentenabschlรคge vermeiden mรถchte, hat die Mรถglichkeit, durch Sonderzahlungen diese Einbuรen auszugleichen. Ab dem 50. Lebensjahr kรถnnen Versicherte solche Sonderzahlungen leisten, um ihre Rentenansprรผche zu erhรถhen und die mรถglichen Abschlรคge zu kompensieren. Voraussetzung ist, dass die Beitragszeiten von mindestens 35 Jahren bis zum geplanten Rentenbeginn erreicht werden.
Hierzu muss der Wunsch gegenรผber dem Rentenversicherungstrรคger geรคuรert werden. Dieser ermittelt dann die Hรถhe des erforderlichen Ausgleichsbetrags und teilt diese Information in einer besonderen Rentenauskunft mit. Diese Option haben auch diejenigen, die bereits eine gekรผrzte Rente beziehen, aber ihre Rente weiterhin aufstocken mรถchten.
Tabelle: Beispiel Sonderzahlungen zur Vermeidung von Abschlรคgen
Alter bei Antragstellung |
Geschรคtzte Sonderzahlung pro fehlendem Rentenpunkt (in Euro)
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50 Jahre | 8.000 |
55 Jahre | 9.500 |
60 Jahre | 11.000 |
Minijobs und Arbeitslosigkeit: Schlupflรถcher nutzen
Minijobs sind eine Option fehlende Beitragsjahre auszugleichen, da die Arbeitgeber einen Teil der Rentenbeitrรคge รผbernehmen und die Versicherten durch relativ geringe eigene Beitrรคge ihre Rentenansprรผche ausbauen kรถnnen.
Auch Zeiten der Arbeitslosigkeit kรถnnen angerechnet werden, wenn es sich um den Bezug von Arbeitslosengeld I handelt. Wer zum Beispiel mit 33 Beitragsjahren arbeitslos wird und Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, kann durch den zweijรคhrigen Bezug die 35 Beitragsjahre vollmachen und so mit 63 Jahren in Frรผhrente gehen โ allerdings mit den entsprechenden Abschlรคgen.
Tabelle: Mรถglichkeiten zur Erfรผllung der Beitragszeiten
Maรnahme | Anrechnung auf Beitragsjahre |
Minijob | Ja |
Arbeitslosengeld I | Ja |
Arbeitslosengeld II | Nein |
Freiwillige Beitrรคge zur GRV | Ja |
Rente mit 63: Wann lohnt sie sich?
Der vorzeitige Renteneintritt lohnt sich vor allem dann, wenn man ausreichend finanziell vorgesorgt hat oder durch eine Betriebsrente zusรคtzlich abgesichert ist. In diesem Fall kรถnnen die hohen Abschlรคge verkraftbar sein.
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Seit 2023 gibt es die Mรถglichkeit, zur vorgezogenen Altersrente unbegrenzt hinzuzuverdienen. Zusรคtzliche Beitragszahlungen aus einem Nebenverdienst erhรถhen auch die Rentenansprรผche, was die finanziellen Einbuรen der Frรผhrente teilweise ausgleichen kann.
Beispielrechnung: Hinzuverdienst zur Rente mit 63
Ein Versicherter geht mit 63 Jahren in Rente und erhรคlt eine gekรผrzte Rente von 1.200 Euro. Gleichzeitig arbeitet er weiterhin in Teilzeit und verdient monatlich 1.500 Euro. Durch die zusรคtzlichen Beitragszahlungen erhรถht sich seine Rente nach einigen Jahren auf 1.300 Euro. Er kann also den Abschlag teilweise ausgleichen.
Besondere Regelungen fรผr Schwerbehinderte und Bergleute
Fรผr bestimmte Personengruppen gelten besondere Regelungen, die einen frรผheren Renteneintritt ohne Abschlรคge ermรถglichen. Hierzu gehรถren:
- Schwerbehinderte Menschen: Personen mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50 kรถnnen unter bestimmten Voraussetzungen bereits ab 62 Jahren in Rente gehen. Fรผr Schwerbehinderte ab Jahrgang 1964 liegt das abschlagsfreie Rentenalter bei 65 Jahren, sofern die Versicherungszeit von 35 Jahren erreicht wurde.
- Bergleute: Wer mindestens 25 Jahre unter Tage gearbeitet hat, kann bereits mit 62 Jahren in Rente gehen, wenn er nach 1964 geboren wurde. Frรผhere Jahrgรคnge konnten sogar noch frรผher in Rente gehen.
Tabelle: Renteneintrittsalter fรผr Schwerbehinderte und Bergleute
Personengruppe | Geburtsjahr | Renteneintrittsalter ohne Abschlรคge |
Schwerbehinderte | ab 1964 | 65 Jahre |
Schwerbehinderte | vor 1964 | 62 โ 64 Jahre (je nach Jahrgang) |
Bergleute (25 Jahre unter Tage) | ab 1964 | 62 Jahre |
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Schlupflรถcher und Gestaltungsmรถglichkeiten fรผr einen flexiblen รbergang
Neben den klassischen Mรถglichkeiten, in Rente zu gehen, gibt es weitere Optionen, um den รbergang ins Rentenalter flexibler zu gestalten:
- Altersteilzeit: Eine Mรถglichkeit, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, ohne direkt in Rente zu gehen, ist die Altersteilzeit. Hierbei wird in den letzten Jahren vor der Rente nur noch die Hรคlfte der regulรคren Arbeitszeit gearbeitet, wรคhrend das Gehalt weiterhin zu einem groรen Teil durch den Arbeitgeber gestรผtzt wird.
- Teilrente: Versicherte kรถnnen auch eine Teilrente beziehen und weiterhin in Teilzeit arbeiten. Dies ermรถglicht es, den Rentenbeginn flexibel zu gestalten und gleichzeitig Rentenansprรผche weiter auszubauen.