Studiengebühren: Stipendien nicht sozial

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Stipendien nicht sozial. Vorschlag des Bundespräsidenten geht in die falsche Richtung

Studiengebühren führen zu einem Rückgang der Studierendenzahlen. Dies ist spätestens seit der Veröffentlichung der aktuellen Studierendenzahlen im Dezember des vergangenen Jahres bekannt. Schon nach der Veröffentlichung durch das Statistische Bundesamt forderte das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren die sofortige Wiederabschaffung der Gebühren.
Nun hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler zu den unsozialen Auswirkungen der Gebühren geäußert. Nach Meinung Köhlers dürfe von den Studierenden nur dann Geld verlangt werden, wenn gleichzeitig ein «wirksames Stipendiensystem» für arme Studenten eingeführt wird. Köhler verwies in diesem Zusammenhang auch auf seine eigene Herkunft. Er komme selbst aus einer armen Familie, so Köhler, und habe durch Zufall die Chance zum Besuch einer höheren Schule erhalten.

Es freut uns, dass Herr Köhler mittlerweile auch schon auf die unsozialen Auswirkungen der Gebühren aufmerksam geworden ist, so André Schnepper, Bundesgeschäftsführer des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren. Jedoch geht seine Schlussfolgerung eindeutig in die falsche Richtung. Ein Ausbau der Stipendien führt nicht dazu, dass Studiengebühren plötzlich sozial verträglich sind.“

Dies wird in einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Bundestag (Drucksache Nr. 16/4849) verdeutlicht. So erhält gerade die Gruppe der Studierenden aus bildungsfernen und finanzschwachen Schichten am wenigsten Stipendien. Nur 2,1 Prozent der Studierenden aus der ArbeiterInnenschaft bekommen ein Stipendium. Der Anteil steigt mit der sozialen Herkunft. Aus der AkademikerInnenschaft kommend erhalten demgegenüber 5,2 Prozent der befragten Studierenden ein Stipendium, also ein doppelt so hoher Anteil. Die Leistung, gemessen am Notendurchschnitt, ist im Ergebnis nicht ausschlaggebend für die Stipendienvergabe, fasst René Held ebenfalls vom ABS, die Studie zusammen. Im Gegenteil, mit steigender Note sind die sozialen Unterschiede besonders ausgeprägt.“

Unter den Leistungseliten (Notenschnitt 1,0 – 1,4) erhalten 7 Prozent, aus der ArbeiterInnenschaft aber 14 Prozent aus der AkademikerInnenschaft ein Stipendium. Darüber hinaus lässt sich eine Benachteiligung von Frauen nachweisen. Nur 2,9 Prozent der Studentinnen, jedoch 4,5 Prozent der Studenten erhalten ein Stipendium.

Als Grund für die Benachteiligung von Studierenden bzw. die Bevorzugung anderer Studierender ist vor allem die ungleiche Behandlung in Auswahlverfahren, insbesondere durch Auswahlgespräche, anzuführen. Die Mechanismen lassen sich mit dem Habituskonzept von Bourdieu erklären und sind durch sozialwissenschaftliche Studien klar belegt.

Es zeigt sich, dass Stipendien die soziale Selektion im deutschen Bildungssystem nicht beheben, sondern vielmehr vertiefen“, macht Schnepper deutlich. Nicht der Ausbau der Stipendien, sondern die sofortige Abschaffung von Studiengebühren ist die richtige Antwort auf die bildungspolitischen Probleme. (23.01.2008, ABS)

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