Schwerbehinderung am Arbeitsplatz – Diese Vorteile zum Ausgleich sollten Sie kennen

Lesedauer 3 Minuten

Drei Millionen Menschen in Deutschland sind erwerbsfähig und haben eine anerkannte Schwerbehinderung. Weniger als jeder und jede zweite von ihnen geht einer Erwerbsarbeit nach. Am Arbeitsplatz gibt es für diese Menschen Nachteilsausgleiche, um ihnen eine faire Behandlung zukommen zu lassen.

Behinderung ist ein Funktionsdefizit

Bei der Feststellung einer Behinderung und ihres Grades entscheidet nicht die jeweilige Erkrankung, sondern die Einschränkungen, die der oder die Betroffene dadurch hat. Es geht also um ein Funktionsdefizit, das länger als sechs Monate anhält und darum, wie sich dieses auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auswirkt.

Wann gilt jemand als schwerbehindert?

Die jeweiligen Versorgungsämter stellen die Schwere der Behinderung fest und notieren diese anhand einer Zehnerskala. Liegt der Grad der Behinderung bei 50 oder darüber, dann ist eine Schwerbehinderung anerkannt, und dafür schreibt das Bundesversorgungsgesetz den Nachteilsausgleich vor.

Nachteilsausgleich bei der Arbeit

Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung werden juristisch vor Diskriminierung geschützt und dürfen bei der Arbeit keine Nachteile aufgrund ihrer Behinderung erfahren. Deshalb gelten für sie besondere Rechte.

Sie haben einen außergewöhnlichen Kündigungsschutz, einen steuerlichen Pauschbetrag, einen zusätzlichen Urlaub von fünf Tagen, und sie sind berechtigt, finanzielle Unterstützung zu erhalten, um ihren Arbeitsplatz behindertengerecht zu gestalten.

Der besondere Kündigungsschutz

Für Menschen mit Schwerbehinderung gilt ein besonderer Kündigungsschutz. Bevor Arbeitgeber kündigen, müssen Sie erst einen Antrag beim Integrationsamt stellen. Der Grund: Aus Schutz vor Diskriminierung dürfen Arbeitnehmer nicht wegen ihrer Behinderung gekündigt werden, und das Integrationsamt prüft, ob der / die Beschäftigte wegen der Behinderung gekündigt werden soll. Ist dies der Fall, dann kann das Integrationsamt die Kündigung ablehnen.

Gibt es im Betrieb eine Schwerbehinderten-Vertretung, dann darf es keine Kündigung von Schwerbehinderten geben, ohne diese Vertretung darüber zu informieren. Eine Kündigung ohne Beteiliggung der Vertretung ist unwirksam.

Dieser besondere Kündigungsschutz gilt ausdrücklich auch, wenn Arbeitgeber nichts von der Schwerbehinderung wussten. Sie kann auch bereits ab einem Grad der Behinderung von 30 gelten. Dann müssen diese aber mit einem Menschen mit Schwerbehinderung gleichgestellt sein.

Zusätzlicher Urlaub

Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung haben regulär einen zusätzlichen Anspruch auf fünf Tage mehr bezahlten Urlaub im Jahr bei einer Fünf-Tage-Woche.

Lesen Sie auch:
Schwerbehinderung: Wenn der GdB unbefristet ist – Viele Risiken beim Verschlimmerungsantrag

Der Pauschbetrag

Menschen mit Behinderungen können einen Freibetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal beim Finanzamt melden. Dieses teilt ihn elektronisch dem Arbeitgeber mit, und der bezieht ihn in die Lohnabrechnung ein. Oder aber der Freibetrag wird rückwirkend angerechnet.

1. Der jeweilige Freibetrag richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Bei einer Schwerbehinderung bedeutet das: Bei einem GdB 50 sind es 1.140 Euro.
2. Bei einem GdB von 60 steigt der Freibetrag auf 1.440, und bei GdB 70 auf 1.780 Euro.
3. Mit einem GdB von 80 werden 2.120 Euro als Freibetrag berechnet, bei einem GdB von 90 bereits 2.460 Euro. Bei GdB 100 beträgt der Freibetrag 2.840 Euro.

Bei Behinderungen mit Merkzeichen H, BI oder TBl gibt es sogar einen Freibetrag von 7.400 Euro, unabhängig vom Grad der Behinderung.

Vorzeitige Rente

Rentenversicherte mit Schwerbehinderung können zwei Jahre früher in Rente gegen als Versicherte ohne Schwerbehinderung. Dazu müssen sie allerdings die Wartezeit von 35 Jahren erfüllen – so wie andere Rentenberechtigte auch.

Welche Krankheiten gelten als Schwerbehinderungen?

Zu den Erkrankungen, bei denen eine Schwerbehinderung vorliegt, also ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr, zählen zum Beispiel chronische Darmerkankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn. Auch eine chronische stark entzündliche Hepatitis führt zu einem Grad der Behinderung von mindestens 50.

Weitere Beispiele: Menschen, die von schwerer Migräne geplagt werden, mit kurzen Intervallen der Anfälle önnen einen Grad der Behinderung von 50 bis 60 bekommen. Rheumatische Erkrankungen und Krebs führt zur Feststellung von Schwerbehinderung.

Multiple Sklerose wird schon im Frühstadium als Schwerbehinderung mit Grad 50 bis 70 eingestuft, ein amputierter Arm mit 50-80. Auch für eine hochgradige Schwerhörigkeit auf beiden Ohren gilt ein Grad der Behinderung von 50-80.

Wie sieht der Einzelfall aus?

Bei vielen Erkrankungen kommt es auf die konkrete Untersuchung und den Einzelfall an, ob eine Schwerbehinderung mit einem Grad von mindestens 50 festgestellt wird. So kann ein amuptiertes Bein mit 40 bewertet werden (Behinderung, aber keine Schwerbehinderung), oder auch mit 60 (Schwerbehinderung).

Ist das Bürgergeld besser als Hartz IV?

Wird geladen ... Wird geladen ...