Rente 67: Fakten und Mythen

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Rente 67: Fakten und Chancen sehen statt Mythen und Bedrohung

Deutliche Kritik an der demografischen Begründung für politische Entscheidungen wie bei der Rente mit 67 übte der Präsident der
Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler, auf einer Fachveranstaltung des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes am Dienstag in Berlin. "Ob Gesundheits- oder Rentenreform, alle wurden maßgeblich damit begründet, dass sie wegen der demografischen Entwicklung unvermeidlich seien. " Es sei schon zu ahnen, "dass wir bei der anstehenden Reform der Pflegeversicherung wieder mit der
Demografie-Keule konfrontiert werde", so Winkler.

Es handele sich aber "dabei vordergründig um verteilungspolitische Entscheidungen, die demografisch begründet werden", betonte der Verbandspräsident. Nicht der demografische Wandel und seine Auswirkungen seien neu, sondern dass der Staat durch direkten Eingriff in das Einkommen der Bürger versuche, kurzfristige Lösungen zu erreichen. Und das obwohl die Kosten der gesellschaftlichen Entwicklung "aufgrund einer steigenden Zahl älterer Menschen durch mehr Beschäftigung und vor allem eine steigende Produktivität jederzeit abzufangen sind", so Winkler.

Auf der Veranstaltung wandten sich weitere Experten gegen den Missbrauch der Demografie als Bedrohungsszenario. "In der öffentlichen Diskussion werden die Fakten nicht zur Kenntnis genommen", kritisierte Prof. Ernst Kistler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES). Politik und Medien würden dagegen die Mythen ungeprüft übernehmen. Kistler wies nach,
dass die Rente mit 67 keine Antwort auf die demografische Entwicklung biete.

Durch diesen Schritt werde nur die gesetzliche Rente weiter gekürzt und würden die älteren Menschen gezwungen länger zu arbeiten. "Doch es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit die Menschen länger arbeiten können", forderte Kistler. Schon heute würde es vielen nicht ermöglicht, bis zur bisherigen Rentengrenze von 65 Jahren zu arbeiten. Und: "Es geht nicht um die Höhe des Beitragssatzes der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern um die Frage der Verteilung der Einkommen."

Die gesetzliche Rente künftig über eine Erwerbstätigenversicherung zu finanzieren, schlug Dr. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund als Alternative vor. Er bemängelte, dass der Wandel des Arbeitsmarktes nicht in Verbindung mit der demografischen Entwicklung gesehen werde. Zu den Folgen der Veränderungen in der Arbeitswelt mit Massenarbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung gehöre, dass immer mehr Menschen gar nicht in der Lage, für das Alter privat vorzusorgen. Doch das
werde von ihnen verlangt seit den ersten Rentenreformen 1992 und mit der demografischen Entwicklung begründet. Gleichzeitig sei das durchschnittliche Rentenniveau um bis zu 20 Prozent abgesenkt worden, stellte Thiede fest. Der DRV-Vertreter sprach sich für entsprechende Regelungen aus, die helfen, die gesetzliche Rente "armutsfest" zu machen.

Auf die Chancen der demografischen Entwicklung machte besonders Dr. Klaus-Peter Schwitzer vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) aufmerksam. Er war Mitarbeiter der Sachverständigenkommission für den 5. Altenbericht der Bundesregierung. Schwitzer bedauerte, dass in der öffentlichen Diskussion nur die Belastungen durch die demografische
Entwicklung und nicht die gesellschaftlichen Chancen dominieren. "Die Negativdiskussion vor allem in den Medien ignoriert alle Erkenntnisse über den Gewinn für die Gesellschaft durch das Alter."Dem versuche der 5. Altenbericht entgegen zu wirken, so der Wissenschaftler. Er verwies auf die Potenziale des Alters, die verstärkt in der Gesellschaft genutzt werden müssten. "Die demografische Herausforderung ist zu meistern", betonte Schwitzer. Notwendig seien dafür aber Rahmenbedingungen, die Politik und Wirtschaft schaffen müssten. (Volkssolidarität, 20.01.07)

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