Scheitern eines Studiengebühren Modells

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Das Scheitern eines Studiengebührenmodells. Vertrauensbruch an der Uni Witten/Herdecke

Lange Zeit galt die Universität Witten/Herdecke als Vorzeigehochschule. Vor allem die Befürworter von Studiengebühren priesen immer wieder wie einvernehmlich mit den Studierenden dort Gebühren erhoben werden. Nun aber will sich die Universitätsleitung über den Willen der Studierenden hinwegsetzen und die Gebühren deutlich erhöhen. Zukünftig sollen nicht wie bisher 7 Prozent der Einnahmen, sondern rund 25 Prozent durch Studiengebühren erzielt werden.

"Das abrupte Ende der Einvernehmlichkeit zwischen Universitätsverwaltung und Studierenden ist keineswegs so überraschend wie es auf den ersten Blick erscheint", so André Schnepper, Bundesgeschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS). Eine Zustimmung zur Einführung der Gebühren hätte es von Seiten der Studierenden niemals gegeben, wenn Sie nicht von Seiten der Universitätsleitung und des Landes unter Druck gesetzt worden wären.“

Um einen drohenden finanziellen Bankrott zu verhindern, versuchte der damalige Präsident, Konrad Schily, die NRW- Landesregierung davon zu überzeugen, seiner Hochschule einen Zuschuss von mehreren Millionen zu gewähren. Um der Forderung nach Unterstützung Nachdruck zu verleihen, wurde die sogenannte StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. (SG) 1995 ins Leben gerufen. Diese entwickelte ihr eigenes Studiengebührenmodell, das Modell der umgekehrten Rentenversicherung, um zu zeigen, dass die selbstlosen Universitätsangehörigen (die Studierenden) auch ihren Teil zur Finanzierung der Hochschule beisteuern. Wer nicht aus eigener Tasche die Gebühren bezahlen konnte, bekam einen zinslosen Kredit aus dem Fonds. Der Nehmer verpflichtete sich, nach Studienabschluss 8 Jahre lang 8 Prozent seines Einkommens an die SG abzuführen: ab einer Einkommenshöhe von 30.Tsd. DM und mit einer Schuldenobergrenze von 45.Tsd. DM.

Die Studierenden betrachteten die gewählte Lösung nur als notwendige Übergangslösung“, macht Schnepper deutlich. „Hätten sie gewusst, dass die Hochschulleitung ihr Versprechen bricht und entgegen ihrer damaligen Verlautbarungen nun die Studiengebühren nach und nach erhöht, hätten sie nicht ihre Zustimmung gegeben.“

In einer damals veröffentlichten studentischen Stellungnahme heißt es: Die Studierenden verstehen diese Lösung als notwendige Übergangslösung. Aus ihrer Sicht müssen gemeinsam alle möglichen Anstrengungen unternommen werden, um Studiengebühren wieder überflüssig zu machen. Aus diesem Selbstverständnis weisen wir die uns zugeschobene Vorreiterrolle in der Studiengebührendiskussion zurück. Die Universität Witten/Herdecke ist ein Beispiel dafür, wie Studiengebühren mit Hilfe der Salamitaktik zunächst eingeführt und später nach und nach gegen den Willen der Studierenden, denen man zunächst Mitspracherechte verspricht, erhöht werden, fasst Schnepper abschließend zusammen. Eine vergleichbare Entwicklung werden wir auch an den staatlichen Hochschulen erleben, wenn Studiengebühren nicht schnellstmöglichst wieder abgeschafft werden. (11.03.2008)

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