Lohnt sich besser bezahlte Arbeit überhaupt?

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Wie kann es sein, dass eine Familie mit 2 Kindern nur 53€ mehr hat, wenn ein Elternteil als KiTa-Leitung arbeitet, als wenn einer Pförtner wäre? 4.600€ vs. 2.800€ Brutto. Grund dafür ist die hohe Anrechnung auf Sozialleistungen.

Vorstellung Beispielfamilie

Hier an Familie Maier dargestellt. Das Ehepaar Maier und ihre 13 und 9 Jahre alten Kinder wohnen in Köln. Sie wohnen in einer für dortige Verhältnisse günstigen Wohnung mit 920€ Kaltmiete, 100€ Nebenkosten und 100€ Heizkosten.

Übersicht ergänzende Sozialleistungen

Für Familie Maier habe ich diese Tabelle erstellt. Abhängig vom Bruttolohn lässt sich ablesen, welche ergänzenden Leistungen der Familie zustehen würden und wie sich dies auf die Haushaltskasse auswirkt.

Die Entwicklung der Haushaltskasse lässt sich allerdings am besten grafisch darstellen um vor lauter Zahlen nicht den Überblick zu verlieren.

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Auf der waagrechten Achse ist der Bruttolohn abzulesen. Auf der senkrechten Achse ist das Haushaltseinkommen zu sehen.

Problembereich 1: nur 53€ mehr in der Kasse für 1800€ Brutto mehr

Sieht man sich das Diagramm an, fällt auf, dass in einem großen Bereich, das Haushaltseinkommen nicht mehr verhältnismäßig ansteigt. Der steigende Nettolohn wird fast komplett von sinkenden Sozialleistungen “aufgefressen”, so dass die Familie kaum mehr in der Kasse hat.

So liegen zwischen der Familie mit 2 Kinder bei 2800€ Brutto wie bei einem Pförtner und 4600€ wie z.B. bei einer Kindergartenleiterin nur 53€ in der Haushaltskasse. Zum Teil bringen 100€ mehr Brutto nur 1€ mehr in den Geldbeutel.

+ Lohnerhöhungen
+ Tarifabschlüsse
+ Weiterbildung
+ Aufstieg auf der Karriereleiter
+ Überstunden

All dies lohnt sich für Familie Maier nicht, wenn das Einkommen des Alleinverdieners zwischen 2.800€ und 4.600€ Brutto bleibt. MEHR Einkommen lohnt sich hier nicht!

Faktisch ist der Einkommensunterschied zwischen erwerbslosem Bürgergeld-Empfänger und Pförtner mit 942€ VIEL höher, als der Abstand zwischen KiTa-Leitung und Pförtner mit 53€. Daher verstehe ich nicht, warum CDU, CSU uind FDP immer das Bürgergeld als zu hoch kritisieren.

Problembereich 2: Nur 50€ mehr für 700€ Bruttolohn zusätzlich

Ein zweiter problematischer Bereich liegt zwischen 1000 und 1700€ Brutto – dort ergeben +700€ Bruttolohn nur 50€ mehr in der Familienkasse. Dies liegt daran, dass es zwischen 1000 und 1500€ Brutto nur 10% Erwerbstätigenfreibetrag im Bürgergeld gibt, darüber gar keinen.


So liegen bei Mindestlohn zwischen Erwerbslosigkeit und 1000€ Brutto = 19 Wochenstunden ein Gewinn in der Haushaltskasse von 328€.
Weitere 12 Wochenstunden bringen hingegen nur +50€. So besteht kaum ein Anreiz, den Beschäftigungsumfang von 50% auf 75% zu erhöhen.

Fazit

Der fehlende Lohnabstand von nur 53€ zwischen Normal- und Besserverdiener ist ein Thema, an das die Ampel dringend ran muss. Genauso wie an 10 Wochenstunden mehr Arbeit bei Mindestlohn für nur 50€.

Ist das Bürgergeld besser als Hartz IV?

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