Jobcenter sparen bei Weiterbildungen

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Berliner Jobcenter könnten mehr Geld in Weiterbildung von Hartz IV-Beziehern investieren

17.03.2015

Die Berliner Jobcenter geben ihre Mittel für die Weiterbildung, Qualifizierung und geförderte Stellen für Hartz IV-Bezieher nicht aus. Das ergeht aus Berechnungen des unabhängigen Bremer Arbeitsmarktforschers Paul M. Schröder. Demnach investiert das Jobcenter Pankow sogar knapp zehn Prozent seiner Gelder nicht für die Hartz IV-Bezieher, sondern gibt sie ungenutzt zurück an die Bundesagentur für Arbeit (BA). Insgesamt gaben die Berliner Jobcenter im vergangenen Jahr rund 33 Millionen Euro nicht für die Arbeitsmarktintegration von Erwerbslosen aus. Das entspricht 4,2 Prozent des Gesamtbudgets in Höhe von 787 Millionen Euro. Noch schlechter schneiden den Berechnungen zufolge nur noch Bremen und Leipzig ab.

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Jobcenter Pankow schneidet besonders schlecht ab
Bundesweit werden im Schnitt 2,57 Prozent des Budgets von den 303 Jobcenter nicht für Weiterbildungen und Schulungen von Hartz IV-Beziehern genutzt. „Wir ärgern uns darüber", erklärte Boris Velter, Staatssekretär von Senatorin Dilek Kolat (SPD) gegenüber der Berliner Morgenpost. „Es ist ganz offensichtlich, dass es in Berlin sinnvolle Dinge gäbe, die zur Integration von Arbeitslosen beitragen könnten." Die Probleme mit den ungenutzten Mitteln bestehen bereits seit Langem.

Schröder hat nicht nur die Zahlen für Berlin insgesamt analysiert, sondern auch die einzelnen Jobcenter unter die Lupe genommen. Demnach schneiden Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf und Neukölln besser ab als der Berliner Durchschnitt. Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow geben dagegen deutlich mehr Mittel zurück (7,6 beziehungsweise 9,35 Prozent). Staatssekretär Velter macht die mangelnde Planung der Jobcenter dafür verantwortlich. „Das ist eine Frage der Managementleistung der Geschäftsführer. Alles unter 95 Prozent ist wirklich schlecht." Viele Jobcenter-Geschäftsführer hätte Sorge, dass sie nicht mit dem Budget auskommen und würden deshalb die Anweisung für die zweite Jahreshälfte geben, keine oder wenig teure Weiterbildungen mehr zu gewähren.

Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion, sieht dagegen die positive Entwicklung auf dem Berliner Arbeitsmarkt für die eingesparten Mittel. „Wir brauchen nicht so viele Finanzmittel in die Hand zu nehmen, um Arbeitslose zu integrieren", wird er von der Zeitung zitiert.

Jobcenter in Bremen und Leipzig geben noch weniger Geld für Hartz IV-Bezieher aus
Schröder analysiert bereits seit drei Jahren die Daten der deutschen Jobcenter. „Die Zahlen stimmen", erklärte die Regionaldirektion der BA Berlin-Brandenburg gegenüber dem Blatt.

Den Berechnungen zufolge gelingt es Städten wie München, Köln und Frankfurt am Main deutlich besser, ihr Budget auszuschöpfen. Selbst Städte mit hoher Erwerbslosigkeit wie Duisburg und Dortmund geben weniger Mittel zurück als Berlin. Nur Bremen und Leipzig schneiden noch schlechter als die Hauptstadt ab. (ag)

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