Hartz IV beantragen trotz Vollzeitjob

Fast 200.000 Menschen in Deutschland gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach und sind trotzdem auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. Der Lohn reicht nicht zum Leben. Hartz IV kann somit nicht mehr ausschließlich mit Langzeitarbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden.

Lohn reicht nicht zum Leben

In Deutschland gibt es derzeit 3,7 Millionen Menschen, die trotz Vollzeitbeschäftigung weniger als 2.000 EUR brutto im Monat zur Verfügung haben. Von diesem Betrag werden noch Steuern und Sozialbeiträge in Abzug gebracht. Der Lohn reicht somit nicht zum Überleben.

Hartz IV-Bezug trotz Arbeit

Von diesen 3,7 Millionen sind 371.000 Menschen trotz Arbeitsbeschäftigung auf ergänzende Hartz IV-Leistungen angewiesen. 166.000 sind Minijobber, bei denen eine Aufstockung durch Hartz IV Sinn macht. Die restlichen 205.000 Menschen gehen jedoch einer Vollzeitbeschäftigung nach und können ihre Familien mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln finanziell nicht versorgen. Sie leben unterhalb des Existenzminimums.

Gehälter reichen nicht aus

Durch die Einführung des Mindestlohns sollte eigentlich sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer sich und ihre Familien selbständig versorgen können und nicht auf Leistungen vom Staat angewiesen sind. Der derzeit bei 8,84 EUR pro Stunde liegende Mindestlohn reicht hierfür jedoch nicht aus. Dies ist auf die unterschiedlich hohen Lebenserhaltungskosten innerhalb Deutschland zurückzuführen.

Mindestlohn muss erhöht werden

Die Mindestlohnberechnung bezieht sich auf ein Bruttogehalt in Höhe von 1.444,00 EUR. Nach Abzug von Steuern, anderer Abgaben und Lebenserhaltungskosten verbleiben ca. 340,00 EUR für Wohn- und Heizkosten. Die Wohnkosten in Deutschland fallen jedoch wesentlich höher aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jemand der einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, sich keine Wohnung mehr leisten kann. Aus diesem Grund wird nun eine Erhöhung des Mindestlohns gefordert.

Staat will ein Teil der Sozialabgaben bei Langzeitarbeitslosigkeit übernehmen

Für Langzeitarbeitslose wirkt eine Vollzeitbeschäftigung aufgrund der Hartz IV-Aufstockung daher eher unattraktiv. Sinn und Zweck von Förderungsmaßnahmen ist es gerade Langzeitarbeitslose aus den Hartz IV-Bezug herauszubekommen. Aufgrund des niedrigen Mindestlohns ist dies jedoch nicht möglich. Experten fordern daher, dass der Staat einen Teil der Sozialabgaben bei Langzeitarbeitslosen dauerhaft übernimmt und so Arbeitsanreize schafft.

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