Grunderbe 2024: Verlosung von 20.000 Euro als Startkapital

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Das Grunderbe ist ein einmaliger Geldbetrag, den der Staat an alle jungen Menschen in einem Land geben könnte. Ähnlich wie das bedingungslose Grundeinkommen, würde es unabhängig von der individuellen finanziellen Situation an jeden in gleicher Höhe ausgezahlt. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Startchancen der jungen Erwachsenen zu verbessern und ihre persönliche Eigenverantwortung zu fördern.

Stiftung testet das Grunderbe

Das Grunderbe Projekt, bei dem nun gelost wird, ist von der Stiftung für Chancengleichheit initiiert.  Es soll werden, welche Auswirkungen eine Zahlung von 20.000 EUR rund um das dreißigste Lebensjahr für Menschen hat.

In diesem Jahr wird dieses Grunderbe jetzt erneut getestet. Drei 30-jährige Personen erhalten jeweils 20.000 EUR Startkapital. Die Orte, in denen das Geld verlost wird, stehen jetzt fest.

Verlosung und Teilnahmebedingungen

In den folgenden Regionen findet die Verlosung statt:

  • Stadtbezirk Lindenthal in Köln
  • Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen
  • Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein (Itzehoe)

Die Auslosung der Orte fand am 7. Juli 2024 statt. Alle, die in diesem Jahr 30 Jahre alt werden und ihren Hauptwohnsitz zum Stichtag in einer dieser Regionen haben, können sich zur endgültigen Verlosung anmelden.

Pro Ort wird eine Person 20.000 EUR erhalten. Insgesamt werden somit dreimal 20.000 EUR verlost.

Bewerbungsprozess und Bedingungen

Die Teilnahme ist unkompliziert:
Interessierte müssen lediglich ein Kontaktformular ausfüllen und einem Rahmenvertrag zustimmen.

Der Bewerbungsprozess erfordert:

  • Eine Bestätigung, dass der Bewerber keine Erbschaften oder Schenkungen über 3.000 EUR erhalten hat.
  • Die Bereitschaft, das Geld drei Jahre lang anzulegen. Die Anlagemöglichkeiten kann der Gewinner selbst bestimmen. Erst nach Ablauf dieser Karenzzeit kann frei über das Geld verfügt werden.

Woher kommt das Geld und wie läuft alles ab?

Die Finanzierung des Projekts ist bereits für 2024 und 2025 gesichert. Nach der Auslosung der Orte beginnt die Bewerbungsphase für die 30-Jährigen.

Im Herbst 2024 finden dann in den ausgewählten Städten öffentliche Auslosungen statt, zu denen die Bewerber persönlich erscheinen müssen. Nur wer persönlich vor Ort ist, kann das Grunderbe erhalten.

Zusätzlich verpflichten sich die Gewinner, jährlich ein einstündiges Interview zu geben, um über die Auswirkungen des Grunderbes zu berichten.

Was kostet es und was könnte es für gesellschaftliche Auswirkungen haben?

Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) würde ein Grunderbe für alle 30-Jährigen in Deutschland etwa 15 Milliarden Euro jährlich kosten. Diese Summe könnte durch eine Abgabe auf große Erbschaften finanziert werden.

Nach Berechnungen des DIW würden rund fünf Prozent der jährlichen Erbmasse ausreichen, um das Grunderbe zu finanzieren.

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Ein solches Grunderbe könnte die Vermögensungleichheit in Deutschland erheblich verringern. Es würde jungen Menschen ein Startkapital geben, das ihnen hilft, Vermögen aufzubauen und wirtschaftliche Sicherheit zu erlangen. Dr. Markus M. Grabka vom DIW betont, dass ein Grunderbe die sehr hohe Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren könnte.

Zweckgebundenes Grunderbe mit 18 bereits in der Diskussion

„Ein Grunderbe in Höhe von bis zu 20.000 EUR für alle 18-Jährigen und deren Finanzierung durch Erbschaftssteuer oder Vermögensteuer würde die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren” heißt es vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dass eine Studie zu dem Thema durchgeführt hat.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider argumentiert, dass es für viele Menschen nahezu unmöglich geworden sei, Eigentum zu bilden, insbesondere angesichts steigender Mieten, Immobilienpreise und einem großen Niedriglohnbereich.

Es geht neben dem Versuch eine finanzielle Chancengleichheit herzustellen auch darum, der Schere zwischen Arm und Reich und der damit einhergehenden Polarisierung der Gesellschaft entgegenzutreten.

Die Initiative stößt bei vielen jungen Menschen auf Begeisterung, wird jedoch auch von einigen Seiten kritisch gesehen.

Die Meinungen zum Grunderbe gehen auseinander

Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, steht dem Grunderbe skeptisch gegenüber. Er befürchtet, dass Wohlhabende aus Deutschland abwandern könnten, wenn die Erbschaftssteuer erhöht wird.

Stefan Bach, Steuerexperte beim DIW, hält jedoch dagegen: „Die hohe Vermögensungleichheit sollte durch Umverteilung reduziert werden.“

Im aktuellen Koalitionsvertrag sind Maßnahmen vorgesehen, die die Vermögensbildung unterstützen sollen.

Diese Maßnahmen, so Bach, gehen in die richtige Richtung, dürften aber die große Ungleichheit bei den Vermögen nur moderat und sehr langfristig senken.

Bach betont, dass die Idee eines Grunderbes, bei dem alle 18-Jährigen ein Startkapital vom Staat geschenkt bekommen, charmanter sei, als die Lösung des Instituts für Chancengleichheit.

Dieses Startkapital würde nämlich nicht in bar ausgezahlt, sondern wäre zweckgebunden für Aus- und Weiterbildung, Erwerb von Wohneigentum, Selbstständigkeit oder Unternehmensgründungen.

Wie könnte ein Ausblick für das Grunderbe aussehen?

Ein Grunderbe könnte einen bedeutenden Schritt zur Verringerung der Vermögensungleichheit darstellen, vorausgesetzt, die Finanzierung wird durch vermögensbezogene Steuern gesichert.

Die Auslosung und Vergabe des Grunderbes in den drei ausgewählten Regionen kann aufzeigen, ob und wie sich dieses Konzept in der Praxis bewähren könnte und welche Auswirkungen es auf die Gewinner hat. Erfahrungen und Ergebnisse dieses Pilotprojekts könnten wichtige Erkenntnisse liefern, um das Prinzip des Grunderbes auf breiterer Basis umzusetzen und so langfristig für mehr Chancengleichheit zu sorgen.