Frieren in der Schuldenfalle – Hartz IV Alltag

Frieren in der Schuldenfalle – Ein Fallbericht
Ulrike B aus Isenburg lebt, laut der "Frankfurter Neuen Presse", ohne Heizung. Ihr Energieversorger stellte die Heizung ab und trägt in ihrer Wohnung einen Schal. Ihre Enkel kommen nicht zu Besuch, weil es bei ihr Zuhause zu kalt für Kinder ist. Die Energieversorgung Offenbach verplombte ihr Thermostat mit einer Eisenhülse und schraubte den Warmwasserhahn im Bad ab.

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Frau B schuldet dem Unternehmen 3400 Euro. 2011 wurde die gelernte Verkäuferin arbeitslos, musste einen Kredit abbezahlen und konnte mit ihren 950 Euro Arbeitslosengeld eine Nachzahlung der EVO über 1200 Euro nicht leisten. Sie vereinbarte eine Ratenzahlung von 130 Euro für die Nachzahlung und 60 Euro für den neuen Abschlag.

Frau B schafft es nicht immer, das Geld zu bezahlen. Auf den Schulden lasten immer höhere Zinsen und Inkassokosten. Sie kommt wieder in Arbeit, wird aber am 1. April 2016 erneut erwerbslos. Ess-Störungen und Depressionen machen ihr zu schaffen.

Die Betroffene verliert den Überblick über ihre Finanzen, was für Menschen, die an einer Depression leiden und sich in einer Notsituation befinden, typisch ist. Im Juli geht sie in ein Krankenhaus, um ihre Depression therapieren zu lassen. Rechnungen stehen aus, Mahnungen und Vorladungen.

Dann kommt der Gerichtsvollzieher und stellt die Heizung ab. Frau B ist handlungsunfähig: Sie kann ihre Schulden nicht bezahlen, denn das Geld fehlt. Ab dem 1. November hat sie wieder eine Stelle im Einzelhandel und kann nur hoffen, dass die EVO die Heizung wieder anstellt, wenn sie Privatinsolvenz anmeldet. Bis dahin heißt es: Frieren. (Dr. Utz Anhalt)

Bild: Picture-Factory – fotolia

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