Hartz IV: Die miesen Medientricks der BA

Die miesen Medientricks der BA

Medientrick Hartz IV: Aus Menschen werden Fälle: So suggeriert die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Themendienst für Journalisten hohe Vermittlungszahlen, die es aber in Wahrheit so überhaupt nicht gibt

29.08.2013

In den Medien wurde lang und breit über die offizielle Verlautbarung der Bundesagentur für Arbeit berichtet: 23 Prozent der Hartz IV Bezieher sollen im vergangenen Jahr 2012 den „Ausstieg“ aus dem Arbeitslosengeld II Bezug geschafft haben. Doch die Zahlen geben keineswegs die Realitäten wieder, sondern sind mal wieder ein Trick der obersten Arbeitslosenbehörden. Doch viel schlimmer: Die meisten Presseanbieter übernehmen diese ungeprüft.

„Beinahe 25 Prozent der Hartz IV Empfänger konnten durch die Jobcenter erfolgreich vermittelt werden“, hieß es vor einiger Zeit in allen möglichen Publikationen der Presse. Die Medien suggerierten, die Vermittelten seien von den Jobcentern in Lohn und Brot gebracht und müssten auch nicht weiter in prekären Beschäftigungsverhältnissen leben. Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, entsteht ein völlig anderes Bild.

Aus Menschen werden Fälle die oft doppelt gezählt werden
Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) propagierten 23 Prozent spalten sich zunächst in den ersten und sogenannten zweiten Arbeitsmarkt auf. 16 Prozent entfallen hierbei auf den 1. Arbeitsmarkt. Weitere 7 Prozent mussten jedoch beispielsweise sogenannte Ein-Euro-Jobs oder andere Tätigkeiten verrichten und verließen somit überhaupt nicht das Hartz IV-System. Aber warum ordnet die BA die Menschen dennoch zu den „erfolgreich vermittelten“? Die oberste Arbeitslosenbehörde bedient sich einfach (und wie so oft) einem Trick. Die Menschen werden zu „Fällen“. Und Fälle sind es, die aus der Fallbearbeitung des Jobcenters unterliegen. Nimmt jemand einen Ein-Euro-Job an, so fällt er zunächst aus der Fallbearbeitung raus. Dann heißt es, ein Fall weniger. Doch der „Fall“ kann schon nach drei Monaten wieder kommen und weitere 2 Monaten später erneut vermittelt werden. Dann wurde aus einem Menschen zwei Fälle. Denn die Vermittlungen können auch mehrfach geschehen. "Für jeden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten kann pro Bezugsmonat eine Integration gezählt werden. Deshalb ist es denkbar, dass – statistisch betrachtet – ein und dieselbe Person bis zu zwölf Mal pro Jahr in ein Beschäftigungsverhältnis integriert wird. Die Kennzahl gibt also nicht wieder, wie viele verschiedene Personen im vergangenen Jahr in ein Beschäftigungsverhältnis integriert wurden, sondern die Anzahl der Integrationen bezogen auf den durchschnittlichen Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten." (BA)

Doch bei der BA gibt es auch Zahlen, die einigermaßen verwendet werden können. So erstellt die BA zum Beispiel eine „monatliche Abgangsrate“. Bei Arbeitslosen lag diesen im Jahre 2012 bei 6,6 Prozent. Damit sind allerdings nicht Hartz IV Betroffene gemeint. Hier lag die Abgangsrate bei gerade einmal 3,2 Prozent. Doch auch hier ist nicht erkennbar, ob der Hartz IV Bezug beendet werden konnte oder der/die Betroffene einen Zeitarbeitsvertrag mit einem geringen Lohn unterschrieben hat und deshalb aufstockende Hartz IV Leistungen weiterhin beziehen muss, um wenigstens nicht unter das Existenzminimum zu fallen. Denn beide „Gruppen“ werden mitgezählt. Somit wird deutlich, dass die Zahlen überhaupt nicht bestätigen, wie viele Menschen tatsächlich es dauerhaft geschafft haben, dem Hartz IV Bezug zu entkommen.

Methodenbericht zeigt realistischere Zahlen
Es gibt aber einen sogenannten Methodenbericht. Dieser gibt jedoch keine aktuellen Zahlen aus, sondern nur die aus den Jahren 2010 und 2011. Der zeigte, dass gerade einmal 1,7 Prozent der Hartz IV Bezieher eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen konnten. Von diesen konnten jedoch nur 0,3 Prozent ihre Hilfebedürftigkeit vollends beenden. Weitere 1,7 Prozent konnten den Hartz IV Bezug beenden, waren jedoch schon eine längere Zeit bei einem Arbeitgeber oder Selbstständig beschäftigt.

Somit bleiben von den 23 Prozent nicht mehr viel übrig. Traurig ist allerdings, dass die Mainstreampresse die „aufbereiteten Themen“ im Journallistenbereich der Bundesagentur für Arbeit unkritisch und fast unkommentiert übernehmen. Vielmehr werden Meldungen schnell raus gehauen und verarbeitet. (wm mit Quelle Telepolis)




Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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