Die Bundesregierung will das Rentensystem stabilisieren, ohne die Beitrรคge zu erhรถhen. Ein neues Gesetzespaket verlรคngert das Sicherungsniveau von 48 Prozent bis 2031, wertet Kindererziehungszeiten auf und polstert die Liquiditรคtsreserve der Rentenkasse.
GegenHartz.de zeigt, welche Punkte fรผr Versicherte, Rentnerinnen und Rentner jetzt zรคhlen โ und wo Fachverbรคnde noch Baustellen sehen.
Inhaltsverzeichnis
Rentenniveau bleibt bei 48 Prozent โ vorerst
Das Herzstรผck des Pakets ist die Verlรคngerung der sogenannten Haltelinie: Bis Mitte 2032 soll das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter 48 Prozent fallen. Ohne Gesetz ginge es bereits 2029 wieder nach unten. Statt der bisherigen Anpassungsformel koppelt der Entwurf die Renten bis 2031 direkt an die Lohnentwicklung.
Der Staat zahlt die Mehrkosten: 4,1 Mrd. โฌ im Jahr 2029, 11,2 Mrd. โฌ im Jahr 2031 und sogar 15,4 Mrd. โฌ im Jahr 2040. Fรผr Beitragszahlende bedeutet das: Sie kรถnnen bis 2032 mit nahezu unverรคnderten Beitragssรคtzen rechnen.
Steuerkasse statt Beitragskasse: So wird finanziert
Alle Mehrausgaben รผbernimmt der Bund. Das reduziert den prognostizierten Beitragssatz im Jahr 2040 um 1,2 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent. Fachverbรคnde wie die DRV begrรผรen den Schritt, erinnern aber daran, dass die bisherige Obergrenze von 20 Prozent wegfรคllt und der Beitragssatz damit langfristig offen ist.
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Mรผtterrente III: Gleichstellung kostet Zeit โ und Geld
Nach dem Rentenpaket 2025 sollen fรผr vor 1992 geborene Kinder kรผnftig drei volle Erziehungsjahre (3 Entgeltpunkte) angerechnet werden. Bei bestehenden Renten kรคme ein Zuschlag von 0,5 Entgeltpunkten hinzu, was beim aktuellen Rentenwert etwa 20 โฌ pro Kind und Monat bedeutet. Die Maรnahme betrifft rund 10 Millionen Renten und kostet laut DRV ca. 5 Mrd. โฌ jรคhrlich, finanziert aus Steuermitteln.
Offiziell rechnet die DRV wegen umfangreicher IT-Anpassungen erst ab Januar 2028 mit den ersten Auszahlungen, wรคhrend der Koalitionsยญausschuss eine Einfรผhrung schon zum 1. Januar 2027 anstrebt.
Nachhaltigkeitsrรผcklage: Polster wird dicker
Die Mindestrรผcklage steigt von 0,2 auf 0,3 Monatsausgaben. Damit soll die Rentenkasse saisonale Einnahmeeinbrรผche souverรคn รผberstehen und das Vertrauen in ihre Zahlungsfรคhigkeit stรคrken. Grรถรere Beitragseffekte entstehen nur im Aufbaujahr; danach gilt das hรถhere Polster als Sicherheitsgurt ohne Mehrbelastung.
Bundeszuschรผsse: Mehr Transparenz, aber Kรผrzungen drohen
Kรผnftig wird der allgemeine Bundeszuschuss auf Basis des realen Beitragssatzes fortgeschrieben. Gleichzeitig bleiben pauschale Kรผrzungen von 340 Mio. โฌ (ab 2006) und 409 Mio. โฌ (ab 2003) dauerhaft erhalten. Die DRV warnt: Damit wรคlzt der Bund langfristig Lasten auf Versicherte ab. Der VdK sieht sogar eine Unterfinanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben von rund 40 Mrd. โฌ pro Jahr.
Stimmen der Verbรคnde: Zustimmung mit Wermutstropfen
- DRV Bund lobt die Steuerfinanzierung und das stabile Rentenniveau, fordert aber eine Erstattung auch der Verwaltungskosten (geschรคtzt 32 Mio. โฌ) fรผr die Mรผtterrente III.
- DGB unterstรผtzt die Stabilisierung, mahnt jedoch eine Anhebung auf mindestens 50 Prozent Rentenniveau an und lehnt Befristungen ohne Sachgrund im Rentenalter strikt ab.
- VdK begrรผรt die Reformen, kritisiert aber erneute Kรผrzungen beim Bundeszuschuss sowie die unzureichende Finanzierung nicht beitragsgedeckter Leistungen.
Was bedeutet das fรผr Sie?
- Rentensteigerungen folgen bis 2031 den Lรถhnen; Ihre Altersbezรผge dรผrften also real stabil bleiben.
- Eltern von Kindern mit Geburtsjahr vor 1992 erhalten ab 2028 spรผrbare Rentenzuschlรคge. Prรผfen Sie, ob Ihre Versicherungsbiografie korrekt erfasst ist.
- Beitragssรคtze bleiben kurz- bis mittelfristig konstant, doch nach 2032 sind neue Debatten mรถglich, weil eine gesetzliche Obergrenze fehlt.
- Wer รผber die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, kann kรผnftig einfacher befristete Vertrรคge abschlieรen โ Gewerkschaften halten dies fรผr problematisch.
Wichtigste รnderungen auf einen Blick
Die Reform packt vier Hebel an: Sie sichert erstens das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent ab und finanziert die dafรผr nรถtigen Milliarden vollstรคndig aus Steuermitteln.
Zweitens hebt sie mit der Mรผtterrente III alle Kindererziehungszeiten vor 1992 um 0,5 Entgeltpunkte an; die hรถheren Betrรคge flieรen ab 2028.
Drittens wรคchst die Nachhaltigkeitsrรผcklage der Rentenversicherung auf 0,3 Monatsausgaben, um Zahlungsschwankungen besser abzufedern. Viertens fรผhrt das Paket neue Regeln fรผr die Bundeszuschรผsse ein, behรคlt jedoch รคltere Kรผrzungen unverรคndert bei.
Fazit
Das Rentenpaket 2025 sichert Kaufkraft und entlastet Beitragszahler โ allerdings auf Kosten kรผnftiger Budgets. Sie kรถnnen sich vorerst รผber stabile Beitrรคge und hรถhere Mรผtter beziehungsweise Vรคterrenten freuen.
Doch Experten mahnen: Ohne Obergrenze fรผr den Beitragssatz und ohne vollstรคndige Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Leistungen kรถnnte die nรคchste Reform schneller kommen, als vielen lieb ist.