Hartz IV: Mangelernährung bei Kindern in Armut während Corona

Über die psychische Belastung, die der Corona-Lockdown mit Kita- und Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen und fehlende soziale Kontakte auf Kinder hatte, wurde öffentlich diskutiert. Das „Corona-Aufholprogramm“ wurde auf den Weg gebracht, um in dieser Hinsicht einen Ausgleich zu schaffen. Ein Ernährungswissenschaftler der Universität Hohenheim zeigt jetzt in einer Studie die bisher übersehenen Folgen der Mangelernährung für Kinder in Armut auf und fordert Erhöhung des Regelsatzanteils für täglichen Lebensmittelbedarf.

Hartz IV: Mangelernährung von Kindern in Armut während Corona

In Deutschland leben 21,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Armut, das sind 2,8 Millionen. Die politische Diskussion um die Folgen der Schulschließungen und nötige Nachhilfeprogramme wurde öffentlich geführt. Die UNICEF mahnte jedoch an, dass die Auswirkungen auf Ernährung und damit körperliche und geistige Entwicklung kaum beachtet würden.

Durch den Wegfall von Schulessen und die Preissteigerung bei Lebensmitteln sind nach Ergebnis der Studie von Prof. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim Kinder in Armut von Mangelernährung betroffen. Der Wegfall regelmäßiger Kita- und Schulessen und die allgemeine Preisteuerung insbesondere bei Lebensmitteln verschärfe die materielle und soziale Ernährungsarmut. Diese hat sich während der Pandemie verdoppelt.  Den Kindern fehlen wichtige Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Jod und Vitamin D. Das führt zu einer Wachstumsverzögerung und Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung.

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Hartz IV: Ernährungswissenschaftler fordert Anhebung des Regelsatzes für Lebensmittel und Ersatzangebote zu Schulessen

Prof. Biesalski fordert in seinem Forschungsbericht eine Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes für Kinder von täglichen 4,01 Euro für Lebensmittel (Kinder zwischen 6 und 13 Jahren) auf mindestens 5,50 Euro sowie Ersatzangebote für den Fall, dass die Schulspeisung nicht möglich ist. Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen bräuchten Erwachsene übrigens einen täglichen Satz von 7,50 Euro. Der Ernährungswissenschaftler stellt fest: Eine gesunde Ernährung für Kinder ist mit den Mitteln für Ernährung im ALGII-Bezug nicht finanzierbar und häufig arm an essenziellen Mikronährstoffen. Das hat langfristige Folgen für die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder und schwächt dere Imunsystem zunehmend, was angesichts der Pandemie und möglicher Infizierung, mit der Kinder eigentlich vergleichsweise gut zurecht kommen, bedrohliche Züge annimmt. Die Situation, die sich aus der Pandemie entwickelt hat, wird vermutlich noch Jahrzehnte anhalten und sich auf Kinder und Jugendliche auswirken, fürchtet der Wissenschaftler und fordert Maßnahmen zur Erfassung und Bekämpfung von Nahrungsunsicherheit.

Bild: Natalia Vintsik / AdobeStock

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