Anspruch auf Mehrbedarf bei Schwerbehinderung

Lesedauer 3 Minuten

Menschen mit Behinderung, die Bürgergeld-Leistungen erhalten, haben Anspruch auf einen Mehrbedarf zusätzlich zu den regulären Leistungen. Dieser dient zur Deckung der besonderen Kosten, die durch die Behinderung entstehen. Die Höhe des Mehrbedarfs unterscheidet sich dabei zwischen erwerbsfähigen und nicht erwerbsfähigen Personen.

Mehrbedarf für Erwerbsfähige

Der Mehrbedarf von 35 % des Bürgergeld-Regelsatzes steht erwerbsfähigen schwerbehinderten Menschen zu, die an Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben teilnehmen. Solche Maßnahmen umfassen Weiterbildungen, berufliche Rehabilitationsprogramme oder schulische/berufliche Ausbildungshilfen.

Als erwerbsfähig gilt, wer mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann.

Ohne die Teilnahme an einer solchen Maßnahme entfällt der Anspruch auf Mehrbedarf, auch wenn die Person grundsätzlich erwerbsfähig ist.

Mehrbedarf für nicht Erwerbsfähige

Schwerbehinderte, die aufgrund ihrer Behinderung als nicht erwerbsfähig gelten und in einer Bedarfsgemeinschaft leben, haben Anspruch auf einen Mehrbedarf von 17 % des Bürgergeld-Regelsatzes. Ein Merkzeichen „G“ im Schwerbehindertenausweis ist erforderlich.

Die Mehrbedarfsregelung gilt nur für Leistungsberechtigte des Bürgergeldes. Wenn die schwerbehinderte Person nicht in einer Bedarfsgemeinschaft lebt und stattdessen Sozialhilfe bezieht, entfällt der Anspruch auf diesen Mehrbedarf.

Höhe des Mehrbedarfs

Die Höhe des Mehrbedarfs richtet sich nach dem Bürgergeld-Regelsatz und dem Grad der Behinderung.
Im Jahr 2024 haben sich die Regelsätze erhöht, da sich die Mehrbedarfe prozentual an den Regelsätzen errechnen, haben sich diese folglich ebenfalls erhöht.

Regelbedarf für Alleinstehende/ Alleinerziehende
(Regelbedarfsstufe 1)
563,00 € 35% 197,05 €
Volljährige Partner innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft
(Regelbedarfsstufe 2)
506,00 € 35% 177,10 €
Erwachsene Behinderte in stationären Einrichtungen
(Regelbedarfsstufe 3)
451,00 € 35% 157,85 €
Regelsatz unter 25-Jährige im Haushalt der Eltern / Strafregelleistung
für ohne Zustimmung ausgezogene U 25’er
(Regelbedarfsstufe 3)
451,00 € 35% 157,85 €
Kinder 14 bis 17 Jahre
(Regelbedarfsstufe 4)
471,00 € 35% 164,85 €
Kinder von 6 bis 13 Jahre
(Regelbedarfsstufe 5)
390,00 € 35% 136,50 €
Kinder 0 bis 5 Jahre
(Regelbedarfsstufe 6)
357,00 € 35% 124,95 €

Bürgergeld-Regelsätze und Mehrbedarf 2024

Beantragung des Mehrbedarfs

Der Mehrbedarf muss nicht gesondert beantragt werden, es ist aber erforderlich, dem Jobcenter die Behinderung und den Grad der Behinderung nachzuweisen. Dies kann zum Beispiel durch die Zusendung einer Kopie des Behindertenausweises geschehen. Für die Teilnahme an Maßnahmen zur beruflichen Teilhabe ist ein entsprechender Nachweis erforderlich. Diesen Nachweis kann man sich bei der zu absolvierenden Maßnahme ausstellen lassen.

Wichtiger Tipp: Jedes Mal, wenn Unterlagen beim Jobcenter eingereicht werden, sollte man eine Empfangsbestätigung anfordern. Dies verhindert Probleme durch verloren gegangene Dokumente und dient als Beweis für die rechtzeitige Einreichung der Unterlagen.

Mehrbedarf bei Wohnraum

Neben der finanziellen Unterstützung beim Regelsatz wird auch ein Mehrbedarf beim Wohnraum von bis zu 15 Quadratmetern zusätzlich gewährt. Dieses gilt für Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind und einen Behinderungsgrad von mindestens 50% haben. Auch für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen “G” oder “aG” und bei stark Sehbehinderten wird der zusätzliche Wohnraum anerkannt.

Was tue ich, wenn mein Antrag abgewiesen wird?

Zunächst ist es wichtig im Vorfeld für alle Unterlagen, die eingereicht worden sind, eine Bestätigung anzufordern. Wenn Unterlagen eingereicht sind, diese aber im Jobcenter verloren gegangen sind, führt es zu zusätzlichem Aufwand und unnötigem Stress.

Falls der Mehrbedarf in einem Bürgergeld-Bescheid nicht berücksichtigt wurde, sollte innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids Widerspruch eingelegt werden. Der Widerspruch sollte beinhalten, dass der Mehrbedarf für Behinderte nicht gewährt wurde, obwohl er zusteht. Dem Widerspruch sollte eine Kopie des Behindertenausweises beigefügt werden.

Unterstützung bei der Durchsetzung des Mehrbedarfs

Spezialisierte Beratungsdienste bieten Unterstützung bei der Durchsetzung des Mehrbedarfs an und haben eine hohe Erfolgsquote. Diese Dienste helfen nicht nur beim Widerspruch, sondern übernehmen auch die Kommunikation mit dem Jobcenter, oft kostenlos. Dank der Beratungshilfe entstehen in der Regel keine zusätzlichen Kosten.

Um Anwaltsschulden zu vermeiden, sollten Bürgergeldempfänger bei Rechtsfragen einen Beratungsschein beim Amtsgericht beantragen. Im Falle eines Prozesses kann auch Prozesskostenhilfe in Anspruch genommen werden.

Ist das Bürgergeld besser als Hartz IV?

Wird geladen ... Wird geladen ...