Rückwirkend Krankengeld: Falsche Einstellungen müssen korrigiert werden

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Rückwirkendes Krankengeld ist kein Entgegenkommen der Krankenkasse. Krankenversicherungen stellen diese Leistung immer wieder vorschnell ein, obwohl die rechtlichen Voraussetzungen weiter vorliegen. Wird eine solche Entscheidung später aufgehoben, handelt es sich nicht um Kulanz, sondern um einen gesetzlichen Anspruch. Sie haben dann Anspruch auf vollständige Nachzahlung für den gesamten Zeitraum der rechtswidrigen Einstellung.

Wann eine Krankengeld-Einstellung rechtlich angreifbar ist

Eine Krankenkasse darf Krankengeld nur beenden, wenn die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich endet oder formale Voraussetzungen fehlen. In der Praxis stützen sich Kassen jedoch häufig auf pauschale Bewertungen oder fehlerhafte medizinische Einschätzungen. Genau diese Fehler eröffnen den Weg zur rückwirkenden Korrektur.

Widerspruch und Klage erzwingen die Nachzahlung

Wird eine Einstellung durch Widerspruch oder Urteil aufgehoben, lebt der Krankengeldanspruch rückwirkend wieder auf. Die Krankenkasse muss das vorenthaltene Krankengeld vollständig nachzahlen. Eine Verrechnung oder willkürliche Kürzungen sind rechtlich unzulässig.

Modelle für die Praxis

Praxisbeispiele zeigen, wie eine Nachzahlung in der Praxis aussehen könnte, bei unterschiedlichen Erkrankungen und verschiedenen Lebenssituationen. In diesen Fällen müsste die Krankenkasse Krankengeld rückwirkend nachzahlen.

Mark: Bandscheibenvorfall trotz MD-Gutachten

Mark erhält Krankengeld wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls. Die Krankenkasse stellt die Zahlung nach einem MD-Gutachten ein, das Arbeitsfähigkeit unterstellt. Nach erfolgreichem Widerspruch würde die Kasse das Krankengeld für vier Monate rückwirkend nachzahlen.

Lydia: Depression vorschnell als überwunden erklärt

Lydia ist wegen einer schweren Depression krankgeschrieben. Die Krankenkasse erklärt sie ohne persönliche Untersuchung für arbeitsfähig. Das Sozialgericht könnte die Entscheidung aufheben, und Lydia das einbehaltene Krankengeld vollständig zurückerhalten.

 Sylvia: Long Covid wurde unterschätzt

Sylvia leidet an anhaltenden Long-Covid-Symptomen. Die Krankenkasse stuft diese als nicht mehr leistungsrelevant ein. Nach Vorlage fachärztlicher Befunde müsste die Kasse vermutlich mehrere tausend Euro Krankengeld nachzahlen.

Praxisbeispiel Janine: Einstellung wegen formalen Fehlers

Janines Krankengeld endet wegen angeblich fehlender Unterlagen. Tatsächlich hat die Krankenkasse einen Befund übersehen. Nach dem Widerspruch könnte eine rückwirkende Auszahlung erfolgen.

Warum Krankenkassen rückwirkend zahlen müssen

Rechtswidrige Bescheide entfalten keine dauerhafte Wirkung. Wird ein Bescheid aufgehoben, gilt er rechtlich als von Anfang an fehlerhaft. Die Krankenkasse schuldet das Krankengeld dann so, als hätte sie es nie eingestellt.

Die rechtlichen Grundlagen für rückwirkendes Krankengeld

Die Pflicht zur Nachzahlung folgt dem Grundsatz, dass rechtswidrige Verwaltungsakte keinen Bestand haben dürfen. Wird eine Krankengeld-Einstellung aufgehoben, lebt der Anspruch rückwirkend wieder auf. Maßgeblich ist nicht die Einschätzung der Krankenkasse, sondern die objektive Rechtslage.

Rücknahme rechtswidriger Bescheide nach § 44 SGB X

§ 44 SGB X verpflichtet Sozialleistungsträger, rechtswidrige belastende Bescheide zurückzunehmen. Das Bundessozialgericht stellt klar, dass Versicherte durch Verwaltungsfehler keinen finanziellen Schaden erleiden dürfen. Eine vollständige Nachzahlung ist die zwingende Folge.

Anspruch auf Krankengeld bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit

Der Anspruch ergibt sich aus § 44 SGB V und besteht bei ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit. Krankenkassen dürfen Krankengeld nicht allein auf Grundlage abstrakter Bewertungen einstellen. Besteht die Arbeitsunfähigkeit fort, fehlt jede rechtliche Grundlage für die Einstellung (BSG, Urteil vom 16.12.2014, Az. B 1 KR 25/14 R).

Fehlerhafte MD-Gutachten begründen keine dauerhafte Einstellung

Das Bundessozialgericht stellt klar, dass Krankenkassen das Risiko fehlerhafter medizinischer Bewertungen tragen. Unzureichende oder pauschale MD-Gutachten rechtfertigen keine Leistungseinstellung. Wird ein solches Gutachten später korrigiert, folgt die rückwirkende Nachzahlung (BSG, Urteil vom 11.05.2017, Az. B 3 KR 22/15 R).

Verzinsung bei schuldhafter Verzögerung

Wird die Auszahlung trotz klarer Rechtslage schuldhaft verzögert, kann zusätzlich ein Verzinsungsanspruch entstehen. § 44 Abs. 1 SGB I eröffnet diese Möglichkeit. Eine Verzinsung ist jedoch stets einzelfallabhängig und kein Automatismus.

FAQ: Rückwirkendes Krankengeld

Kann Krankengeld rückwirkend gezahlt werden?
Ja, wenn eine Einstellung rechtswidrig war und aufgehoben wird, muss die Krankenkasse rückwirkend zahlen.

Ab welchem Zeitpunkt erfolgt die Nachzahlung?
Ab dem Tag der unrechtmäßigen Einstellung des Krankengeldes.

Reicht ein Widerspruch aus?
Oft ja, in anderen Fällen entscheidet erst das Sozialgericht.

Kann ich zusätzlich Zinsen verlangen?
Bei schuldhafter Verzögerung kann ein Verzinsungsanspruch bestehen.

Welche Fristen sind entscheidend?
Vor allem die einmonatige Widerspruchsfrist nach Zugang des Bescheids.

Fazit: Rückwirkendes Krankengeld ist Ihr gutes Recht

Stellt eine Krankenkasse Krankengeld zu Unrecht ein, muss sie zahlen – vollständig und rückwirkend. Wer fristgerecht widerspricht, medizinisch sauber argumentiert und notfalls klagt, setzt seinen Anspruch durch. Rückwirkendes Krankengeld ist keine Ausnahme, sondern die zwingende Folge rechtswidriger Entscheidungen.