Schwerbehinderung: Grad der Behinderung bei Fatigue und CFS

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Fatigue und das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bringen eine tiefe, anhaltende Erschöpfung mit sich, die weit über normale Müdigkeit hinausgeht. Viele Betroffene kämpfen täglich darum, ihre Selbstständigkeit, ihr Sozialleben oder ihren Beruf aufrechtzuerhalten.

Gerade deshalb spielt der Grad der Behinderung (GdB) eine zentrale Rolle: Er schafft Anerkennung, entlastet im Alltag und eröffnet finanzielle und organisatorische Unterstützung.

Was Fatigue so belastend macht – und warum der GdB Orientierung gibt

Fatigue tritt in unterschiedlichen Ausprägungen auf und reicht von leichter, vorübergehender Erschöpfung bis zu massiv einschränkenden chronischen Beschwerden. Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS), die schwerste Form, kann über Jahre das gesamte Leben dominieren. Selbst kleinste Belastungen – ein Gespräch, ein Einkauf, wenige Schritte – können dazu führen, dass der Energiehaushalt zusammenbricht.

Die Einordnung kann kompliziert sein

Da die Erkrankung wissenschaftlich schwer greifbar ist, fällt ihre Einordnung im medizinischen und rechtlichen Alltag oft schwer. Umso wichtiger ist der GdB als Instrument: Er spiegelt wider, wie stark die Fatigue den Alltag beeinträchtigt. Je nach Schwere kann er zwischen 20 und 100 liegen.

Wie Betroffene den GdB beantragen – und was wirklich zählt

Wer Fatigue oder CFS hat, muss seine Einschränkungen besonders sorgfältig dokumentieren. Entscheidend ist nicht die Diagnose allein, sondern die Beeinträchtigung im Alltag. Ärztliche Berichte, Symptomtagebücher und Belastungsprotokolle bilden die Basis für den Antrag beim Versorgungsamt.

Nach der Prüfung legt die Behörde den GdB fest. Viele Betroffene erleben, dass sie den Bescheid kritisch prüfen und im Zweifel Widerspruch einlegen müssen. Wird ein GdB anerkannt, stehen steuerliche Vorteile, Nachteilsausgleiche oder – ab GdB 50 – ein Schwerbehindertenausweis zur Verfügung.

Fatigue im Alltag: Was die verschiedenen Schweregrade bedeuten

Milde Fatigue erlaubt vielen Menschen weiterhin ein relativ selbstständiges Leben, erfordert aber strikte Energiekontrolle. Mittlere Fatigue erschwert Beruf, Haushalt und soziale Teilhabe deutlich. Schwere Fatigue und CFS zwingen Betroffene häufig zu einem neuen, stark verlangsamten Lebensrhythmus mit ausgeprägten Ruhephasen.

Praxisbeispiele: Wie Fatigue den GdB beeinflusst

Milde Fatigue – GdB 20: Anna, 32, arbeitet Teilzeit im Büro. Sie spürt täglich eine bleierne Müdigkeit, strukturiert ihren Alltag streng und reduziert soziale Aktivitäten stark. Ihre Einschränkungen führen zu einem anerkannten GdB von 20.

Mittlere Fatigue – GdB 50: Michael, 48, leidet seit einer Infektion an anhaltender Erschöpfung. Er schafft nur noch wenige Stunden Arbeit pro Tag und erlebt starke Konzentrationseinbrüche. Das Versorgungsamt erkennt einen GdB von 50 an.

Schweres CFS – GdB 90: Sabine, 41, ist aufgrund von CFS nicht mehr arbeitsfähig. Schon kleinste Belastungen verursachen PEM. Sie ist überwiegend bettlägerig. Das Amt stuft sie mit einem GdB von 90 ein.

Beispiele ohne GdB: Belastend, aber nicht ausreichend für eine Einstufung

Vorübergehende medikamentenbedingte Fatigue: Tobias, 29, erlebt für mehrere Wochen starke Müdigkeit nach einer Therapie. Als sich die Symptome bessern, lehnt das Amt einen GdB ab.

Überlastungsbedingte Fatigue bei Burnout: Laura, 36, erholt sich innerhalb weniger Monate von einem Burnout. Da keine dauerhafte Einschränkung vorliegt, wird kein GdB anerkannt.

Gerichtsurteil: Wie ein Sozialgerichte Fatigue beim GdB einordnet

Fatigue und CFS tauchen in den versorgungsmedizinischen Grundsätzen nicht als eigene Position. Die medizinisch objektive Bewertung der Beeinträchtigung an der gesellschaftlichen Teilhabe durch die Auswirkungen ist oft umstritten.

Wenn Betroffene mit dem Ergebnis des zuständigen Versorgungsamts nicht einverstanden sind, können sie Widerspruch einlegen und im nächsten Schritt eine Klage vor dem Sozialgericht erheben. Gerichte prüfen detailliert, wie schwer Fatigue den Alltag beeinträchtigt. Eine solide medizinische Dokumentation erhöht die Durchsetzungschancen erheblich.

Entscheidend ist stets die funktionale Einschränkung im Alltag – nicht die Diagnose allein. Nach einer Brustkrebserkrankung litt eine Frau unter anhaltender Fatigue. Das Gericht hielt einen Einzelgrad der Behinderung von 20 für das Erschöpfungs-Syndrom für zu niedrig, und dieser müsste allein 40 betragen, was in Kombination mit anderen Beschwerden zumindest eine Schwerbehinderung mit GdB 50 rechtfertigte.

Das Sozialgericht Altenburg hob folgerichtig die Herabstufung von GdB 50 auf 40 auf und bestätigte dauerhaft den höheren Wert, da die Erschöpfung weiterhin erheblich beeinträchtigte. (S 19 SB 1471/21) Damit hat die Betroffene weiterhin Anspruch auf die mit einer Schwerbehinderung verbundenen Nachteilsausgleiche.

Checkliste: Wie Sie einen GdB-Antrag bei Fatigue erfolgreich vorbereiten

Bevor Sie den Antrag stellen, sammeln Sie alle Nachweise, die Ihre Einschränkungen belegen. Führen Sie über mehrere Wochen ein Symptomtagebuch, in dem Sie Dauer, Intensität, PEM-Episoden und konkrete Alltagsauswirkungen festhalten.

Lassen Sie Ihre Beschwerden ärztlich dokumentieren und bitten Sie Fachärztinnen oder Fachärzte um aussagekräftige Befundberichte, die Belastbarkeit, kognitive Einschränkungen und Erholungszeiten klar benennen. Überprüfen Sie im Vorfeld, welche Ärzte das Versorgungsamt später anschreiben darf, und tragen Sie deren Kontaktdaten vollständig zusammen.

Beschreiben Sie in eigenen Worten, wie Fatigue Ihren Tagesablauf verändert, welche Tätigkeiten nicht mehr möglich sind und welche Unterstützung Sie benötigen. Reichen Sie den Antrag vollständig ausgefüllt beim zuständigen Versorgungsamt ein und bewahren Sie Kopien aller Unterlagen auf. Prüfen Sie nach Erhalt des Bescheids, ob die Einschätzung Ihrer tatsächlichen Situation entspricht, und legen Sie bei Bedarf fristgerecht Widerspruch ein.

FAQ: Die fünf wichtigsten Fragen zum GdB bei Fatigue und CFS

Wie hoch kann der GdB bei Fatigue sein?
Je nach Schwere zwischen 20 und 100. Bei CFS liegt der Wert meist höher.

Brauche ich eine gesicherte Diagnose?
Entscheidend sind die funktionalen Einschränkungen, nicht nur der Diagnosebegriff.

Wie dokumentiere ich Symptome richtig?
Am besten mit einem Symptomtagebuch, das PEM, Intensität und Einschränkungen erfasst.

Kann der GdB wieder sinken?
Ja. Bei gesundheitlicher Verbesserung kann das Amt den Wert reduzieren.

Wann lohnt sich ein Antrag?
Schon bei spürbarer Alltagsbeeinträchtigung – oft ab einem GdB von 20.

Fazit

Fatigue und CFS verändern das Leben grundlegend. Ein anerkannter GdB bietet Betroffenen Stabilität, Unterstützung und ein Stück Sicherheit zurück. Wer sorgfältig dokumentiert, medizinische Gutachten nutzt und den Antrag gut vorbereitet, erhöht die Chance auf eine faire Einstufung – und auf mehr Selbstbestimmung im Alltag.