Studie: Hartz IV Bezieher sind nicht faul

Studie räumt mit Vorurteil auf: Hartz IV Bezieher wollen arbeiten!

15.04.2013

Viele Bundesbürger sind der Auffassung, Hartz IV-Bezieher wollen nicht arbeiten und würden aus Überzeugung „in der sozialen Hängematte liegen“. Laut einer Umfrage des Allenbach-Instituts glaubt das etwa jeder Dritte in Deutschland. Doch das Bild, dass zum Teil von der Boulevardpresse und neoliberalen Politik erzeugt wird, stimmt nicht mit den Realitäten überein. Eine aktuelle Studie untersuchte das Vorurteil mit den Tatsächlichkeiten und kam zu dem Ergebnis, dass die Jobsuche nicht an der fehlenden Motivation scheitert.

Nur die allerwenigsten wollen keinen Job
Hartz IV-Bezieher, die keine Arbeitsstelle haben wollen, seien „Einzelfälle“ wie selbst Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), in einem Interview einräumen musste. "Meiner Meinung gibt es nur wenige Menschen, denen es ohne Arbeit gut geht. Und das meine ich nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten", sagte Alt der "Welt". Trotzdem hält auch die BA an der Sanktionspraxis fest. Zwar wurden in 2012 über eine Million Leistungskürzungen aufgrund angeblichem Fehlverhalten ausgesprochen. „Die wenigsten allerdings, weil Betroffene eine Ausbildung oder ein Arbeitsangebot abgelehnt hätte“.

Laut der Studie des hauseigenen BA Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersuchte, wie es um die Arbeitsbereitschaft der Erwerbslosen bestellt ist. Dabei kam heraus, dass etwa 30 Prozent der 15- bis 64-Jährigen bereits in einem Arbeitsverhältnis beschäftigt ist. Die meisten allerdings hängen in einem sogenannten Minijob fest. Rund 10 Prozent gehen einer Ausbildung nach und etwa zehn Prozent absolvieren eine Fördermaßnahme des Jobcenters. Weitere 12 Prozent sorgen sich um ihre Kleinkinder und etwa sieben Prozent pflegten Pflegebedürftige Angehörige. Somit arbeiten, pflegen oder betreuen bereits 70 Prozent der Hartz IV-Betroffenen und sind somit nicht explizit verpflichtet eine Arbeitsstelle zu suchen.

Motivation größer als bei Angestellten
Dennoch wollen die allermeisten Hartz IV-Bezieher unbedingt eine Arbeiststelle finden, wie es in der Studie heißt. Die Motivation sei sogar höher als bei denen, die bereits eine Arbeitsstelle haben. 76 Prozent sagten bei der Umfragestudie, dass die Arbeit mitunter das Wichtigste sei im Leben. 80 Prozent sagten sogar, dass sie arbeiten würden, auch wenn sie es finanziell nicht nötig hätten.

Problembehaftet sei jedoch die Jobsuche selbst. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, in den letzten vier Wochen aktiv nach einem Arbeitsplatz gesucht zu haben. Etwa 350.000 Betroffene, die nicht nach einem Job ausschau hielten, gaben an, dies aus gesundheitlichen Gründen nicht getan zu haben. Eine weitere Ursache sei, so die Autoren der Studie, dass viele Absagen zu einer Art Entmutigung beigetragen hätten.

Eine fehlende Motivation zu Arbeiten ist nach Meinung der Autoren nur den allerwenigsten vorzuwerfen. Einige darunter hätten erklärt, dass ein Job nicht positiv zur finanziellen Lage beitragen würde. In einem Interview sagte der BA-Vorstandschef Alt: "Ich treffe in den Jobcentern Menschen, die sagen, dass das Herumsitzen sie krank macht, die das Gefühl vermissen, gebraucht zu werden und die so sehr auf ein Erfolgserlebnis hoffen."

Jeder Dritte ein Aufstocker
Laut einer Auswertung der Universität Duisburg-Essen ist jeder Dritte im Hartz IV-Bezug ein sogenannter „Aufstocker“. Das bedeutet, die Betroffene verdienen beispielsweise in der Leiharbeitsbranche zu wenig, um das Existenzminimum zu überschreiten. Rund 1,3 Millionen Menschen hätten zur Gruppe der sogenannten Niedrigstlöhnern gehört, so die Forscher. Etwa 30 Prozent der Hartz IV-Bezieher sind Aufstocker.

Aufstocker sind in 44 Prozent der Fällen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Jeder Zweite hat eine Vollzeitstelle. Zudem sind viele Aufstocker sogenannte Minijobber oder Selbstständige, die zu wenig Einnahmen erwirtschaften. Für die Studie wurden die internen Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Für die Studie "ALG-II-Bezug ist selten ein Ruhekissen" wurden Umfragen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern im Rahmen des Panels "Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung“ (PASS) ausgewertet. (wm)

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