Nur durchschnittliche 1007€ Rente

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Der Rentenexperte Peter Knöppel schlägt Alarm. Er hat sich die aktuellen Zahlen im Jahresbericht der Deutschen Rentenversicherung genau angeschaut und stolperte über eine Zahl, die Besorgnis erregt.

Rund 1.000 Euro Rente im Schnitt

So liegt die Durchschnittsrente, also der Schnitt aller gesetzlichen Rentenbezüge wie Altersrente, Erwerbsminderungsrente und Hinterbliebenenrente, bei 1.007 Euro.

Renten kaum über dem Existenzminimum

Die Grenze der Grundsicherung, die am Existenzminimum gemessen wird, liegt bei 983 Euro. Das bedeutet: Rentner und Rentnerinnen in Deutschland beziehen im Schnitt nur 24 Euro mehr als dieses Existenzminimum.

Ebenso kritisch sieht es aus, wenn wir die Renten im Vergleich zur Armutsgrenze betrachten. Diese lag 2022 laut dem Bundesamt für Statistik bei 1.250 Euro für Alleinstehende.

Eine durchschnittliche Rente in Deutschland liegt also noch 243 Euro unter dieser Armutsgrenze. Wer allein eine durchschnittliche Rente bezieht, ist also arm. Wer eine unterdurchschnittliche Rente bezieht, ist sehr arm.

Kein Geld für das Nötigste

Das bedeutet im Klartext extreme Probleme, die Miete, Hypotheken oder Versorgungsleistungen zu zahlen, eine kurze Urlaubsreise ist nicht möglich. Gebrauchte Möbel können nicht ersetzt werden. Einmal im Monat die Familie zu Kaffee und Kuchen einzuladen ist nicht drin.

Immer mehr alte Menschen beziehen Grundsicherung

Auch andere Zahlen belegen die erschreckende Altersarmut, vor der Knöppel warnt. So bezogen im Juni 2024 rund 728.990 Menschen in Deutschland Grundsicherung im Alter, also die Sozialhilfe für alte Menschen.

Ein Jahr zuvor waren es 37.000 weniger, und im Vergleich zu 2015 wuchs die Zahl derjenigen, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind um rund 39 Prozent, also um mehr als ein Drittel.

Ein Drittel bezieht keine Rente

Rund ein Drittel, also 221.000 Menschen ab 67 Jahren, bezogen 2023 Grundsicherung im Alter, ohne überhaupt eine gesetzliche Rente zu erhalten.

Die Grundsicherung im Alter wird ausgezahlt, wenn Menschen das Renteneintrittsalter erreicht haben und aus eigenen Mitteln das Existenzminimum nicht sichern können.

Sozialverbände sehen versteckte Altersarmut

Sozialverbände wie der VdK oder der Paritätische gehen davon aus, dass die reale Zahl dieser Armen in Alter sogar wesentlich höher ist als die erschreckende Menge derer, die Grundsicherung beziehen.

So sind sich die Experten in den Verbänden weitgehend einig, dass viele alte Menschen, die ein Recht auf Sozialleistungen haben, dieses nicht in Anspruch nehmen.

Viele der Betroffenen sind eingeschüchtert durch die Dauerhetze aus AfD, CDU/CSU und FDP gegen Hilfebedürftige und hungern lieber als sich den Attacken gegen Leistungsberechtigte auszusetzen. Andere wissen nicht einmal, dass sie einen Anspruch auf Sozialleistungen haben.

Hetze gegen die Schwächsten statt Beiträge der Reichen

FDP-Politiker übertreffen sich derweil in Ideen, private Altersvorsorge “schmackhafter” zu machen. Dabei bedienen sie ihre eigene Klientel, die Besitzenden und Reichen.

Menschen, die nämlich im Alter von Armut betroffen sind, hatten in aller Regel vorher keine Mittel, um private Altersvorsorge zu betreiben.

Umgekehrt haben diejenigen, bei denen “Altersvorsorge” aus geerbtem Vermögen und Familienkapital besteht, generell keine Probleme mit Durchschnittsrenten.

Der Elefant im Raum

Die Durchschnittsrente und die nackte Zahl der alten Menschen, deren monatliche Bezüge unter der Armutsgrenze liegen, kann auch die Ampelkoalition nicht leugnen, und auch nicht die FDP.

Bei denen die eine gesetzliche Rente beziehen, reden wir dabei von Menschen, die in dieses Umlagesystem eingezahlt haben – und dies oft über Jahrzehnte hinweg,

Obwohl diese Menschen also ihren Teil zur gesellschaftlichen Sicherung der Sozialsysteme beitragen, verbringen sie ihren Lebensabend in Not.

Worüber bei der Rentendebatte nicht geredet wird, ist hingegen, diejenigen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu lassen, die nicht zuwenig zum Leben haben, sondern weit mehr als genug.

Vermögenssteuer ist überfällig

Eine modifizierte Erbschaftssteuer bei Großerben und eine (geringe) Vermögenssteuer bei Vermögen über einer Million Euro würde die Rentenkassen einfach und langfristig entlasten.

Doch dieses Minimum an sozialer Gerechtigkeit auch nur zu erwähnen scheuen fast alle Parteien im Bundestag wie der Teufel das Weihwasser.