Kinderarmut steigt massiv an

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Kinderarmut steigt massiv an: Bremen und Mecklenburg-Vorpommern stehen an der Spitze

09.01.2014

Kinderarmut ist nicht nur ein Problem der sogenannten 3. Welt. In Deutschland wächst dieses Problem unaufhörlich. Mit dem Wachstum des privaten Wohlstandes wächst zeitgleich auch der Anteil von Armut betroffener Menschen. Nach einer neuen Studie zufolge liegen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit über 33 Prozent im Bundesdurchschnitt am höchsten. Das hatte eine von der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf beauftragte Untersuchung zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland ergeben. Die Stiftung hatte hierfür Zahlen aus 2012 ausgewertet. Demnach haben Bayern mit knapp zehn Prozent und Baden-Würtemberg die niedrigsten Quoten. In 2012 lag der Bundesdurchschnitt bei 18,9 Prozent.

Annäherung von Ost und West
Dass trotz der Feststellungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung, Bremen auf dem Spitzenplatz liegt, gibt den Forschern einen Grund zum Rätseln. Denn eigentlich ist die Einkommensarmut unter Kindern, die im Osten der Republik leben, generell stärker verbreitet als im Westen. In Berlin, in einigen Teilen Brandenburgs, aber auch um Chemnitz und Leipzig sowie in Sachsen-Anhalt, wurden Werte zwischen 25 und 30 Prozent ermittelt. Die Forscher weisen aber auf die in den vergangenen Jahren stattgefunden Annäherung hin, wie in dem neuen WSI Report zu lesen ist.

Kinderarmut ist in Ostdeutschland seit 2005 sogar am sinken, während es in Nordrhein-Westfalen zu einem deutlichen Anstieg gekommen ist. "Das Ausmaß und die Entwicklung der Einkommensarmut unter Kindern in den Regionen Nordrhein-Westfalens sind bedenklich", erklärten die Experten. Der Bezirk Münster hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den höchsten Anstieg zu verzeichnen. Dort stieg die Quote von 18 Prozent auf 22,4 Prozent an.

Wer gilt als arm?
Die allgemeine Definition sagt, dass Kinder arm sind, wenn das Einkommen der Familie unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt. Je nach Berechnungsmethode sind das zwischen 780 und 980 Euro monatlich. Dabei wird noch einmal zwischen relativer und absoluter Armut unterschieden. Von "relativer Armut" spricht man, wenn einer Familie weniger als 40 Prozent des Durchschnitteinkommens im Monat zur Verfügung steht. Mit "absoluter Armut" ist gemeint, wenn Menschen nicht genug zu essen haben und deshalb ihre Gesundheit gefährden und ihr Leben bedroht ist. Konkret führt Armut bei Kindern und Jugendlichen zur mangelhaften Versorgung mit wichtigen Gütern, so die Experten. In Westdeutschland leben 9,7 Prozent der armen Kinder in einem Haushalt, die keine angemessene warme Winterkleidung für die Kinder bereitstellen können. Im Osten seien es sogar 12,1 Prozent. In der Gesamtbevölkerung sind es demnach dagegen nur 2,8 Prozent. Bundesweit hat sich die Armutsquote bei unter 18-Jährigen den Angaben zufolge in vergangenen Jahren wenig verändert und ist weitestgehend stabil geblieben. Lag sie 2005 noch bei 19,5 Prozent, schwanke sie aktuell zwischen 18,2 und 18,9 Prozent.

Hartz IV fördert Armut
Durch die Abhängigkeit von ihren Eltern hängt das Wohlbefinden der Kinder auch mit dem finanziellen und gesellschaftlichen Zustand der Erziehungsberechtigten ab. Eltern, die Hartz IV beziehen und Kinderarmut gehören somit in Deutschland immer zusammen. Der Bericht der UNICEF zur Lage der Kinder in Deutschland in 2013 zeigt auf, dass Familien mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Familien mit drei oder mehr Kindern besonders armutsgefährdet sind. (fr)

Bild: Anne Garti / pixelio.de

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