Wohngeld verweigert obwohl das Gesetz es vorschreibt

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Viele Wohngeldstellen lehnen Anträge reflexhaft ab, ohne den Einzelfall sauber zu prüfen. Diese Praxis spart Zeit, verletzt aber geltendes Recht. Sie verlieren dadurch Geld, obwohl das Wohngeldgesetz Ihnen einen Anspruch eröffnet. Das müssen Sie sich nicht bieten lassen.

Pauschale Ablehnung ersetzt keine Rechtsprüfung

Behörden dürfen Wohngeld nicht nach Bauchgefühl verweigern. Das Wohngeldgesetz verlangt eine konkrete Prüfung von Einkommen, Haushaltsgröße und Wohnkosten. Wer stattdessen mit Standardsätzen arbeitet, handelt rechtswidrig.

Das Wohngeldgesetz verpflichtet zur Einzelfallentscheidung

Paragraf 4 des Wohngeldgesetzes knüpft den Anspruch an objektive Kriterien. Paragraf 14 verpflichtet die Behörde, das Einkommen realistisch zu ermitteln und Freibeträge zu berücksichtigen. Paragraf 17 schreibt diese Freibeträge zwingend vor und lässt keinen Ermessensspielraum.

Vorab-Ablehnungen ohne Antrag verstoßen gegen das Gesetz

Paragraf 23 des Wohngeldgesetzes stellt klar, dass Wohngeld nur auf Antrag entschieden wird. Aussagen wie „Das lohnt sich nicht“ oder „Sie bekommen nichts“ ersetzen keinen Bescheid. Solche Aussagen halten Sie unrechtmäßig von der Antragstellung ab.

Vermögen und Erwerbstätigkeit führen häufig zu Fehlentscheidungen

Viele Ablehnungen stützen sich auf falsche Annahmen zu Vermögen oder Arbeit. Paragraf 21 Nummer 3 schließt Wohngeld nur bei missbräuchlicher Inanspruchnahme aus, nicht bei kleinen Rücklagen. Auch Vollzeitbeschäftigung schließt Wohngeld rechtlich nicht aus.

Das sind die häufigsten Gründe für fehlerhafte Ablehnungen

Fehlerhafte Ablehnungen entstehen häufig, weil Wohngeldstellen pauschal entscheiden statt individuell zu prüfen. Sachbearbeitende verwerfen Anträge mit dem Hinweis auf angeblich zu hohes Einkommen, ohne Freibeträge oder regionale Mietstufen korrekt einzuberechnen. Diese Abkürzung verletzt das Wohngeldgesetz und führt systematisch zu rechtswidrigen Bescheiden.

Fehlannahmen und Kurzberatung verschärfen die Fehlerquote

Hinzu kommen falsche Annahmen zu Vermögen, Erwerbstätigkeit oder Haushaltszusammensetzung. Kleine Rücklagen, Vollzeitjobs oder schwankende Einnahmen lösen immer wieder automatische Ablehnungen aus, obwohl das Gesetz diese Konstellationen ausdrücklich zulässt.

Besonders häufig verursachen telefonische Vorabauskünfte und interne Prüfschemata Entscheidungen, die einer rechtlichen Überprüfung nicht standhalten. Kurz- und Falschberatung sind nicht selten.

Praxismodell Juliane: Abgelehnt trotz klarer Rechtslage

Juliane arbeitete in Vollzeit und stellte wegen stark gestiegener Miete einen Wohngeldantrag. Die Wohngeldstelle lehnte automatisch ab und verwies pauschal auf ihr Einkommen. Nach einem Widerspruch korrigierte die Behörde den Fehler und zahlte Wohngeld rückwirkend.

Praxismodell Hedda: Vermögen falsch bewertet

Hedda verfügte über ein kleines Sparguthaben für Notfälle. Die Wohngeldstelle erklärte, Vermögen schließe Wohngeld grundsätzlich aus. Eine erneute Prüfung zeigte den Rechtsfehler, und Hedda erhielt Wohngeld nachgezahlt.

Praxismodell Merle: Abschreckung statt Entscheidung

Merle fragte vor Antragstellung telefonisch nach ihrem Anspruch. Eine Sachbearbeiterin erklärte, ein Antrag lohne sich nicht, da ihr Einkommen zu hoch sei. Nach Antragstellung widerlegte die Berechnung diese Aussage, und Merle bekam Wohngeld bewilligt.

Warum automatische Ablehnungen systematisch entstehen

Wohngeldstellen arbeiten unter hohem Zeit- und Personaldruck. Pauschale Ablehnungen beschleunigen Abläufe, unterlaufen aber die gesetzliche Prüfungspflicht. Die Folgen tragen allein die Antragstellenden.

Warum Sie eine Ablehnung niemals hinnehmen sollten

Viele Ablehnungsbescheide halten einer rechtlichen Prüfung nicht stand. Ein Widerspruch zwingt die Behörde zur erneuten Berechnung nach dem Gesetz. In zahlreichen Fällen kippen Wohngeldstellen ihre eigenen Entscheidungen.

So wehren Sie sich gegen fragwürdige Wohngeld-Ablehnungen

Sie setzen sich wirksam zur Wehr, indem Sie jede Ablehnung schriftlich überprüfen lassen. Ein fristgerechter Widerspruch zwingt die Wohngeldstelle, Einkommen, Freibeträge und Wohnkosten erneut nach den Vorgaben des Wohngeldgesetzes zu berechnen. Bereits dieser Schritt führt häufig zur Korrektur des Bescheids.

Akteneinsicht und klare Begründungen erhöhen den Druck

Verweisen Sie im Widerspruch konkret auf die gesetzlichen Grundlagen und verlangen Sie eine nachvollziehbare Berechnung. Fordern Sie Akteneinsicht, wenn Berechnungen unklar bleiben oder Angaben fehlen. Je sachlicher und rechtlich fundierter Sie auftreten, desto größer ist der Druck auf die Behörde, den Fehler zu beheben.

Lohnt sich ein Rechtsbeistand bei Wohngeld-Ablehnungen?

Ein Rechtsbeistand lohnt sich immer dann, wenn die Wohngeldstelle trotz Widerspruch an einer Ablehnung festhält oder die Begründung unklar bleibt. Fachanwälte für Sozialrecht erkennen Berechnungsfehler, übersehene Freibeträge und falsche Rechtsanwendung oft auf den ersten Blick. Bereits ein anwaltliches Schreiben erhöht den Druck auf die Behörde erheblich und führt nicht selten zu einer schnellen Korrektur.

Rechtssicherheit und Kostenabdeckung sprechen für Unterstützung

Für Sie bedeutet ein Rechtsbeistand Entlastung und Rechtssicherheit. Anwältinnen und Anwälte prüfen Bescheide anhand des Wohngeldgesetzes, setzen Fristen durch und vertreten Ihre Interessen konsequent. Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe decken die Kosten oft vollständig ab, wenn Erfolgsaussichten bestehen.

FAQ: Automatische Wohngeld-Ablehnung

Sind automatische Ablehnungen rechtmäßig?
Nein, das Wohngeldgesetz verlangt eine individuelle Prüfung jedes Antrags.

Reicht eine mündliche Ablehnung aus?
Nein, nur ein schriftlicher Bescheid entfaltet rechtliche Wirkung.

Lohnt sich ein Widerspruch gegen Wohngeldbescheide?
Ja, fehlerhafte Ablehnungen kommen häufig vor und lassen sich oft korrigieren.

Kann Wohngeld rückwirkend bewilligt werden?
Ja, insbesondere, wenn falsche Auskünfte die Antragstellung verhindert haben.

Muss ich trotz negativer Auskunft einen Antrag stellen?
Ja, nur ein Antrag erzwingt eine rechtmäßige Entscheidung nach Paragraf 23 des Wohngeldgesetzes.

Fazit: Automatische Ablehnungen brechen geltendes Recht

Automatische Wohngeld-Ablehnungen sind keine Bagatelle, sondern Rechtsverstöße. Das Wohngeldgesetz schützt Sie vor pauschalen Entscheidungen und verlangt eine individuelle Prüfung. Wer sich wehrt, setzt sein Recht durch und sichert sich Geld, das ihm zusteht.