Rentner aufgepasst: Wichtige TÜV-Änderungen, die alle Autofahrer ab 2026 kennen sollten

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Wer im Ruhestand viel mit dem Auto unterwegs ist, kennt das Gefühl: Man fährt sein Fahrzeug seit Jahren zuverlässig, der Alltag ist eingespielt – und plötzlich steht ein Termin an, der leicht untergeht. Genau das passiert bei der Hauptuntersuchung (HU), umgangssprachlich oft „TÜV“ genannt.

Ab 2026 kommen gleich mehrere Entwicklungen zusammen, die viele Autofahrer betreffen: eine auffällige Änderung bei der HU-Plakette, weiterhin strenge Regeln bei Fristen und Sanktionen sowie ein spürbarer Trend zu mehr Technik-Prüfung, weil Fahrzeuge immer stärker von Software, Sensoren und Assistenzsystemen geprägt sind.

Wir zeigen, was sich ab 2026 konkret ändert, was noch in Diskussion ist und worauf besonders Halter älterer Fahrzeuge achten sollten.

Warum 2026 beim „TÜV“ mehr Aufmerksamkeit verlangt

Das Jahr 2026 ist kein kompletter Neubeginn für die HU in Deutschland, aber es bringt mehrere Punkte, die im Alltag schnell zu Missverständnissen führen. Viele schauen auf die Farbe der Plakette und denken, „meins ist noch gut“ – obwohl der Monat bereits abgelaufen ist. Andere verschieben den Termin, weil das Auto „doch noch fährt“, und merken erst bei einer Kontrolle, dass Fristen streng gehandhabt werden. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Elektronik, weil moderne Fahrzeuge immer mehr sicherheitsrelevante Funktionen über Sensorik und Software abwickeln. Das verändert langfristig auch die Prüfpraxis.

Gerade für Rentnerinnen und Rentner ist das relevant, weil im Fahrzeugbestand dieser Gruppe überdurchschnittlich häufig ältere Autos vorkommen, die zwar gepflegt sind, aber häufiger in den Rhythmus der HU fallen und bei Überziehung spürbare Zusatzkosten verursachen können.

Die HU-Plakette wird 2026 braun – und die blaue Plakette ist das Warnsignal

Die sichtbarste Neuerung ist die Farbrotation der HU-Plakette. Fahrzeuge, die 2026 fällig sind, erkennt man häufig an der blauen Plakette. Wer 2026 zur HU muss und besteht, erhält anschließend eine braune Plakette, die dann bis zum jeweiligen Monat im Jahr 2028 gilt. Wichtig ist dabei: Die Farbe ist nur eine schnelle Orientierung aus der Entfernung. Rechtlich entscheidend bleibt der Monat, der auf der Plakette markiert ist, und das Jahr, das in der Mitte steht.

Viele verwechseln das. Die Zahl in der Mitte steht für das Jahr der nächsten HU, nicht für das Jahr der letzten Prüfung. Und der Monat ist nicht „irgendwo drauf“, sondern so angeordnet, dass man ihn wie eine Uhr ablesen kann: Oben an der Plakette steht der Monat, in dem die HU fällig ist. Wer also 2026 eine blaue Plakette trägt, sollte nicht nur auf „blau“ schauen, sondern konsequent prüfen, ob der Fälligkeitsmonat bereits vorbei ist.

Fristen sind eng: Überziehen ist schnell eine Ordnungswidrigkeit

Die HU muss spätestens innerhalb des Monats durchgeführt werden, der auf der Plakette steht. Sobald dieser Monat verstrichen ist, ist die HU formal abgelaufen. In der Praxis wird es besonders teuer, wenn der Verzug bei einer Kontrolle auffällt und die Überschreitung deutlich ist. Bei Pkw, Motorrädern und leichten Anhängern gelten abgestufte Verwarn- und Bußgelder. Ab mehr als zwei Monaten werden 15 Euro fällig, bei vier bis acht Monaten 25 Euro, und bei mehr als acht Monaten 60 Euro plus ein Punkt in Flensburg.

Viele unterschätzen außerdem, dass nicht nur die Kontrolle schmerzt, sondern auch der Termin selbst teurer werden kann. Prüforganisationen müssen ab einer Überschreitung von mehr als zwei Monaten eine erweiterte HU durchführen, die laut ADAC mit 20 Prozent Aufschlag berechnet wird. Das ist kein „Strafgeld“, aber es erhöht die Rechnung spürbar – besonders dann, wenn ohnehin Reparaturen anstehen.

Ein weiterer Punkt, der oft falsch erinnert wird: Eine Rückdatierung gibt es nicht mehr. Wer später kommt, bekommt die neue Frist nicht „verkürzt“, sondern die nächste HU richtet sich wieder nach dem tatsächlichen Prüftermin. Das nimmt zwar etwas Druck aus der Zukunft, ändert aber nichts daran, dass Überziehen im Hier und Jetzt Geld kostet und im Extremfall Punkte bringt.

Die HU wird technischer: Warum moderne Autos anders geprüft werden als früher

In den vergangenen Jahren ist der Prüfumfang bei vielen Fahrzeugen deutlich techniklastiger geworden. Neben klassischen Themen wie Bremsen, Beleuchtung, Fahrwerk und Rost spielen elektronische Systeme eine größere Rolle.

Fehlercodes aus Steuergeräten, Plausibilitäten von Sensoren und der Zustand bestimmter sicherheitsrelevanter Funktionen fließen stärker in die Bewertung ein. Das betrifft auch ältere Fahrer ganz direkt, denn wer sich 2026 oder 2027 einen jungen Gebrauchtwagen kauft, kauft nahezu automatisch ein Auto mit deutlich mehr Assistenz- und Softwareanteil als noch vor zehn Jahren.

Das hat zwei Folgen. Erstens können Mängel entstehen, die im Alltag nicht sofort auffallen, bei der HU aber sichtbar werden, etwa wenn ein Assistenzsystem eine Störung meldet. Zweitens kann die Instandsetzung teurer werden, weil Kalibrierungen, Sensorjustagen oder Softwaremaßnahmen nötig sind und nicht mehr nur „ein Teil getauscht“ wird.

EU-Pläne für häufigere Prüfungen: Jährlicher „TÜV“ für ältere Autos ist vorerst nicht beschlossen

Immer wieder kursiert die Sorge, dass ältere Fahrzeuge künftig jährlich zur HU müssten. Hintergrund ist eine Reformdebatte auf EU-Ebene zur sogenannten „Roadworthiness“-Regelung, also zu Standards für technische Überwachung, Unterwegskontrollen und Fahrzeugdaten. Die EU-Kommission hatte 2025 unter anderem angeregt, Autos und Vans ab einem Alter von zehn Jahren jährlich prüfen zu lassen. Der Rat der EU hat sich jedoch am 4. Dezember 2025 in seiner Positionierung gegen diese Umstellung ausgesprochen und die bisherigen Mindestfrequenzen beibehalten.

Wichtig: Das ist noch nicht „das Ende der Debatte“, aber es bedeutet für den Start ins Jahr 2026, dass in Deutschland weiterhin im Regelfall der gewohnte Rhythmus gilt. Für Rentner mit gepflegten, aber älteren Fahrzeugen ist das eine spürbare Entlastung, weil ein jährlicher Pflichttermin nicht nur Kosten, sondern auch organisatorischen Aufwand bedeuten würde. Gleichzeitig bleibt das Thema politisch in Bewegung, weil noch Verhandlungen mit dem EU-Parlament anstehen.

Next-Generation-eCall und neue Assistenzsysteme: Was ab 2026 bei Neuwagen Pflicht wird

Auch wenn das nicht „TÜV“ im engeren Sinn ist, prägt es die HU der kommenden Jahre: Fahrzeuge, die ab 2026 neu auf den Markt kommen, müssen zunehmend mit neuer Sicherheitstechnik ausgestattet sein.

Ab dem 1. Januar 2026 wird „Next-Generation-eCall“ für neu entwickelte Fahrzeugtypen (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen) Pflicht, ab dem 1. Januar 2027 dürfen Neuwagen ohne diese Technik nicht mehr zugelassen werden. Der praktische Grund dahinter ist der Übergang von alten Mobilfunkstandards zu moderneren Netzen.

Zusätzlich sieht der Zeitplan zur EU-Fahrzeugsicherheitsverordnung weitere verpflichtende Assistenzfunktionen für neue Erstzulassungen ab dem 7. Juli 2026 vor.

Das betrifft unter anderem Systeme, die bei drohenden Kollisionen automatisch bremsen können, die Fahrerablenkung erkennen sollen oder den Schutz von Fußgängern bei einem Aufprall verbessern. Für viele Autofahrer wird das zunächst als Komfort- oder Warnthema wahrgenommen. Später wird es aber auch ein HU-Thema, weil solche Systeme sicherheitsrelevant sind und Defekte oder Fehlfunktionen nicht einfach „ignoriert“ werden können.

Gerade für ältere Fahrer, die bewusst einen jüngeren Gebrauchten wählen, lohnt sich der Blick darauf: Mehr Assistenz kann entlasten, kann aber auch bedeuten, dass Werkstattbesuche stärker diagnosegetrieben sind und Reparaturen nicht mehr nur mechanisch sind.

Abgasnormen und Emissionen: Was 2026 indirekt auf die Prüfpraxis wirkt

Ab Januar 2026 gilt für neu zugelassene Pkw eine weitere Stufe der Euro-6e-Abgasnorm. Ab dem 29. November 2026 greift Euro 7 zunächst für neu entwickelte Pkw-Typen, bevor sie später breiter für Neuzulassungen verbindlich wird. Das betrifft vor allem den Neuwagenmarkt, wirkt aber mittelbar auch auf den Gebrauchtwagenmarkt und auf die Erwartung, wie streng Emissionen künftig geprüft und dokumentiert werden.

Parallel läuft auf EU-Ebene die Diskussion, Emissionstests bei der technischen Überwachung weiterzuentwickeln. In den Reformpapieren wird unter anderem über neue Messmethoden für Stickoxide und Partikelzahl gesprochen und über bessere Möglichkeiten, manipulierte oder besonders stark emittierende Fahrzeuge zu identifizieren. In Deutschland ist die Abgasüberwachung in den letzten Jahren bereits strenger geworden, was der ADAC in der Debatte ebenfalls hervorhebt. Für Halter älterer Diesel bedeutet das vor allem: Wer Wartung aufschiebt, riskiert eher einen Befund, der sich nicht „wegdiskutieren“ lässt.

Was Rentner jetzt praktisch tun können, um 2026 nicht überrascht zu werden

Der wichtigste Schritt ist banal, aber wirksam: Den Blick auf die Plakette nicht auf die Farbe reduzieren, sondern den Monat bewusst prüfen und sich rechtzeitig einen Termin sichern. Gerade rund um Ferienzeiten oder zum Jahresende sind Prüforganisationen oft gut ausgelastet. Wer knapp dran ist und dann wegen eines kleineren Mangels nachprüfen muss, verliert zusätzliche Zeit.

Sinnvoll ist außerdem, vor der HU eine kurze Durchsicht einzuplanen – nicht als „TÜV-Vorbereitungspanik“, sondern als pragmatische Risikominimierung. Verschlissene Wischer, schwache Batterie, defekte Beleuchtung oder poröse Reifen sind typische Punkte, die sich vergleichsweise günstig vorab beheben lassen, während eine Nachprüfung meist mehr Nerven kostet als das eigentliche Problem.

Wer ein Auto mit vielen Assistenzfunktionen fährt, sollte Warnmeldungen im Cockpit nicht über Monate mit sich herumtragen. Was im Alltag manchmal nur als sporadische Anzeige erscheint, kann bei der HU als gespeicherter Fehler auffallen – und dann ist der Reparaturweg oft aufwendiger, weil zunächst die Ursache sauber diagnostiziert werden muss.

Übersichtstabelle: Das ändert sich beim TÜV ab 2026

TÜV-/HU-Änderung bzw. relevante Neuerung ab 2026 Was das für Autofahrer bedeutet
Farbwechsel der HU-Plakette: 2026 ist die fällige Plakette blau, nach bestandener HU gibt es braun Die Plakettenfarbe dient nur der schnellen Orientierung. Wer 2026 eine blaue Plakette hat, muss im angegebenen Monat zur HU. Nach erfolgreicher Prüfung weist die braune Plakette auf die nächste Fälligkeit im Jahr 2028 hin.
HU-Plakette richtig lesen: entscheidend sind Monat (oben) und Jahr (in der Mitte) Viele verlassen sich auf die Farbe und übersehen den Fälligkeitsmonat. Für die Frist zählt ausschließlich der Monat, der oben „wie bei einer Uhr“ steht, plus das Jahr in der Mitte der Plakette.
Fristen bleiben streng: HU muss spätestens innerhalb des Fälligkeitsmonats erfolgen Sobald der auf der Plakette markierte Monat vorbei ist, gilt die HU als abgelaufen. Das kann bei Kontrollen auffallen und führt je nach Überschreitungsdauer zu Verwarn- oder Bußgeldern.
Bußgelder und Punkte bei Überziehung (Pkw/leichte Anhänger ohne Sicherheitsprüfung) Bei mehr als 2 Monaten werden in der Praxis mindestens 15 Euro fällig, bei 4 bis 8 Monaten 25 Euro, bei mehr als 8 Monaten 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Das erhöht das Risiko, dass sich eine verspätete HU spürbar auswirkt.
Gebührenaufschlag durch „erweiterte/vertiefte HU“ bei mehr als 2 Monaten Überziehung Wird der Termin deutlich verspätet wahrgenommen, wird eine vertiefte Untersuchung fällig, die typischerweise mit einem Aufschlag von 20 Prozent auf die HU-Gebühr verbunden ist. Dadurch wird „schieben“ oft teurer als ein pünktlicher Termin.
Keine Rückdatierung der HU-Frist (Regel gilt weiterhin, auch 2026) Wer später zur HU fährt, verliert die Zeit nicht nachträglich durch eine „kürzere“ nächste Frist. Die neue Plakette läuft wieder voll ab dem tatsächlichen Untersuchungsmonat, auch wenn zuvor überzogen wurde.
Prüfpraxis wird technischer: Elektronik, Fehlerspeicher und Assistenzsysteme gewinnen an Gewicht Moderne Fahrzeuge werden stärker über Software, Sensoren und Steuergeräte überwacht. Warnmeldungen oder gespeicherte Fehler können bei der HU eher auffallen, selbst wenn sich im Alltag subjektiv „alles normal“ anfühlt.
EU-Debatte zu jährlicher HU für Autos ab 10 Jahren: Stand 2026 nicht umgesetzt Die EU-Kommission hatte häufigere Prüfungen für ältere Fahrzeuge vorgeschlagen. Der EU-Rat hat sich in seiner Position dagegen ausgesprochen, sodass Autofahrer 2026 zunächst beim bekannten Rhythmus bleiben, solange die Gesetzgebung nicht anders endet.
Next-Generation-eCall für neue Fahrzeugtypen ab 1. Januar 2026 (und für Neuzulassungen ab 1. Januar 2027) Das signalisiert einen Technologiewechsel im Fahrzeugbestand. Für die HU der kommenden Jahre bedeutet das: mehr vernetzte Systeme, mehr elektronische Funktionsprüfungen und tendenziell höhere Bedeutung von Diagnose und Systemintegrität.
Mehr Assistenzsysteme werden für Neuwagen ab 7. Juli 2026 verpflichtend Mit der wachsenden Pflichtausstattung steigen die sicherheitsrelevanten Systeme im Alltag. Defekte oder Fehlfunktionen solcher Systeme können perspektivisch häufiger HU-relevant werden, weil sie die Verkehrssicherheit betreffen.
Abgasrechtliche Weiterentwicklung bei Neuwagen: Euro 6e (weitere Stufe ab 2026) und Euro 7 (ab Ende 2026 für neue Typen) Auch wenn das nicht „TÜV“ im engen Sinn ist, wirkt es auf die Abgasuntersuchung und die Erwartung an Emissionswerte. Wartungsrückstände können stärker ins Gewicht fallen, weil die Anforderungen und Prüfmethoden europaweit weiterentwickelt werden.
Roadworthiness-Paket der EU: Modernisierung, mehr Digitalisierung und Anpassung an neue Fahrzeugtechnik (in Arbeit) Die Richtung ist klar: Prüfregeln sollen stärker auf moderne Fahrzeugtechnik und digitale Abläufe reagieren. Für Autofahrer kann das mittelfristig bedeuten, dass Dokumentation, Datenabgleich und technische Prüfmethoden weiter standardisiert und verschärft werden.

Fazit: 2026 bringt sichtbare Änderungen und setzt einen Trend fort

Die plakativste Änderung ist die HU-Plakette: Blau steht 2026 häufig für fällig, Braun für den nächsten Turnus bis 2028. Wirklich teuer wird es jedoch weniger durch Farben als durch verpasste Monate. Wer die Frist überzieht, riskiert Verwarn- oder Bußgelder und ab mehr als zwei Monaten zudem einen Aufschlag durch die erweiterte HU. Gleichzeitig entwickelt sich die HU schrittweise weiter, weil Autos immer stärker elektronisch werden und Europa an neuen Standards für Prüfung, Emissionen und Daten arbeitet.

Für Rentner gilt deshalb: Nicht nervös werden, aber konsequent sein. Wer den Termin sauber plant und Warnzeichen am Fahrzeug ernst nimmt, fährt 2026 entspannter – und meist auch günstiger.

Quellen

TÜV NORD: „Neue Regeln für Autofahrer:innen 2026“ (abgerufen am 5. Januar 2026).
ADAC: „TÜV überziehen: Diese Kosten drohen“ (Stand 22. Juli 2025; abgerufen am 5. Januar 2026).