Keine Ausbildung für Hartz IV Kinder

17.07.2012

Seit Einführung der Hartz IV-Gesetze sind die Chancen auf eine selbst gewählte Berufsausbildung von jungen Menschen, die in sogenannten Bedarfsgemeinschaften aufwachsen, kontinuierlich gesunken. Das berichtet der Deutsche Verband für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) e.V. in Schwerte.

In den Jobcenter hat die Vermittlung von Arbeitsstellen Vorrang vor einer Ausbildungsvermittlung bzw. Aufnahme einer möglicherweise sogar kostenpflichtigen Berufsausbildung oder eines Studiums. Viele junge Menschen werden in schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse vermittelt. Nicht selten landen sie in der Zeitarbeit.

Kaum individuelle Berufsberatung von „Hartz IV Kindern“
Nur selten finden individuelle Berufsberatungen in den Jobcentern oder Kommunen statt. Das führt wiederum dazu, dass der „Teufelskreis aus Armut und geringer Qualifizierung“ für viele Jugendliche und junge Erwachsene kaum noch durchbrochen wird. „Die Betroffenen gelangen schnell in prekäre Beschäftigungsverhältnisse und werden häufig dauerhaft von Sozialleistungen abhängig. Diese Situation ist in einer Gesellschaft, die sowohl Fachkräftemangel wie auch die Überlastung ihrer Sozialsysteme beklagt, äußerst unverständlich“, sagt die Vorsitzende des Deutschen Verbands, Birgit Lohmann.

Politik zeigt kaum noch Interesse
In den ersten Hartz IV-Jahren wurde seitens der Politik noch auf die mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten von jungen Erwerbslosen hingewiesen. Ein solches Interesse scheint heute seitens der Opposition kaum noch vorhanden zu sein. „Chancengleichheit ist zwar ein Thema für bildungspolitische Sonntagsreden, an die tatsächliche Diskriminierung von Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien haben wir uns aber bereits gewöhnt“, so Lohmann. Die derzeitige Praxis widerspreche dem Artikel 12 des Grundgesetzes, der die freie Berufswahl garantiere. Weigern sich junge Menschen unter 25 Jahre eine vermittelte Arbeitsstelle anzunehmen, drohen 100 Prozent Kürzungen der Hartz IV Leistungen.

In diesem Zusammenhang fordert Lohmann die Bundesregierung auf, die Gesetzesregelungen des SGB II zu verändern. Ausbildung und Qualifizierungen junger Menschen müssen unbedingt Vorrang haben. Jeder Mensch muss das Recht auf Berufsorientierung, individuelle Beratung und Ausbildung haben. Das müsse unabhängig davon sein, ob die Eltern des Jugendlichen Hartz IV beziehen oder nicht. (sb)

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Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

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