Schwerbehinderung: Wohngeld-Freibetrag hilft bei barrierefreier Wohnung

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Menschen mit einer Schwerbehinderung stehen hรคufig vor besonderen finanziellen Belastungen. Steigende Mietpreise, teure Mobilitรคtshilfen oder notwendige bauliche Anpassungen in der Wohnung erhรถhen den Druck zusรคtzlich.

Umso wichtiger ist es zu wissen: Wohngeld kann auch fรผr schwerbehinderte Menschen eine entscheidende Entlastung sein โ€“ und dank mรถglicher Freibetrรคge fรคllt das Einkommen in manchen Fรคllen weniger ins Gewicht.

Was ist Wohngeld โ€“ und warum ist es fรผr Menschen mit Schwerbehinderung besonders relevant?

Wohngeld ist eine staatliche Unterstรผtzung fรผr Mieter und Eigentรผmer, deren Einkommen nicht ausreicht, um die Wohnkosten zu tragen. Fรผr schwerbehinderte Menschen ist Wohngeld besonders wertvoll.

Wohngeld kann einerseits die teils hohen Wohnkosten barrierefreier Wohnungen ausgleichen und andererseits sind zusรคtzliche Freibetrรคge mรถglich, die das anrechenbare Einkommen reduzieren. Vor allem in Stรคdten, in denen barrierefreie Wohnungen teurer oder selten verfรผgbar sind, wirkt Wohngeld wie ein finanzieller Puffer.

Wie wirkt sich eine Schwerbehinderung auf die Wohngeldberechnung aus?

Eine Schwerbehinderung allein fรผhrt nicht automatisch zu einem hรถheren Wohngeldanspruch. MaรŸgeblich ist, ob die rechtlichen Voraussetzungen fรผr zusรคtzliche Freibetrรคge erfรผllt sind. Diese kommen zum Tragen, wenn ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 vorliegt und die Einschrรคnkungen den Alltag erheblich beeinflussen.

Dadurch kann ein relevanter Teil des Einkommens unberรผcksichtigt bleiben โ€“ was oft den Unterschied zwischen Ablehnung und Bewilligung ausmacht. Durch den hรถheren Freibetrag steigt bei Berรผcksichtigung das Wohngeld insgesamt.

Welche Art von Wohnung ist fรถrderfรคhig?

Auch bei Schwerbehinderung mรผssen die Mietkosten innerhalb der regionalen Hรถchstbetrรคge liegen. Barrierefreie oder -arme Wohnungen sind hรคufig teurer, doch solange die Kosten innerhalb der gesetzlich festgelegten Grenzen bleiben, ist eine Fรถrderung mรถglich.

Liegt die Miete darรผber, kann sich ein Antrag trotz allem lohnen, denn Hรคrtefallregelungen kรถnnen auรŸergewรถhnliche Wohnkosten anerkennen โ€“ besonders wenn diese aufgrund der Behinderung unvermeidbar sind.

Praxisbeispiele: So wirkt Wohngeld im echten Leben

Beispiel 1: Rollstuhlnutzerin mit teurer barrierefreier Wohnung
Frau L., 48 Jahre alt und Rollstuhlnutzerin, findet nach langer Suche eine barrierefreie Wohnung, die jedoch deutlich teurer ist als ihre bisherige. Obwohl ihr Einkommen knapp รผber der allgemeinen Wohngeldgrenze liegt, wird dank des anerkannten GdB von 80 ein Freibetrag gewรคhrt. Dadurch sinkt ihr anrechenbares Einkommen โ€“ und sie erhรคlt monatlich rund 170 Euro Wohngeld.

Beispiel 2: Pflegegrad fรผhrt zu zusรคtzlichem Freibetrag
Herr M., 63 Jahre, lebt allein und hat einen Pflegegrad 3. Seine Rente ist gering, und er muss viele alltรคgliche Leistungen zukaufen. Durch den Pflegegrad wird ein zusรคtzlicher Freibetrag berรผcksichtigt, der seine finanzielle Belastung sichtbar mindert. Ergebnis: Er erfรผllt die Voraussetzungen fรผr Wohngeld und bekommt einen Zuschuss, der seine Miete zu fast einem Drittel abdeckt.

Beispiel 3: Familie mit schwerbehindertem Kind
Familie R. lebt in einer grรถรŸeren Wohnung, weil das schwerbehinderte Kind mehr Platz fรผr Hilfsmittel und Therapien benรถtigt. Die hรถheren Wohnkosten wรคren ohne Unterstรผtzung nicht tragbar. Da das Kind einen GdB von 70 hat, wird ein Freibetrag fรผr den Haushalt gewรคhrt. Dadurch steigt der Wohngeldanspruch so stark, dass die Familie monatlich รผber 200 Euro Unterstรผtzung erhรคlt โ€“ ein erheblicher finanzieller Unterschied.

Antragstellung: Diese Unterlagen brauchen Sie

Fรผr den Wohngeldantrag sind der Mietvertrag oder andere Nachweise รผber die Wohnkosten sowie aktuelle Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder erforderlich. Zusรคtzlich mรผssen der Schwerbehindertenausweis oder der entsprechende Bescheid vorgelegt werden.

Auch Nachweise รผber einen Pflegegrad oder besonders hohe Krankheitskosten kรถnnen den Antrag stรคrken. Viele Kommunen bieten Online-Antrรคge oder Wohngeldrechner an, um den Prozess zu erleichtern und Wartezeiten zu verkรผrzen.

Hรคufige Fehler vermeiden

Viele Antragsteller lassen mรถgliche Freibetrรคge ungenutzt, weil sie nicht wissen, dass bei einer anerkannten Schwerbehinderung Teile des Einkommens herausgerechnet werden kรถnnen. Auch unvollstรคndige oder veraltete Unterlagen fรผhren hรคufig zu Verzรถgerungen.

Zudem geben manche ihre Mietkosten zu niedrig an, weil sie nur die Kaltmiete berรผcksichtigen โ€“ dabei kรถnnen bestimmte Nebenkosten ebenfalls wohngeldrelevant sein und sollten nicht vergessen werden.

FAQ: Die fรผnf wichtigsten Fragen zu Wohngeld und Schwerbehinderung

1. Haben Menschen mit Schwerbehinderung automatisch Anspruch auf Wohngeld?
Nein. Anspruch besteht nur, wenn Einkommen, HaushaltsgrรถรŸe und Wohnkosten im zulรคssigen Rahmen liegen. Die Schwerbehinderung kann den Anspruch jedoch durch Freibetrรคge verbessern.

2. Welche Freibetrรคge gelten bei Schwerbehinderung?
Freibetrรคge kรถnnen gewรคhrt werden, wenn ein GdB von mindestens 50 vorliegt und die Einschrรคnkungen den Alltag erheblich beeintrรคchtigen. Die Hรถhe hรคngt vom individuellen Fall ab.

3. Wird ein Pflegegrad beim Wohngeld berรผcksichtigt?
Ja. Ein Pflegegrad kann zusรคtzliche Freibetrรคge ermรถglichen oder erhรถhte Wohnkosten begrรผnden, etwa fรผr barrierefreie Wohnungen.

4. Kann man Wohngeld und Grundsicherung gleichzeitig bekommen?
Nein. Wer Bรผrgergeld oder Grundsicherung erhรคlt, bekommt kein Wohngeld, da die Wohnkosten dort bereits einkalkuliert sind.

5. Wie lange dauert die Bewilligung von Wohngeld?
Die Bearbeitung kann je nach Kommune zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten dauern. Vollstรคndige Unterlagen verkรผrzen den Prozess deutlich.

Fazit: Wohngeld lohnt sich โ€“ besonders fรผr Menschen mit Schwerbehinderung

Wohngeld ist eine oft unterschรคtzte Entlastung fรผr Menschen mit Schwerbehinderung. Es gleicht nicht nur hรถhere Wohnkosten aus, sondern berรผcksichtigt durch Freibetrรคge auch besondere Lebenssituationen.

Wer den Antrag sorgfรคltig stellt, alle relevanten Nachweise einreicht und die eigenen Rechte kennt, kann mitunter erhebliche finanzielle Unterstรผtzung erhalten โ€“ und damit die Wohnsituation nachhaltig stabilisieren.