Schulden und Privatinsolvenz: Das kann die Schuldnerberatung leisten

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Wenn Schulden sich häufen, ist die Not groß – Helfen kann die Schuldnerberatung

Wenn der Minusbetrag auf dem Konto wächst und immer mehr Mahnungen im Briefkasten landen, ist die Not sehr groß. Irgendwann entwickelt sich eine Angst, die Post im Briefkasten zu leeren. Wer nicht aus eigener Kraft die Schulden los wird, sollte sich schnell an eine Schuldnerberatung wenden.

Immer mehr Schuldner

Experten wissen: “Das Thema Schulden ist immer noch mit großer Scham behaftet”, erklärt Jennifer Engelmann von der Schuldnerberatung der Caritas. Bei den ersten Beratungsgesprächen fließen oft Tränen. Nach Angaben der Caritas wenden sich immer mehr Menschen an die professionellen Schuldnerberater, weil immer weniger Menschen ihren Bedarf über das eigene Einkommen decken können. Zunehmend wenden sich auch immer mehr Frauen an die Schuldnerberatung. Vor allem alleinerziehende Mütter wissen oft nicht, wie sie den nächsten Monat überstehen sollen.

Schuld daran ist auch die aktuelle Angebotspalette. Häufig locken große Märkte mit Null-Prozent-Ratenzahlungen, um den Absatz zu erhöhen. Irgendwann knallts dann, weil sich die Zahl der Kredite häufen. Manche machen dann den Fehler und nehmen einen sogenannten “Kredit ohne Schufa”. Diese Kredite sind mit extrem hohen Zinsen behaftet. Ein Ausweg sind diese zweifelhaften Angebote nicht.

Nicht nur Schulden – auch Hartz IV

Wer zur Schuldnerberatung geht, hat meist weitere Probleme. Hartz IV, Trennung oder eine bevorstehende Scheidung, eine schwere Krankheit oder ein Elternteil muss sich vollkommen allein um die Kinder kümmern. So war es auch bei Jochen G. Nach seiner Trennung, kam unvermittelt die Arbeitslosigkeit und dann der Abrutsch in Hartz IV. In der Zwischenzeit hat sich ein Schuldenberg angehäuft, den er allein nicht mehr bewältigen konnte.

Was kann die Schuldnerberatung überhaupt leisten?

Oftmals haben Schuldner schon seit Jahren finanzielle Probleme. Bis sie den Weg zur Beratung finden, häufen sich immer mehr Schulden an. Für die Schuldnerberater bedeutet dies, ersteinmal die letzten Jahre aufzuarbeiten und sich ein Überblick zu verschaffen. Dabei gehen die Experten alle Rechnungen und Kredite durch und sammeln Informationen. “Wie viel Geld schuldet der Betroffene wem?”, ist die Hauptfrage. Manchen kommen in die Beratung mit einem gut struktuierten Ordner, andere mit vielen ungeöffneten Briefen in der Tasche.

Das absolute Existenzminimum sichern

In der Beratung wird zunächst versucht, das absolute Existenzminimum zu sichern: Ernährung, Miet-, Strom-, und Gaskosten müssen bezahlt werden, damit der Abrutsch nicht tiefer wird und eine Obdachlosigkeit droht. Doch die Berater betonen: “Wir sind Pädagogen, keine Bankleute. Unsere Aufgabe ist es nicht, das Geld der Gläubiger einzutreiben, sondern Menschen wieder ins Leben zu integrieren”, sagt Engelmann von der Caritas. Die Betroffenen bräuchten erst einmal wieder einen festen Boden unter den Füßen.

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Zunächst den Auslöser besiegen

Wer unter einer schweren Krankheit leidet, muss zunächst gesunden. Leidet jemand an einer Sucht, muss diese zunächst angegangen werden. Spiel und Alkoholsucht sind oft Auslöser für Schulden. Die Menschen haben keinen Halt mehr.

Außergerichtliche Einigung

Der Schuldner wird dabei unterstützt, sich mit mit den Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Ein Schuldenbereinigungsplan soll dabei helfen, die Schulden strukturell darszustellen. Manche Gläubiger sind dazu bereit, auf einen Teil der Schulden zu verzichten, wenn ihnen wenigstens etwas Schuldenabtrag angeboten wird. Reicht das nicht aus oder lehnen Gläubiger einen reduzierten Abtrag ab, kann im nächsten Schritt ein Insolvenzverfahren beantragt werden. Im weiteren prüft ein eingesetzter Insolvenzverwalter pfändbares Vermögen und Einkommen des Schuldners. Dieses wird, falls vorhanden, an die Gläubiger verteilt.

Dieser Freibetrag steht einem Schuldner zu

Es gibt Freibeträge, um die Existenz des Schuldners zu wahren. Wer manatlich weniger als 1.140 Euro netto zum Leben hat, muss nichts abgeben. Bei Unterhaltsansprüchen von Ehepartnern oder Kindern steigt der Wert. In der Regel dauert das Verfahren sechs Jahre. In dieser Zeit ist der Schuldner dazu angehalten, sich einen Job zu suchen oder die vorhandene Arbeitsstelle zu behalten. Die Durststrecke muss überstanden werden. Danach ist der Betroffene Schuldenfrei und kann neu durchstarten.

Haushaltsplan aufstellen

Damit man nicht wieder in eine solch schwerwiegende Lage grät, bieten Schuldnerberater/innen einen Haushaltsplan an, der gemeinsam erstellt wird. Dabei wird visualisiert, welche Einnahmen den Ausgaben entgegenstehen. Denn vielen Menschen ist nicht bewusst, wofür sie wie viel Geld ausgeben.

Die Experten raten dazu, sich ein festes Limit anzulegen, dass genau aufzeigt, wie viel Geld pro Woche ausgegeben werden kann. Dieses darf dann nicht überschritten werden. Zusätzlich sollte man Rücklagen bilden, um auf Situationen reagieren zu können, die nicht vom monatlichen Budget bezahlt werden können. Zusätzlich suchen die Schuldnerberater gemeinsam mit dem Betroffenen nach Sparmöglichkeiten. “Muss das Auto wirklich sein? Ist die Miete zu hoch? Können weitere monatliche Ausgaben gespart werden, die nicht unbedingt nötig sind?”

Keine Schulden während der Privatinsolvenz

Eine Privatinsolvenz kann eine einmalige Gelegenheit sein, um wieder einen Neuanfang zu machen. Wichtig sei, dass aber keine neuen Schulden im Laufe des Insolvenzverfahrens entstehen, betont die Beraterin. Denn diese sind nicht mehr abgedeckt. Das könnte das laufenden Schuldenbefreiungsverfahren gefährden.

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