Callcenter zahlte Mitarbeiterin 21 Cent pro Stunde

Preisverleihung Goldene Nase

Goldene Nase Verleihung: Callcenter aus Erfurt zahlte Mitarbeiterin nur 21 Cent pro Stunde

30.12.2011

Wie in jedem Jahr suchte die gewerkschaftsnahe Bürgerinitiative „Gegen Billiglohn für Gleichbehandlung“ Unternehmen, denen die Statue „Goldene Nase“ verliehen werden muss. Dabei werden Firmen gesucht, die weniger Lohn für gleiche Arbeit zahlen, einen rücksichtslosen Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen, die Gesundheit der Beschäftigten gefährden, Gesetze oder Tarifverträge missachten und Billiglöhne zahlen. Insgesamt fünf Vorschläge sind in diesem Jahr bei der Initiative eingegangen.

In diesem Jahr schaffte den zweiten Platz ein Callcenter aus Erfurt. Das Unternehmen hatte nach Angaben der Bürgerinitiative etwa 50 Arbeitnehmer beschäftigt. Viele der Mitarbeiter waren auf der Mini-Job-Basis angestellt. Eine Beschäftigte hatte sich an den Verein gewendet, weil sie umgerechnet nur 21 Cent pro Stunde verdiente. Die Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Corinna Hersel erläutert: „Die Frau hatte einen Arbeitsvertrag für 14 Stunden pro Woche. Tatsächlich gearbeitet hat sie 50 Stunden und mehr. Zudem wurde nicht, wie im Vertrag stand, ihre Arbeitszeit entlohnt. Stattdessen erhielt sie ein Entgelt auf zustande gekommene Telefonkontakte.“ So kam es, dass die Mitarbeiterin in einem Monat nur einen Lohn von 43 Euro ausgezahlt bekam. „Rechnet man das auf die geleisteten Stunden um, liegen wir bei 21 Cent pro Stunde. Pünktlich überwiesen wurde der Lohn auch nicht“, wie Hersel erklärte. Hauptpartner des Callcenters aus Erfurt war der Otto-Versand. Als dem Konzern die Arbeitsbedingungen bekannt wurden, wurden Gespräche mit dem Geschäftsführer des Callcenters geführt. Der Chef zeigte sich nicht einsichtig, berichtet Hersel. Daraufhin kündigte der Otto-Konzern den Vertrag. Mittlerweile ist das Erfurter Unternehmen telefonisch nicht mehr erreichbar.

Erster Platz wurde an Diakonische Einrichtung überreicht
Den ersten Platz bekam eine Diakonische Altenhilfeeinrichtung in Weimar. Laut Verdi wurde die Stiftung "Altenhilfe Sophienhaus“ 2008 ausgegliedert „mit dem Ziel die Löhne zu senken und die Beschäftigten bei Sonderzahlungen und Zuschlägen für die Nacharbeit schlechter zustellen“. Damit das gelingt, „wurden die neuen Arbeitsverträge nicht mehr auf der Basis der Arbeitsvertragsrichtlinien für Einrichtungen, die dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche angeschlossen sind, abgeschlossen. Stattdessen gilt nun die so genannte Arbeits- und Sozialordnung“. Diese wurde von den Arbeitgebern entwickelt, ohne die Mitarbeitervertreter/innen der Stiftung zu beteiligen. Vor dem Betriebsübergang gab es noch eine Betriebsratswahl, danach wurde die Interessenvertretung nicht mehr anerkannt. Trotz "Gastmitgliedschaft" im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche gilt das Verbot des Streikrechts mit Hinweis auf das Kirchenrecht. Sich gewerkschaftlich zu engagieren, wurde verboten.

Den dritten Platz belegt eine Edeka-Filiale in Steinbach-Hallenberg. In dem Supermarkt arbeiten rund 20 Festangestellte. Laut der Bürgerinitiative arbeiten 20 weitere Mitarbeiter zu Stundenlöhnen von sechs Euro (Geringfügige Beschäftigung). „Der Tarifvertrag für den Einzelhandel wird nicht angewendet, Urlaub und Krankentage werden nicht bezahlt. Es gibt keine festen Arbeitszeiten. Mehrere Kameras wurden im Markt installiert - bis zur Tür des Pausenraums. Ein Betriebsrat wurde nicht zugelassen.“ Der Markt bekommt die Bronze Statue überreicht. (sb)


Bild: VER.DI-SASATHUE

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