Hartz IV: Jobcenter Verantstaltung wurde abgebroch

Noch keine Stimmen.
Bitte warten...

Hartz IV Protest

Ein Augenzeugenbericht: Job Center musste Veranstaltung abbrechen. HartzIV-Empfänger stellten zu kritische Fragen

Bereits am Mittwoch, den 18.4.07 veranstaltete das JobCenter Berlin Friedrichshain-Kreuzberg im nahe gelegene Arbeitsamt Berlin-Mitte in der Friedrichstraße 39 eine Werbeveranstaltung für die private Arbeitsvermittlungsagentur Workoholic Personaldienste mit Sitz in Kreuzberg, zu der sie Hartz IV -Empfänger ausdrücklich verpflichtete.

Die Veranstaltung, welche auf zwei Stunden angesetzt war, wurde bereits nach einer halben Stunde abgebrochen, da die Veranstalter den kritischen Fragen der Anwesenden nicht gewachsen waren. Das Jobcenter Berlin Friedrichshain-Kreuzberg lud am Mittwoch, den 18.4.07 ins nahe gelegene Arbeitsamt Berlin-Mitte in der Friedrichstraße 39 ein. Die Einladungen wurden im Namen der einzelnen Sachbearbeiter erstellt und mit Rechtsfolgenbelehrungen versehen. Sie waren z.B. folgendermaßen formuliert: „Ich möchte mit Ihnen im Rahmen einer Informationsveranstaltung über freie Stellen im Bereich Erzieher sprechen.“ Dabei wurde ausdrücklich darum gebeten, eine komplette Bewerbungsmappe mitzubringen. Dies alles deutete auf ein persönliches Gespräch mit der jeweiligen Fallmanager hin. In diesem Glauben wähnten sich jedenfalls ca. 150 HartzIV-Empfänger_Innen. Beim Eintritt in den Saal wurden sie jedoch nicht von ihren Arbeitsvermittler_Innen empfangen, sondern ihre Anwesenheit mit einer Namensliste abgeglichen und ihnen von Herrn Ü.Ö., Workoholic Personaldienste, in Berlin- Kreuzberg, ein Werbeflyer in die Hand gedrückt. Hierbei handelt es sich um EINE von vielen privaten Arbeitsvermittlungen in Berlin.

Das alles vermittelte schon sehr den Eindruck von Werbeveranstaltung und bestätigte sich dann auch, als nicht das JobCenter, sondern Herr Öztoprak das Wort ergriff und kräftig die Werbetrommel für seine Agentur rührte, wobei er sich dafür rühmte, dass er selbst dem JobCenter mitgeteilt habe, dass es derzeit besonders viele Jobangebote für Erzieher_Innen in Berlin gäbe und Workoholic Personaldienste den meisten Arbeitssuchenden einen Arbeitsplatz vermitteln könne.
Mit seinen Ausführungen kam er jedoch nicht sehr weit, da diese im Widerspruch zu den praktischen Erfahrungen der Anwesenden standen und von diesen auch entsprechend kritisch hinterfragt wurden. Herr Ö. wich mit einem milden Lächeln aus und erteilte seiner Mitarbeiterin Frau Peterson das Wort.

Diese erklärte nun ihrerseits, welche Voraussetzungen Arbeitssuchende heutzutage auf dem Arbeitsmarkt mitbringen müssten und dass es an jeder Arbeitssuchend_en selbst läge, wieweit sie bereit sei, sich auf bestimmte „Problematiken“ (z.B. Kinder mit Migrationshintergrund) einzulassen, denn der Berliner Arbeitsmarkt bringe eine große Dynamik und einige Besonderheiten mit sich. Einrichtungen im Ostteil Berlins beispielsweise bevorzugten „ganz normale“ Erzieher_Innen, welche strukturiert(!) arbeiten und schon in der ehemaligen DDR als Erzieherin tätig waren. Einrichtungen in Zehlendorf dagegen legten Wert auf Hochdeutsch. Wenn es in diesem Bereich an Kompetenz mangele, würden Workoholic Personaldienste die Bewerber zu Rhetorikkursen schicken.

Andere Einrichtungen setzten das Beherrschen mehrerer oder bestimmter Sprachen bzw. Montessouri-Kenntnisse voraus, welche Jede in Fortbildungen des JobCenters erwerben könne, was einigen Unmut bei den Anwesenden hervorrief, denn die Erfahrungen bei der Beantragungen von Weiterbildungen über das JobCenter waren andere.
Außerdem fragten einige Anwesende, warum sie trotz mehrfacher Bewerbungen bei Workoholic Personaldienste seit Jahren nie eine Rückmeldung bekommen haben, nicht einmal eine Mitteilung, dass ihre Unterlagen eingegangen und in Bearbeitung sind. Eine Bewerberin beherrsche sogar fünf verschiedene Sprachen und habe dennoch nie ein Angebot von Workoholic Personaldienste unterbreitet bekommen. Hierauf antwortete Herr Öztoprak: „Man braucht auch soziale Kompetenz…“ Frau Peterson zog sogar in Erwägung: „Es kann sein, dass einzelne Unterlagen unbearbeitet liegen bleiben.“

Spätestens hier drängte sich die Frage auf, wozu Workoholic Personaldienste diese Veranstaltung ins Leben gerufen hat, und die einzige Antwort scheint zu sein: Es geht um die heiß begehrten Vermittlungsgutscheine, welche eine private Arbeitsvermittlung pro geführte Bewerber-Akte vom JobCenter und den Agenturen für Arbeit ausgesprochen gut bezahlt bekommt.

Frau P. spielte an dieser Stelle einen Joker aus und sprach eine Anwesende mit ihrem Namen an, was sein Ziel nicht verfehlte: die Angesprochen_e wurde rot und sagte kein Wort mehr. Andere stellten aber weiterhin Fragen, denn, daß Bewerbungsfotos laut Frau Peterson nicht nur „eher konservativ aussehen sollen“ sondern auch für die Bewerbern „vorteilhaft“ seien, wollten Einige begründet haben, denn nach dem Antidiskriminierungsgesetz seien Bewerbungsfotos nicht mehr notwendig, und darüber hinaus auch ausgesprochen teuer. Hierauf verstrickte sich Frau Peterson in widersprüchlichen Aussagen.

Als nicht abzusehen war, dass sie noch länger den kritischen Fragen Stand halten könne, ergriff Frau Petra Zacher das Wort, die sich nun endlich als Mitarbeiterin des JobCenters zu erkennen gab und erklärte auf Anfrage(!), dass sie seit Jahren zuständig ist für die Betreuung privater Arbeitsvermittlungen und Zeitarbeitsfirmen. Sie versuchte sich nun ihrerseits in der Beantwortung einiger Fragen und sagte, Bezug nehmend auf das Antidiskriminierungsgesetz: „Daß es vorteilhafter ist, Fotos auf Bewerbungen zu kleben, darüber müssen Sie sich bei den Arbeitgebern beschweren!“

Sie betonte, dass es außerdem bei jeder Arbeitssuchend_en selbst läge, die Seriösität einer privaten Arbeitsvermittlung zu prüfen, wobei sie die Seriösität vor allem daran festmachte, ob von der Vermittlungsagentur die Vorlage eines Vermittlungsscheines verlangt werde.

Letztlich ließ sie sich zu den Aussagen hinreißen, dass die Teilnahme an dieser Veranstaltung auf Freiwilligkeit basiere, d.h. die Einladungen „ohne Rechtsfolgenbelehrung ergangen“ seien und keine Pflicht bestünde, die Bewerbungsmappen an die Fa.Ö. auszuhändigen.

Da die Empörung der Anwesenden nun nicht mehr zu zügeln schien, gab sie das Wort zurück an Herrn Öztoprak, welcher seinerseits die Veranstaltung (die auf zwei Stunden angesetzt war) nun schon nach einer halben Stunde abrupt abbrach mit der Bemerkung, dass weitere Fragen persönlich an ihn gerichtet werden können. (Quelle Indymedia, veröffentl. am 23.04.07)

Hartz IV abschaffen?

Loading ... Loading ...