Hartz IV: Auch Probearbeit muss bezahlt werden

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Arbeitsrecht: Probearbeit muss nicht umsonst sein – da staunen die Chefs

Nach gefühlten 99 Bewerbungen hat es endlich geklappt. Ein Hotel lädt zur Probenarbeit ein. Jessica B. hat sich sehr gefreut darüber, endlich zu beweisen, dass sie gute Arbeit leisten kann. Denn Leben mit Hartz IV bedeutet, jeden Tag aufs Neue durchzurechnen, ob man irgendwie über die Runden kommt.

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Nachdem sie in eine Woche zur Probe in einem Hotel als Zimmermädchen gearbeitet hatte, hörte sie auch nach Nachfragen nichts mehr mehr von dem Chef. Also bewarb Jessica B. sich weiter. Nach einigen Bewerbungen wurde sie erneut zur Probearbeit angenommen. Dieses Mal arbeitete sie 3 Tage in einem Altenheim. Eine andere Mitbewerberin war ebenfalls zur Probe dort. Sie bekam einen Arbeitsvertrag. Jessica B. nicht.

Immer mehr Arbeitgeber nutzen die Probearbeit

Probearbeit ist das neue Praktikum. Das Instrument der Probearbeitstage wird von Arbeitgebern gern verwendet, damit die Arbeitssuchenden beweisen können, was sie können. Arbeitsrechtlich ist der ordnungsgemäß vereinbarte Probearbeitstag jedoch kein Probearbeitsverhältnis.

Probearbeit muss vergütet werden

Die Arbeitgeber gehen allerdings davon aus, dass die Probearbeit vollkommen umsonst geschieht. Bekommt man einen Arbeitsvertrag ausgehändigt, sind die meisten glücklich darüber und verlangen keine Vergütung für die Probearbeit. Doch wie in dem Fall von Jessica B. kann das Probearbeiten schnell zum “Ausbeutunghopping” werden.

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Vordruck zum Eintreiben der Vergütung für die Probearbeit

Doch dagegen können sich Arbeitssuchende wehren. Wurde keine feste Vergütung im Vorfeld vereinbart, können Betroffene die übliche Vergütung geltend machen. Am besten wird diese Forderung schriftlich mit Festsetzung einer Zahlungspflicht zugestellt. Hierzu hat unser Forum ein Vordruck erstellt, der kostenfrei genutzt werden kann. Hier gehts zum Vordruck.

Probearbeit gleich reguläres Arbeitsverhältnis?

Es kann sogar sein, dass ein Arbeitsverhältnis entstanden ist. Hier liegt die Beweislast beim Arbeitgeber. Wenn das der Fall ist, endet das Beschäftigungsverhältnis erst nach einer schriftlichen Kündigung sowie Ablauf einer Kündigungsfrist von 2 Wochen. Allerdings müssten dann die Betroffenen nachweisen, dass sie ihre Arbeitskraft auch nach dem Probearbeitstag nachweislich angeboten haben. Dazu müssten die Betroffenen beim Arbeitsplatz erscheinen. Zeugen müssten das bestätigen. Eine glaubhaftes Anbieten der eigenen Arbeitskraft kann auch schriftlich erfolgen.

Darauf müssen Hartz IV Bezieher achten

Hartz IV Bezieher sollten die Probearbeit dem Jobcenter melden
Wer Hartz IV Leistungen bezieht, sollte die Probearbeit dem Jobcenter nachweislich schriftlich zu melden, damit
– der Versicherungsschutz nicht gefährdet wird,
– der Verdacht der Schwarz-Arbeit entsteht, und
– Eingliederungshilfen beantragt werden können (z.B. um die Fahrtkosten geltend zu machen)

Hartz IV abschaffen?

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