Auch Berufstätige können Hartz IV beantragen!

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Für einen Anspruch auf Hartz IV-Leistungen müssen Sie nicht zwingend arbeitslos sein. Auch Berufstätige können ihr Einkommen mit Hartz IV-Leistungen aufstocken. Voraussetzung hierfür ist, dass die Höhe Ihres Einkommens nicht ausreicht, um Ihren und den Lebensunterhalt Ihrer Familie sicherzustellen.

Wer hat Anspruch auf aufstockendes Hartz IV

Wenn Sie über eigenes Einkommen verfügen,  können Sie einen Antrag auf aufstockende Hartz IV-Leistungen stellen. Folgende Einnahmen gelten z.B. als Einkommen:

  • Arbeitslosengeld
  • Einkommen aus nichtselbstständiger Tätigkeit
  • Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit
  • Unterhaltszahlungen
  • Elterngeld

Für den Anspruch auf aufstockende Hartz IV-Leistungen ist es jedoch wichtig, dass Sie mit dem vorhandenen Einkommen Ihren Bedarf nicht decken können.

Beispiel: Sie leben alleine in einer Wohnung, die Miete beträgt 400,00 € und Sie erzielen Einkommen (abzüglich aller Freibeträge) in Höhe von 700 €. Ihr Bedarf würde in diesem Fall bei 824 € liegen. Da Ihr Einkommen unterhalb Ihres Bedarfs liegt, haben Sie einen Anspruch auf aufstockende Hartz IV-Leistungen in Höhe von 124 €. 

Selbstständig und Hartz IV

Anders als beim Arbeitslosengeld I (ALG I) steht das ALG II auch selbständigen Geringverdienern offen. Als Einkommen aus der selbständigen Tätigkeit ist ein Betrag anzusetzen, der vom Antragsteller selbst für den Bewilligungsabschnitt von in der Regel 6 Monaten als Betriebseinnahmen geschätzt wird. Die Schätzung soll auf realistischen Erfahrungen der Vergangenheit (z.B. letzter Steuerbescheid) beruhen. 

Als Betriebsausgaben können Selbstständige pauschal 30% der Betriebseinnahmen absetzen. Höhere notwendige Ausgaben müssen nachgewiesen werden. Selbständige Hartz IV Hilfeempfänger können zusätzlich zu den Absetzbeträgen von Arbeitnehmern (Freibetrag Erwerbstätigkeit, Versicherungspauschale) auch Beiträge in angemessener Höhe zur Alters- und Krankheitsvorsorge gewährt werden, soweit der Selbständige in der gesetzlichen Renten- bzw. Krankenversicherung nicht pflichtversichert ist.

Zum Hartz IV Rechner

Wie viel erhalten Hartz IV-Aufstocker?

Wenn Sie als erwerbstätige Personen einen Antrag auf aufstockende Hartz IV-Leistungen stellen, dann wird Ihr Einkommen gemäß § 11 SGB II auf diese Hartz IV-Leistung angerechnet. Das Einkommen wird jedoch nicht in voller Höhe angerechnet. Dem erwerbstätigen Hartz IV-Bezieher werden Freibeträge gewährt. 

Folgende Freibeträge auf das Erwerbseinkommen gibt es:

  • 100 € auf das Bruttoeinkommen
  • 20 % von 100 € bis 1.000 €
  • 10 % ab 1.000 €

Bei einem Bruttoeinkommen in Höhe von 1.500 €  (Nettoeinkommen beträgt 1.200 €) ergeben sich daher folgende Freibeträge:

  1. 100 €
  2. 20 % von 900 € (1.000 € – 100 €) = 180 €
  3. 10 % von 200 € (1.200 € – 1.000 €) = 20 €

Der Freibetrag liegt dann bei 300 €. Es können daher lediglich 900 € auf die Hartz IV-Leistungen angerechnet werden. 

Wer hat keine Anspruch auf aufstockendes Hartz IV?

Einen Anspruch auf Hartz IV/ aufstockendes Hartz IV haben gemäß § 7 SGB II alle erwerbsfähigen, hilfebedürftigen Personen im Alter zwischen 15 und 65 (je nach Rentenalter bis zu 67). Kein Anspruch auf aufstockendes Hartz IV besteht daher bei folgenden Einkommensarten:

  • Berufsausbildungsbeihilfe 
  • BaföG
  • Altersrenten
  • Erwerbsunfähigkeitsrente bei unbefristeter EU-Rente und bei voller EU-Rente

Bei diesen Einkommensarten fehlt es in den meisten Fällen an der Voraussetzung “erwerbsfähig”, da diese Personen dem Arbeitsmarkt nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen.

Sonderfall: Kinderzuschlag oder Hartz IV?

Wenn Sie minderjährige Kinder haben, die mit bei Ihnen im Haushalt leben und Sie neben dem Kindergeld über eigenes Einkommen oder Vermögen verfügen, haben Sie möglicherweise Anspruch auf den sog. Kinderzuschlag. Dieser soll verhindern, dass Familien nur aufgrund ihrer Kinder auf ALG II angewiesen sind. Sie können also nie sowohl Kinderzuschlag als auch ALG II erhalten. 

Den Kinderzuschlag erhalten Sie, wenn Sie mit Ihrem Einkommen oder Vermögen Ihren eigenen und den Bedarf Ihres Partners decken können (unterer Grenzwert für das Einkommen und Vermögen der Eltern), aber nicht mehr den vollen Lebensunterhalt Ihrer Kinder. In diesem Fall erhalten Sie maximal 140 Euro pro Kind. 

Maximal darf Ihr Einkommen eine Höhe haben, das dem (fiktiven) ALG II-Anspruch von Ihnen und Ihrem Partner zuzüglich des maximalen Gesamtkinderzuschlags entspricht (oberer Grenzwert). Der Zuschlag wird gemindert um eigenes Einkommen oder Vermögen des Kindes mit Ausnahme des Kindergeldes und des auf das Kind entfallenden Wohngeldanteils. Soweit das elterliche Einkommen oder Vermögen über den Eigenbedarf der Eltern hinausgeht, mindert es ebenfalls den Kinderzuschlag.

Wo beantrage ich aufstockende Hartz IV-Leistungen?

Aufstockende Hartz IV-Leistungen werden beim Jobcenter beantragt. Hierzu müssen Sie einen Antrag mit Angaben über Ihre finanzielle Situation einreichen. Nötige Angaben zur finanziellen Situation sind beispielsweise: 

  • die Höhe Ihrer Wohnkosten
  • Ihr monatliches Einkommen
  • ein möglicherweise bestehender Mehrbedarf
  • Ihre Vermögensverhältnisse

 

Quellen:

Zweites Sozialgesetzbuch (SGB II)