Beim Ruhestand im Ausland denken viele Rentner zuerst an Spanien oder Portugal. Im „Annual Global Retirement Index 2026“ steht jedoch ein anderes europäisches Land an der Spitze: Griechenland.
Griechenland verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr vom siebten auf den ersten Platz. Das Land überzeugt die Herausgeber vor allem durch vergleichsweise moderate Alltagskosten, das Klima, die medizinische Versorgung, seine geografische Vielfalt und das gesellschaftliche Leben.
Für deutsche Rentner ist das Ergebnis interessant, weil ein Umzug innerhalb der Europäischen Union rechtlich einfacher bleibt als eine Auswanderung in viele Staaten außerhalb Europas. Dennoch ist der erste Platz kein Beweis dafür, dass Griechenland für jeden älteren Menschen die beste Wahl darstellt.
Griechenland verdrängt die bisherigen Favoriten
Der Global Retirement Index 2026 des Magazins International Living vergleicht insgesamt 24 Länder. Bewertet werden Wohnen, Aufenthaltsbedingungen, Lebenshaltungskosten, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur, Klima und das persönliche Lebensgefühl ausländischer Bewohner.
Neben statistischen Daten fließen Erfahrungsberichte von Korrespondenten und Auswanderern ein. Der Index enthält deshalb bewusst auch subjektive Bewertungen und ist nicht mit einer amtlichen Untersuchung gleichzusetzen.
Hinzu kommt, dass sich das Angebot vor allem an Interessierte aus den USA und Kanada richtet. Aspekte wie Visa, private Krankenversicherung oder die Entfernung zur bisherigen Heimat haben für deutsche EU-Bürger teilweise eine andere Bedeutung.
| Platz im weltweiten Index 2026 | Land | Hervorgehobene Vorteile |
|---|---|---|
| 1 | Griechenland | Klima, Lebensgefühl, Kosten, Natur und Gemeinschaft |
| 4 | Portugal | Gesundheitsversorgung, Landschaft, Klima und Alltag |
| 6 | Italien | Kultur, regionale Vielfalt, Lebensmittel und Lebensweise |
| 7 | Frankreich | Gesundheitssystem, Infrastruktur und öffentliche Angebote |
| 8 | Spanien | Klima, medizinische Versorgung und große Auswanderergemeinschaften |
Warum Griechenland Rentner besonders anspricht
Griechenland bietet mehr als bekannte Ferieninseln und Strände. Rentner können zwischen dem Großstadtleben in Athen oder Thessaloniki, kleineren Städten auf dem Festland, Bergregionen und zahlreichen bewohnten Inseln wählen.
Das mediterrane Klima ermöglicht in vielen Gegenden einen Alltag, der sich über weite Teile des Jahres im Freien abspielt. Spaziergänge, Märkte, Cafés und gesellschaftliche Kontakte lassen sich häufig leichter in den Tagesablauf integrieren als in Regionen mit langen und kalten Wintern.
Auch die griechische Esskultur trägt zur Attraktivität bei. Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl und saisonale Lebensmittel gehören in vielen Regionen selbstverständlich zum Speiseplan.
International Living hebt außerdem die vergleichsweise offene Gesellschaft hervor. Besonders in Gegenden mit einer gewachsenen internationalen Gemeinschaft können neu zugezogene Rentner schnell Kontakte finden.
Die Kosten unterscheiden sich erheblich
Griechenland kann günstiger sein als viele deutsche Großstädte, doch pauschale Preisangaben sind wenig hilfreich. In Athen, auf Santorini, Mykonos und in anderen stark besuchten Feriengebieten sind Mieten und Dienstleistungen teilweise erheblich gestiegen.
Günstiger kann das Leben in kleineren Städten auf dem Festland, auf weniger touristischen Inseln oder außerhalb der bevorzugten Küstenlagen sein. Dort stehen niedrigeren Wohnkosten allerdings häufig längere Wege zu Kliniken, Behörden und Flughäfen gegenüber.
Auch die Jahreszeit beeinflusst das Angebot. Auf manchen Inseln schließen im Winter Restaurants, Geschäfte und Verkehrsverbindungen werden eingeschränkt, während die Orte im Sommer stark überfüllt sein können.
Vor einer Entscheidung sollten Interessierte deshalb nicht nur Durchschnittspreise vergleichen. Aussagekräftiger sind konkrete Mietangebote, Heiz- und Stromkosten, Fahrmöglichkeiten sowie die Preise für Medikamente und privatärztliche Behandlungen am gewünschten Wohnort.
Die Gesundheitsversorgung verlangt einen genauen Blick
Das Ranking bewertet die griechische Gesundheitsversorgung positiv, insbesondere im Verhältnis zu den Kosten für privat organisierte Behandlungen. In Athen, Thessaloniki und größeren regionalen Städten gibt es moderne Kliniken und zahlreiche Fachärzte.
Das Gesundheitsprofil 2025 von OECD und Europäischer Kommission zeigt jedoch auch Schwächen. Dazu gehören Versorgungslücken, Eigenzahlungen und Schwierigkeiten beim Zugang zu Behandlungen.
Auf kleineren Inseln und in ländlichen Gebieten kann die Auswahl an Fachärzten eingeschränkt sein. Bei schweren Erkrankungen ist mitunter eine Fahrt oder ein Flug in eine größere Stadt notwendig.
Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten daher schon vor dem Umzug klären, wo sich die nächste geeignete Klinik befindet. Ebenso sollten sie prüfen, ob benötigte Medikamente verfügbar sind und wie planbare Behandlungen organisiert werden.
So funktioniert die Krankenversicherung für deutsche Rentner
Wer in Deutschland in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert ist und dauerhaft nach Griechenland zieht, bleibt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung grundsätzlich im deutschen System versichert. Die Beiträge werden weiterhin von der Rente einbehalten.
Für die medizinische Versorgung in Griechenland wird regelmäßig das Formular S1 benötigt. Dieses stellt die deutsche Krankenkasse aus, anschließend muss es beim zuständigen griechischen Versicherungsträger registriert werden.
Versicherte erhalten Leistungen nach den Regeln des griechischen Systems. Das bedeutet, dass Umfang, Wartezeiten und mögliche Eigenbeteiligungen von den aus Deutschland bekannten Bedingungen abweichen können.
Die Europäische Krankenversicherungskarte allein reicht für einen dauerhaften Wohnsitz nicht aus. Sie ist vorrangig für notwendige Behandlungen während eines vorübergehenden Aufenthalts vorgesehen.
Deutsche Renten werden in Griechenland grundsätzlich weitergezahlt
Bei einem dauerhaften Umzug in einen EU-Mitgliedstaat wird eine deutsche Altersrente in den meisten Fällen in unveränderter Höhe weitergezahlt. Die Überweisung kann auf ein deutsches oder griechisches Konto erfolgen.
Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt dennoch eine Beratung vor dem Umzug. Besonderheiten können unter anderem bei bestimmten Zeiten nach dem Fremdrentengesetz oder bei einzelnen Formen der Erwerbsminderungsrente auftreten.
Weitere Informationen zu möglichen Ausnahmen enthält der Gegen-Hartz-Beitrag „Rente im Ausland: In diesen Ländern wird gekürzt – in diesen nicht“. Rentner sollten zudem ihre neue Anschrift und Bankverbindung rechtzeitig mitteilen.
Grundsicherung im Alter lässt sich nicht einfach mitnehmen
Besonders vorsichtig müssen Rentner sein, deren gesetzliche Rente nicht für den Lebensunterhalt ausreicht. Die deutsche Grundsicherung im Alter setzt grundsätzlich einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland voraus.
Bei einer dauerhaften Verlagerung des Wohnsitzes nach Griechenland entfällt der reguläre Anspruch. Nur für sehr eng begrenzte Ausnahmefälle enthält das Sozialhilferecht besondere Bestimmungen für Deutsche im Ausland.
Eine niedrige Miete in Griechenland hilft deshalb wenig, wenn ein Teil des bisherigen Einkommens nach dem Umzug nicht mehr gezahlt wird. Vor der Auswanderung muss berechnet werden, ob die eigene Rente und weiteres gesichertes Einkommen dauerhaft ausreichen.
EU-Bürger benötigen kein Visum
Deutsche Staatsangehörige dürfen zunächst mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass nach Griechenland einreisen. Für die ersten drei Monate darf kein gesondertes Aufenthaltsdokument verlangt werden, auch wenn örtliche Meldepflichten bestehen können.
Für einen längeren Aufenthalt kann eine Registrierung notwendig werden. Nach den EU-Regeln für Rentner müssen ausreichende Einkünfte und ein umfassender Krankenversicherungsschutz nachgewiesen werden.
Nach fünf Jahren rechtmäßigen und ununterbrochenen Aufenthalts entsteht grundsätzlich ein Daueraufenthaltsrecht. Für deutsche Rentner ist der Zugang damit deutlich einfacher als für Personen aus Staaten außerhalb der EU.
Das griechische Steuermodell klingt attraktiv, gilt aber nicht automatisch
Griechenland bietet ausländischen Rentnern unter bestimmten Voraussetzungen eine besondere Besteuerung an. Nach Artikel 5B des griechischen Einkommensteuerrechts können qualifizierte neue Steuerresidenten ihre ausländischen Einkünfte für bis zu 15 Steuerjahre mit sieben Prozent versteuern.
Die griechische Steuerbehörde AADE bestätigt, dass dafür der steuerliche Wohnsitz nach Griechenland verlegt und ein gesonderter Antrag gestellt werden muss. Weitere persönliche Voraussetzungen müssen ebenfalls erfüllt sein.
Die sieben Prozent bedeuten nicht zwangsläufig, dass auf eine deutsche Rente nur noch diese Steuer anfällt. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Griechenland, die Art der Rente und weitere Einkünfte können zu einem anderen Ergebnis führen.
Vor dem Umzug sollte deshalb eine Beratung bei Fachleuten stattfinden, die sowohl das deutsche als auch das griechische Steuerrecht kennen. Besonders bei Betriebsrenten, Beamtenpensionen, Mieteinnahmen und Kapitalvermögen kann eine ungenaue Einschätzung teuer werden.
Pflege und Unterstützung im Alter mitplanen
Ein Wohnort am Meer kann mit 65 Jahren problemlos funktionieren und mit 80 Jahren erhebliche Schwierigkeiten verursachen. Steile Wege, fehlende öffentliche Verkehrsmittel und große Entfernungen zu Ärzten werden mit zunehmenden Einschränkungen wichtiger.
Deutsche Pflegeleistungen werden bei einem Umzug ins EU-Ausland nicht in jeder Form unverändert erbracht. Geld- und Sachleistungen unterliegen unterschiedlichen europäischen Bestimmungen, weshalb eine Einzelfallprüfung bei der Pflegekasse erforderlich ist.
Auch die Nähe zu Angehörigen sollte in die Entscheidung einfließen. Häufige Flüge nach Deutschland, kurzfristige Reisen bei Krankheit und eine mögliche Rückkehr verursachen Kosten, die in einfachen Auswanderungsrechnungen fehlen.
Ein Probewohnen schützt vor einer vorschnellen Entscheidung
Eine Ferienreise vermittelt kaum, wie sich ein dauerhafter Alltag in Griechenland anfühlt. Sinnvoll ist ein mehrmonatiger Testaufenthalt, der möglichst auch einen Teil des Winters umfasst.
Während dieser Zeit lassen sich Mietmarkt, ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Nahverkehr und Internetverbindung vor Ort prüfen. Auch Sprachbarrieren und der Umgang mit Behörden werden erst im Alltag sichtbar.
Von einem sofortigen Immobilienkauf ist ohne genaue Ortskenntnis eher abzuraten. Eine gemietete Wohnung hält die Möglichkeit offen, den Ort zu wechseln oder nach Deutschland zurückzukehren.
Beispiel aus der Praxis
Ein 68-jähriger Rentner aus Hannover erhält monatlich 1.750 Euro gesetzliche und betriebliche Rente. Er interessiert sich für eine kleinere Stadt auf dem griechischen Festland, weil dort eine Wohnung für 620 Euro angeboten wird.
Bei seiner Planung berücksichtigt er zusätzlich Strom, Krankenversicherung, private Arztbesuche, Fahrten nach Deutschland und eine Rücklage für unerwartete Ausgaben. Dabei stellt er fest, dass sein Budget grundsätzlich ausreichen könnte, ein Leben auf einer abgelegenen Insel wegen der medizinischen Versorgung jedoch nicht zu ihm passt.
Er mietet zunächst für sechs Monate eine Wohnung und bleibt auch über den Winter. Erst danach entscheidet er, ob er seinen deutschen Wohnsitz vollständig aufgibt und seinen steuerlichen Lebensmittelpunkt nach Griechenland verlegt.
Griechenland ist ein starker Kandidat, aber kein Rentnerparadies für alle
Der erste Platz im Global Retirement Index 2026 zeigt, wie stark Griechenland als Ruhestandsziel an Bedeutung gewonnen hat. Klima, Natur, gesellschaftliches Leben und vielerorts niedrigere Kosten ergeben eine attraktive Mischung.
Der Rang darf jedoch nicht über regionale Unterschiede bei Mieten, medizinischer Versorgung und Verkehr hinwegtäuschen. Auch Steuern, Krankenversicherung, Pflege und der mögliche Verlust deutscher Sozialleistungen müssen vor einer dauerhaften Auswanderung geprüft werden.
Einen weiteren Vergleich bietet der Gegen-Hartz-Beitrag „Rente im Ausland beziehen: Sieben Länder im Vergleich“. Am Ende zählt nicht der Rang eines Landes, sondern ob der gewählte Ort langfristig zur Gesundheit, zum Einkommen und zum persönlichen Alltag passt.
Fragen und Antworten zum Ruhestand in Griechenland
1. Welches Land belegt 2026 den ersten Platz für Rentner?
Griechenland steht im „Annual Global Retirement Index 2026“ von International Living auf Platz eins. Das Land verbesserte sich damit vom siebten Rang im Vorjahr an die Spitze.
2. Wird die deutsche Rente nach Griechenland weitergezahlt?
Eine deutsche Altersrente wird bei einem Umzug nach Griechenland in den meisten Fällen in unveränderter Höhe weitergezahlt. Bei besonderen Versicherungszeiten oder bestimmten Erwerbsminderungsrenten sollte zuvor eine Auskunft der Deutschen Rentenversicherung eingeholt werden.
3. Bleiben deutsche Rentner krankenversichert?
Pflichtversicherte Mitglieder der Krankenversicherung der Rentner bleiben bei einem Umzug innerhalb der EU grundsätzlich im deutschen System. Für die Behandlung in Griechenland wird üblicherweise das Formular S1 benötigt.
4. Zahlen deutsche Rentner in Griechenland nur sieben Prozent Steuern?
Nicht automatisch. Das besondere Steuermodell gilt nur nach einem erfolgreichen Antrag und bei erfüllten Voraussetzungen; außerdem müssen das deutsch-griechische Doppelbesteuerungsabkommen und die jeweilige Rentenart berücksichtigt werden.
5. Kann Grundsicherung im Alter nach Griechenland mitgenommen werden?
Bei einem dauerhaften Wohnsitz in Griechenland besteht grundsätzlich kein regulärer Anspruch auf deutsche Grundsicherung im Alter. Rentner mit einem kleinen Einkommen sollten die finanziellen Folgen deshalb vor dem Umzug vollständig berechnen lassen.
6. Welche Region eignet sich für ältere Menschen besonders?
Eine allgemeine Empfehlung ist nicht möglich. Für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind Orte mit erreichbaren Kliniken, Fachärzten, Einkaufsmöglichkeiten und ganzjährigem Nahverkehr meist geeigneter als abgelegene Inseln oder Bergdörfer.




