Rente, ohne in Deutschland einzuzahlen? Mit Fremdrente geht das

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Um eine gesetzliche Rente zu bekommen, müssen Versicherte in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben und eine Wartezeit erfüllen. Das ist die Regel. Eine Ausnahme ist die “Fremdrentne”.

Diese gilt für bestimmte (nicht alle) Bürger, die in einem anderen Land lebten als Deutschland, deshalb nicht in die Deutsche Rentenkasse einzahlen konnten, aber trotzdem einen Rentenanspruch haben.

Für wen gilt die Fremdrente?

Einen Anspruch auf Fremdrente haben Spätaussiedler und Vertriebene. Diese verbrachten einen Großteil ihres Leben im Ausland, bevor sie nach Deutschland einwanderten. Bei ihnen sollen die Beschäftigungszeiten im Herkunftsland einen Leitfaden geben, um ihren Anspruch auf Rente zu klären.

Gilt die Fremdrente nur im Alter?

Die Fremdrente gilt für verschiedene gesetzliche Renten. Es wird geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Altersrente vorliegen, aber auch eine Erwerbsminderungsrente oder eine Rente wegen Todes ist möglich. Die genaue Verfahrensweise regelt das Fremdrentengesetz.

Wer hat einen Anspruch?

Die Voraussetzung für eine Fremdrente ist erst einmal, als Vertriebene oder Spätaussiedler anerkannt zu sein. Eine Fremdrente gilt also nicht für diese beiden Gruppen, nicht für alle Einanderer.

Vertriebene gelten als Deutsche. Sie müssen die Vertreibungsgebiete vor dem 31. Dezember 1992 verlassen haben. Bei Ihnen kann auch der Ehepartner als Vertriebener anerkannt werden, wenn er nicht als deutsch definiert ist.

Wer aus besagten Gebieten nach dem 31. Dezember 1992 nach Deutschland kam und als deutsch gilt, kann zwar ebenfalls Fremdrente beanspruchen, hat aber den Status eines Spätaussiedlers. Nichtdeutsche Ehepartner werden -anders als bei Vertriebenen- nicht als Spätaussiedler anerkannt und haben keinen Anspruch auf Fremdrente.

Woher kommen die Spätaussiedler und Vertriebenen?

Meist handelt es sich bei Vertriebenen und Spätaussiedlern um Menschen, die zuvor in der UDSSR (Russland, Kasachstan), dem ehemaligen Ostblock (Polen, Ungarn, Rumänien / Siebenbürgen) oder dem damaligen Jugoslawien (Donauschwaben) lebten. Vertriebene kamen auch aus dem heutigen Tschechien (Sudetendeutsche).

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Wo werden Spätaussiedler anerkannt?

Das Bundesverwaltungsamt in Friedland entscheidet über die Anerkennung als Vertriebene und Spätaussiedler. Den Antrag, um als Spätaussiedler anerkannt zu werden, müssen die Betroffenen selbst stellen.

Welche Rentenzeiten werden angerechnet?

Für die Rente in Deutschland werden vergleichbare Tätigkeiten im Herkunftsland angerechnet. Dazu zählen Rentenbeiträge bei einer vergleichbaren Rentenversicherung, wenn diese dort noch existieren, außerdem Wehr- und Zivildienst, Dienstzeiten als Polizist, Soldat oder im Zoll.

Auch bestimmte Beschäftigungen im Herkunftsland ohne Rentenbeiträge werden anerkannt, zum Beispiel die Arbeit als Kolchosbauer in der UDSSR. Beitragsfreie Zeiten werden ähnlich angerechnet wie in Deutschland, also zum Beispiel im Mutterschutz, in der Kindererziehung, in der Schule, bei Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit.

Generell gilt dabei: Haben die Betroffenen bereits eine Rente oder einer Rente vergleichbare Bezüge für bestimmte Zeiten bekommen, gelten diese in Deutschland nicht als Beitragszeiten.

Kindererziehung wird anerkannt

Wichtig zu wissen: Ist der Vater als Spätaussiedler anerkannt und hat mit der nicht anerkannten Mutter im Herkunftsland Kinder groß gezogen, dann können ihm die Kindererziehungszeiten bei der Rente angerechnet werden. Dies müssen Betroffene jedoch binnen eines Jahres in Deutschland beantragen.

Sonderregeln für Kasachstan

Laut dem Gesetz in Kasachstan können sich dort Rentenberechtigte ihre Rentenbeiträge auch bei oder nach der Ausreise erstatten lassen. Da eine Fremdrente in Deutschland nur möglich ist ohne eine derartige Auszahlung, muss hierzulande eine aktuelle Bescheinigung des kasachischen Ansparfonds ENPF vorgelegt werden.

Nur wenn dieser keinen aktuellen Eintrag über Auszahlungen und Beitragserstattungen zur Rente enthält, können die entsprechenden Zeiten angerechnet werden. Auch eine spätere Überprüfung findet bisweilen statt, da die Auszahlung auch nach der Ausreise geleistet werden könnte.