Mehrere deutsche Städte und Kommunen setzen ein Projekt um. Sie bieten ihren Rentnern an, ihren Führerschein gegen ein kostenloses Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr einzutauschen.
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Führerschein-Abgabe ist dauerhaft und erfordert Neustart
Dieses Angebot hat jedoch einen entscheidenden Haken: Die Abgabe des Führerscheins ist dauerhaft. Juristisch gesehen bedeutet dies, dass die Fahrerlaubnis nach der Abgabe nicht wieder automatisch gültig wird.
Sascha von Eicken, ein auf Verkehrsrecht spezialisierter Berliner Anwalt, erklärte, dass diejenigen, die sich entscheiden, ihren Führerschein abzugeben, Fahrstunden und Prüfungen erneut absolvieren müssen, wenn sie wieder Auto fahren möchten.
Deshalb sollte dieser Schritt zuvor genau überlegt sein, da eine Revidierung ausgeschlossen ist.
Die Bedingungen für dieses Tauschangebot variieren je nach Ort. Beispielsweise bietet der Ennepe-Ruhr-Kreis oder die Stadt Lübeck ein Jahresabo für den Führerschein-Verzicht an, während in Dortmund das Deutschlandticket für zwei Monate kostenlos erhältlich ist.
Positive Auswirkungen auf das Klima
Die Idee hinter dieser Initiative ist klar: Weniger Autos auf den Straßen bedeuten weniger Verkehrsstaus, weniger Umweltbelastung und insbesondere eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Trotz des Mangels an genauen Zahlen zur Höhe des Einspareffekts betont die Initiative “Deutschland mobil 2030”, dass die Aktion dazu beitragen soll, die Klimaziele zu erreichen.
Kritik: Mobilität im ländlichen Raum bleibt auf der Strecke
Was in gut angebundenen Großstädten wie Bonn oder Lübeck funktionieren mag, stößt im ländlichen Raum an harte Grenzen. Wer im Ennepe-Ruhr-Kreis oder in den Außenbezirken von Dortmund lebt, kennt die Realität: Busse fahren im Stundentakt, abends und am Wochenende oft gar nicht. Ein Deutschlandticket nützt wenig, wenn schlicht kein Nahverkehr existiert, der genutzt werden könnte.
Gerade für ältere Menschen hängt an der Fahrerlaubnis weit mehr als Bequemlichkeit. Arztbesuche, Einkäufe, Besuche bei Angehörigen – auf dem Land ist das Auto häufig die einzige realistische Möglichkeit, diese Wege eigenständig zu bewältigen. Wer seine Fahrerlaubnis dauerhaft abgibt, riskiert im schlimmsten Fall soziale Isolation und den Verlust selbstständiger Lebensführung.
Hinzu kommt: Nach Ablauf des kostenlosen Zeitraums – in Dortmund nach nur zwei Monaten, andernorts nach einem Jahr – müssen Betroffene das Deutschlandticket zum regulären Preis von derzeit 58 Euro monatlich selbst bezahlen. Für Rentnerinnen und Rentner mit kleiner Rente sind das 696 Euro im Jahr, die dauerhaft eingeplant werden müssen.
Ob und wann der Preis erneut steigt, ist dabei nicht absehbar. Das Bundesverkehrsministerium hat bereits signalisiert, dass weitere Preisanpassungen nicht ausgeschlossen sind.
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Wer diesen Tausch in Erwägung zieht, sollte deshalb nicht nur die aktuelle Situation bewerten, sondern ehrlich prüfen: Komme ich in meinem Wohnort auch in drei oder fünf Jahren noch zuverlässig ohne Auto zurecht?
Große Nachfrage
Das Tauschangebot erfreut sich einer erheblichen Nachfrage in den teilnehmenden Städten. Die Stadt Lübeck beispielsweise hat in diesem Jahr bereits 750 Tauschabonnements herausgegeben und plant, in den kommenden beiden Jahren jeweils 500 weitere anzubieten.
Ursprünglich war das Angebot ausschließlich auf Rentnerinnen und Rentner ausgerichtet, da Statistiken darauf hinweisen, dass ältere Menschen im Straßenverkehr stärker unfallgefährdet sind. Allerdings wird das Angebot mittlerweile auf alle Altersgruppen ausgeweitet, um möglichst vielen Bürgern die Teilnahme zu ermöglichen.
Wo gibt es das Tauschangebot Führerschein gegen Deutschlandticket?
Verschiedene deutsche Städte nehmen an dieser Initiative teil. Hier sind einige Beispiele:
In Bonn können Bürger über 60 Jahren ihren Führerschein für sechs Monate gegen ein kostenloses Deutschlandticket eintauschen, wobei die Stadt Bonn die Kosten trägt.
In Dortmund haben Bürger die Möglichkeit, ihren Führerschein gegen ein kostenloses Deutschlandticket für zwei Monate einzutauschen. Bei einem aktuellen Ticketpreis von 58 Euro monatlich entspricht das einem Gegenwert von lediglich 116 Euro – für den dauerhaften Verzicht auf die Fahrerlaubnis. Anlaufstelle ist der DSW21.
Im Ennepe-Ruhr-Kreis bewarben sich in diesem Jahr 130 Bürger auf das Tauschangebot des Kreises, bei dem sie ein Jahr lang ein kostenloses Deutschlandticket erhielten, wenn sie ihren Führerschein abgaben.
In Leverkusen haben Bürger über 75 die Möglichkeit, ein kostenloses Jahresabo des Deutschlandtickets bei Verzicht auf die eigene Fahrerlaubnis zu erhalten.
In der Hansestadt Lübeck können Bürger durch den Verzicht auf die eigene Fahrerlaubnis ein kostenloses Deutschlandticket für ein Jahr erhalten. Zusätzlich ist in Lübeck sogar die Priwallfähre für Fußgänger inklusive. Hierbei handelt es sich um einen dreijährigen Modellversuch mit begrenzter Ticket-Anzahl.
Deutschlandticket gegen Führerschein – das sollte gut überlegt sein
Die Tauschoption von Führerscheinen gegen preiswerte oder sogar kostenlose Tickets für den öffentlichen Nahverkehr sollte genau überlegt sein. Das Angebot gilt vielerorts nicht nur für Personen, die eine Rente beziehen. Ein Zurück gibt es dann nicht mehr, es sei denn, man legt erneut die Fahrprüfung ab.




