Hartz IV: Hundertausende Kinder haben Schulden bei der Agentur für Arbeit

Über eine halbe Million Kinder und Jugendliche wachsen mit Schulden auf. Sie haften bei der Agentur für Arbeit für die Fehler ihrer Eltern.

Hundertausende Kinder sind unverschuldet bei der Bundesagentur verschuldet

Laut Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales haben aktuell 570.000 Minderjährige unverschuldet 192,2 Millionen Euro Schulden beim Staat. Grund dafür ist Hartz IV.

Die Kinder und Jugendlichen werden für die Fehler ihrer Eltern bestraft. Stehen diese im Leistungsbezug und kommen ihren Mitwirkungspflichten nicht nach, melden also beispielsweise eine neue Anstellung oder Lohnerhöhung nicht unmittelbar an das Jobcenter, kommt es zur Neuberechnung der Ansprüche und Rückforderungen.

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Mit der Volljährigkeit kommt der Inkassobescheid von der Bundesagentur

Die Rückforderungen werden natürlich gegen die Eltern geltend gemacht, würde man annehmen. Das stimmt aber nur zum Teil. Denn alle „zuviel“ gezahlten kinderbezogenen Leistungen gehen auf Kosten der Kinder. Mit Erreichen der Volljährigkeit erhalten diese dann Rückforderungen von den Inkassobüros der Bundesagentur für Arbeit.

Das Bundessozialgericht hat immerhin eine Haftungsbeschränkung durchgesetzt, nach der nur das bis zur Volljährigkeit angesparte Vermögen mit der Schuldentilgung belastet werden darf. Doch das berücksichtigen die Eintreiber der Bundesagentur in ihrer zahlungsaufforderung nicht. Wer von dieser gerichtlich durchgesetzten Regelung nicht weiß, zahlt unter Umständen und startet verschuldet ins Erwachsenenleben. Sozialverbände und Parteien fordern unterdessen ein Ende der Schuldenübertragung und bessere Möglichkeiten zur Schuldenabsenkung für junge Erwachsene.

Bild: Dmitry Lobanoc / AdobeStock

Hartz IV abschaffen?

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