Hartz IV: Corona-Weihnachten besonders hart

Die Weihnachtszeit als Zeit übermäßigen Konsums stellt für Hartz IV-Betroffene eine besonders schwere Zeit dar. Während sie jeden Euro zweimal umdrehen, um Strom- und Essensrechnungen zu begleichen, fröhnen die Nachbarn dem Überfluss. Die Corona-Krise verschärft die Situation durch teurere Preise und Kontaktbeschränkungen dieses Jahr besonders.

Mehrkosten durch Weihnachten sind mit Hartz IV kaum zu stemmen – ob mit oder ohne Corona

Aber Weihnachten ist für Betroffene von Hartz IV immer eine schwere Zeit. Die Mehrkosten für Weihnachtsdeko, Festessen oder Geschenke für die Kinder werden von den Leistungen nicht berücksichtigt. 2011 wurde sogar der Bedarf für “Schnittblumen und Zimmerpflanzen” gestrichen – ein Weihnachtsbaum muss also ebenfalls vom Regelbedarf abgespart werden.

Ausgrenzung und Stigmatisierung treten also gerade in einer Zeit besonders nachdrücklich zu Tage, in der allenthalben von Nächstenliebe die Rede ist. Zwar gibt es viele kleine Initiativen und Projekte, die Menschen in Armut kleine Freuden zur Weihnachtszeit bereiten. Aber diese können nur wenige Menschen erreichen und vor allem: Die systematische Missachtung wird damit nicht überwunden.

Corona-Weihnachten stellt eine besondere Belastung dar

Der Verbandschef der Tafeln Jochen Brühl forderte heute einen “Rettungsschirm für Arme”. Damit schließt er sich der Forderung nach einer kurzzeitigen Erhöhung der Hartz IV-Sätze um 100 Euro an, um Preisteuerungen und Lebensmittelkosten ausgleichen zu können.

Während die öffentliche Debatte sich darum dreht, wie diese Weihnachten gefeiert werden können, denkt wieder einmal niemand an die Ärmsten der Gesellschaft. “Für viele Tafel-Kunden ist das überhaupt kein Thema”, so Brühl. “Die sitzen an den Feiertagen allein in ihrer Wohnung ohne soziale Kontakte, ohne Festessen. Die Pandemie hat die Dimension der Vereinsamung in unserem Land noch einmal verstärkt.” Beitragsbild: Marc Wiegelmann / AdobeStock

Hartz IV abschaffen?

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