Die bessere Alternative zur Privatinsolvenz

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Gibt es eine Alternative zur privaten Insolvenz?

Die Privatinsolvenz bedeutet für die Betroffenen einen schwerwiegenden Eingriff in das Leben. In der Regel müssen Schuldner 3 bis 6 Jahre mit minimalem Einkommen leben, da alles über einen Betrag von 1.139,99 Euro gepfändet wird. Erst nach dieser Zeit können sich überschuldete Menschen von ihren Schulden befreien. Gibt es auch Alternativen?

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Außergerichtlicher Schuldenvergleich

Eine Alternative könnte der Schuldenvergleich sein. Es ist ein Vergleich zwischen den Gläubigern und Schuldnern und wird durch gegenseitiges Nachgeben beendet. In der Regel können Überschuldete den Gläubigern einen Vergleich vorschlagen. Allerdings steht es den Gläubigern offen, in die Vergleichsverhandlungen zu treten. In einem individuellen Vertrag werden – sofern Schuldner und Gläubiger sich einigen können – vertragliche Regelungen getroffen, um die Schulden abzutragen.

Abzahlungsplan vereinbaren

Die Gläubiger sind in aller Regel daran interessiert, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurück zubekommen. Deshalb werden sich die meisten auch darauf einlassen. Kommt es zu einer Zusammenarbeit mit den Gläubigern, vereinbaren beide Seiten einen Abzahlungsplan. Die Schuldner tilgen einen Teil der Schulden und dafür verzichtet der Gläubiger auf einen anderen Teil der Forderung. Die Restschuld wird dem Schuldner erlassen. Das wird vertraglich fixiert. So wird der Schuldner von seinen Restschulden freigesprochen, ohne einen Antrag auf Insolvenz stellen zu müssen. Wichtig: Der Vertrag ist bindend, so dass später erlassene Forderungen aus dem Vergleich nicht wieder erneut verlangt werden können.

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Was ist der Vorteil bei einem Schuldenvergleich?

Zunächst einmal müssen Schuldner kein Insolvenzverfahren durchstehen, das ebenfalls mit Kosten verbunden ist. Man muss keine 3 bis 6 Jahre am Rande des Existenzminimums leben, um Schuldenfrei zu werden. Die Kreditwürdigkeit bleibt erhalten. Langfristig positiv ist, dass kein Insolvenzverfahren bei der Schufa vermerkt ist. Ein Schuldenvergleich ist kein öffentlicher Vorgang, weshalb dieser nicht ins Schuldenregister aufgenommen wird. Bei einem Insolvenzverfahren muss alles offen gelegt und alles verwertet werden, was irgendwie zu Geld gemacht werden kann. Bei einem Schuldenvergleich ist das nicht notwendig.

Schuldenvergleich auch für Gläubiger von Vorteil

Für Gläubiger ist der Schuldenvergleich ebenfalls von Vorteil. Sie müssen nicht zusätzliche Zeit und finanzielle Mittel aufbringen, um die Schulden einzutreiben. Durch einen Vergleich bekommen sie wenigstens einen Teil ihrer Forderungen wieder, während in den meisten Fällen die Gläubiger im Insolvenzverfahren durch hohe Verfahrenskosten leer ausgehen.

Wie einen Gläubiger davon überzeugen, dass ein Vergleich von Vorteil ist?

Wie erwähnt, müssen sich Gläubiger nicht auf einen außergerichtlichen Schuldenvergleich einlassen. Bei einem Insolvenzverfahren werden die Gläubiger keineswegs alle Forderungen eintreiben können. Meistens gehen die Gläubiger leer aus. Es macht Sinn, den Gläubigern eine höhere Summe anzubieten, als die sie durch das Insolvenzverfahren erhalten würden. Der Abzahlplan sollte dennoch realistisch sein, damit man als Schuldner den Vertrag auf Jahre hinweg gesehen, einhalten kann.

Achtung: Abzahlungsplan unbedingt einhalten

Kann man den Vertrag nicht einhalten und die vereinbarten Abtragszahlungen bleiben aus, kann der Gläubiger den Vertrag einseitig kündigen. Zwangsvollstreckung und unfreiwillige Insolvenz sind dann die Folge. Das sollte man verhindern! Deshalb ist eine realistische Einschätzung wichtig, damit der Schuldenvergleich nicht platzt.

Immer sich Hilfe suchen!

Sinnvoll bei den Verhandlungen ist immer eine dritte Partei. Die Schuldnerberatung oder auch versierte Anwälte, die sich mit dem Insolvenzrecht und Schuldentilgung auskennen, sollten hinzugezogen werden. Fachleute können bei den Verhandlungen helfen und auch dabei behilflich sein, realistische Tilgungsziele zu vereinbaren. Zusätzlich helfen Juristen bei der Ausgestaltung des Vertrages und schaffen als “dritte Partei” Vertrauen bei den Gläubigern, damit diese sich auf einen Vergleich einlassen. Die Schuldnerberatung unternimmt für Schuldner beinahe täglich Verhandlungen, weshalb diese ziemlich genau wissen, worauf es ankommt. Sie wissen auch, wie man Gläubiger überzeugen kann und welche Ziele realistisch sind.

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