Dann ist eine Steuerklärung auch bei Hartz IV sinnvoll

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Für Arbeitnehmer bietet die Steuererklärung die Möglichkeit Geld vom Staat wieder zurückzuholen. Meistens werden zu viel gezahlte Steuern zurückerstattet. Gilt das aber auch für Bezieher vom Arbeitslosengeld II (Hartz IV)? Ja, aber nur in bestimmten Situationen.

Sehr wohl macht eine Steuererklärung in manchen Konstellation Sinn. Aber Achtung: Wer während des Leistungsbezugs Geld von der Steuer zurückbekommt, muss mit einer Anrechnung als Einkommen rechnen!

Im Grundsatz ist Hartz IV steuerfrei

Im Grundsatz wird Hartz IV als Soziale Leistung steuerfrei bezogen. Demnach unterliegen Sozialleistungen auch nicht dem sog. Progressionsvorbehalt. Wer demnach Hartz IV bezieht, muss auch keine höhere Besteuerung seines Einkommens fürchten.

Vorweg: Es macht keinen Sinn eine Steuererklärung einzureichen, wenn man das gesamte Jahr Hartz IV bezogen hat. Allerdings kommt es auch oft dazu, dass die ALG II-Leistungen nur für einen kurzen Zeitraum bezogen wurde.

Nur ein paar Monate Hartz IV bezogen

Wer also “nur ein paar Monate Hartz IV bezog und das restliche Jahr einen Arbeitsplatz hatte, der sollte in jedem Fall zu viel gezahlte Steuer vom Finanzamt zurückholen”, wie der Steuerberater Sven Müntering aus Hannover berichtet.

Vor allem Steuerpflichtige ohne Unterhaltspflicht, die in Steuerklasse I oder II sind, profitieren so von einer saftigen Steuerrückerstattung!

Aufstocker sollten eine Steuererklärung machen

Viel Sinn macht eine Steuererklärung auch für Bezieher von aufstockenden Hartz IV Leistungen. Denn Kosten, die mit der Ausübung der Arbeit zusammenhängen, können in der Steuererklärung als Werbungskosten abgesetzt werden. Dazu zählen zum Beispiel:

1. Fahrt- und Reisekosten
2. Bewerbungskosten und
3. Kosten für Berufsbekleidung und Arbeitswerkzeuge

Werbungskosten sind Kosten, die Ihnen im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit entstanden sind. Das können alle möglichen Kosten von Fahrtkosten über Kosten für Dienstreisen bis zu Berufsbekleidung. Dafür wird eine Pauschale von 1.000 EUR angerechnet. Übersteigt die Pauschale, werden die Kosten nämlich von dem Einkommen abgezogen. Man muss dann nur noch auf den Rest Steuern zahlen.

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Rückerstattung möglich wenn Arbeitssuche nicht das ganze Jahr dauerte

“In den Fällen, in denen die Arbeitssuche nicht das gesamte Jahr andauerte, ist in der Regel mit einer Steuerrückerstattung zu rechnen”, erläuterte der VLH-Chef Jörg Strötzel. “Vor allem bei Ledigen in den Steuerklassen 1 oder 2 liegen diese oft bei einigen hundert Euro, wenn das Arbeitsverhältnis nicht durchgängig bestand”.

Rückzahlung Steuern gilt als Einkommen bei Hartz IV

Erhalten Hartz IV-Bezieher eine Rückerstattung, ist dennoch Vorsicht geboten. Laut eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts (Az.: 1 BvR 2007/11) ist die Anrechnung auf laufende Hartz IV-Zahlungen einer Einkommensteuer-Erstattung nicht verfassungswidrig.

Eine Klägerin hatte eine Beschwerde eingereicht, nachdem sie in den Vorinstanzen jeweils gescheitert war. Das Jobcenter hatte die Einkommensteuer-Erstattung als „Einkommen“ und nicht als „Vermögen“ bewertet und daher die Hartz IV-Leistungen entsprechend um den Betrag gekürzt. Die Verfassungsrichter vertraten die Ansicht, eine „Anrechnung der Steuererstattung verletze nicht das Grundrecht auf Eigentum“.

Hartz IV abschaffen?

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