Hartz IV Bezieher sterben früher

Arbeitsloseninitiativen fordern Kostenbefreiung im Gesundheitsbereich: Direkter Zusammenhang zwischen Gesundheitskosten und Lebenserwartung

04.10.2012

Als "absolut schlüssig" hat die Koordination Saarländischer Arbeitsloseninitiativen (KSA) den jetzt vom DIW und dem Robert-Koch-Institut festgestellten Zusammenhang zwischen Armut und Lebenserwartung bezeichnet. Insbesondere seit dem Gesundheitsstrukturreformgesetz sei vielfach zu beobachten, dass Hartz-IV-Bezieher/innen und generell Einkommensarme den Gang zum Arzt scheuten. Zum einen fehle das Geld für Zuzahlungen für Arzneimittel und Kuren, zum anderen schrecke die Praxisgebühr ab.

Manferd Klasen, Vorsitzender der Koordination Saarländischer Arbeitsloseninitiativen (KSA): "Insbesondere zum Quartalsende entfällt der Arztbesuch, da viele Arbeitslose bei fortgesetzter Behandlung zweifach Praxisgebühr zahlen zu müssen. Brillen können gar nicht mehr angeschafft werden, da die Kosten die finanziellen Möglichkeiten von Langzeitarbeitslosen und generell Einkommensarmen deutlich überstiegen."

Nach Angaben der KSA sei es deshalb auch nicht verwunderlich, dass Geringverdiener häufiger in Unfälle verwickelt seien. Finanzielle Sorgen und die Sorge um die beruflichen Perspektiven belasteten die Psyche stark und führten auch zu einem deutlich höheren Prozentsatz an Selbstmordgefährdeten.

Um zumindest die finanziellen Folgen von Krankheit zu beheben, so KSA-Vorsitzender Manfred Klasen, sei eine generelle und vollständige Befreiung der Gesundheitskosten für Arme und Arbeitslose dringend notwendig! Klasen wörtlich: "Die jetzige Regelung, wonach Menschen im Sozialleistungsbezug genauso stark zur Kasse gebeten werden wie gut Verdienende, führt letztlich zu einem schlechteren Gesundheitszustand und einer geringeren Lebenserwartung. Dies ist ein bisher wenig beachteter Skandal!" (ksa)

Hartz IV abschaffen?

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